Revierbericht von Dr. Kuyumcu zur LMBV-Barbarafeier am 02.12.2009 in Cottbus

Revierbericht zur Barbarafeier am 02.12.2009 in Cottbus – Statement des Vorsitzenden der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu (in Auszügen)

Im Rahmen der Veranstaltung wurde eine Schweigeminute zu einem kurzen Gedenken an die in Nachterstedt Verunglückten (Ilka und Peter Kollert sowie Thomas Holzapfel-Saalfeld) eingelegt.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu, berichtete anlässlich der 15. LMBV-Barbara-Veranstaltung – diesmal in Cottbus - über den Fortschritt in der Braunkohlesanierung im Jahr 2009. Obwohl sein Bericht sich traditionsgemäß auf das Lausitzer Revier konzentrierte - das mitteldeutsche Revier steht erst am 4.12.2009 in Halle an der Saale im Focus - war das Jahr 2009 aus der Sicht der Braunkohlesanierung zweifelsohne von der Böschungsbewegung von Nachterstedt im Juli geprägt. „Vor allem die tragischen Folgen mit dem Verlust von drei Menschenleben, von Leid und Schmerz der Hinterbliebenen und den betroffenen Anwohnern waren für uns, für die LMBV, eine schmerzliche Erfahrung.“

„Dank der weitsichtigen Unterstützung unserer Finanziers, des Bundesministeriums der Finanzen und des Landes Sachsen-Anhalt, haben wir uns glücklicherweise unmittelbar nach dem Unglück der Situation angemessen und richtig aufgestellt und den Betroffenen, ungeachtet der unklaren Ursache, schnelle und unbürokratische Unterstützung zusagt. Wir sind froh, heute sagen zu können, dass diese Unterstützung sich inzwischen bei den meisten Betroffenen insoweit konkretisiert und materialisiert hat, dass diese nunmehr dabei sind, für sich und ihre Familien ein neues Zuhause und eine neue Zukunft aufzubauen.“

Ebenso unmittelbar nach dem Unglück hat die LMBV eine gründliche Ursachenermittlung veranlasst und unterstützt von Anbeginn voll und ganz die Sachverhaltsaufklärungen bzw. die Ermittlungen des Landesamtes für Geologie und Bergwesen Halle sowie der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Die LMBV und die Bergbehörde haben hierzu jeweils international renommierte Experten verschiedener Fachdisziplinen engagiert.

„In und um den Tagebau Nachterstedt ist ab Mitte des 19. Jahrhunderts parallel zum Tagebaubetrieb weiträumig auch untertägiger Bergbau umgegangen. Auch liegen in dieser Region komplizierte hydrogeologische Verhältnisse insbesondere in den Liegendwasserhorizonten vor. Zudem ist die unmittelbare Nachbarschaft einer Karstformation zu berücksichtigen. Wegen dieser komplexen Hintergrundverhältnisse benötigt die Ursachenaufklärung eine längere Zeitspanne als ursprünglich geschätzt. Beide Gutachterteams, sowohl der LMBV als auch der Bergbehörde, haben sich zum Ziel gesetzt, Ende dieses Jahres die möglichen Ursachen einzugrenzen. Verabredet wurde auch die Zugänglichmachung und Sicherung des Rutschungskessels im nächsten Jahr.“

Damit sollen weitergehende Erkundungsmaßnahmen auch im unmittelbaren Schadensgebiet umgesetzt werden, wobei zuvor über die Möglichkeiten der Bergung von Verschütteten zu befinden ist. Schließlich sollen hiermit die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, so rasch wie möglich mit der Neugestaltung des Böschungsareals zu beginnen. Denn die Herstellung des Sees mittels Flutung ist alternativlos und die Arbeiten zur Böschungsgestaltung werden ein wichtiges Signal für die Regionalentwicklung im Seenland Concordia setzen.

„Die Barbarafeiern der LMBV waren bisher von gut begründetem Stolz der Bergleute auf die erfolgreichen Sanierungsfortschritte, auf das Entstehen neuer ökologisch nachhaltiger und wirtschaftlich chancenreicher Landschaften geprägt. Mit dem Böschungsunglück von Nachterstedt ist dieser Stolz zweifelsohne von Demut durchdrungen; von Demut  - auch unabhängig vom Ausgang der noch laufenden Ursachenermittlung.“

Nach dem Böschungsunglück von Nachterstedt hat sich die LMBV in nachvollziehbarer Weise die Frage gestellt, wie es mit der öffentlichen Sicherheit an den anderen mehr als 100 Standorten der LMBV steht. Hierzu hat die LMBV eine umfangreiche und mehrstufige Untersuchung eingeleitet. In gebotener Kürze kann dazu heute informieren werden, dass die  zu folgendem Ergebnis gekommen ist: Die öffentliche Sicherheit ist - abgesehen von den von der LMBV explizit abgesperrten Bereichen - überall gegeben. Die Sanierungskonzeptionen sowie die Wirksamkeit der zahlreichen Sicherungsverfahren und -maßnahmen haben sich bewährt und brauchen nicht infrage gestellt zu werden. Diese Ergebnisse hat die LMBV auch allen zuständigen kommunalen Vertretungen mitgeteilt.

„Daneben führen wir in Projektträgerschaft des Bundes und der Braunkohleländer im Rahmen der Gefahrenabwehrmaßnahmen zum Grundwasserwiederanstieg vertiefende Untersuchungen auch für Bereiche außerhalb der Abschlussbetriebsplangrenzen der LMBV, aber innerhalb des Grundwasserabsenkungstrichters durch. Hierbei müssen wir teilweise erst umfangreiche Nachrecherchen und ingenieurgeologische Untersuchungen umsetzen, um hinreichende Erkenntnisse zum Aufbau der teilweise mehr als hundert Jahre liegenden Altkippen zu erhalten. Wie Sie sich erinnern werden, hatte ich in meinen Revierberichten der letzten zwei Jahre auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg hingewiesen, insbesondere auf Maßnahmen zur Vermeidung von Vernässung von baulichen Anlagen. Die Maßnahmen zur Abwehr von Vernässungen aber auch zur Gewährleistung der Tragfähigkeit von Altkippen werden in den nächsten drei bis vier Jahren noch weiterhin einen besonderen Schwerpunkt der Braunkohlesanierung ausmachen.“

An dieser Stelle dankte der LMBV-Chef auch anwesenden Vertretern von Behörden und Kommunen: „Vielen von Ihnen verdanken wir eine Versachlichung der Diskussion unmittelbar nach dem Ereignis. Ebenso vielen von Ihnen verdanken wir das ausgesprochene Vertrauen in die Arbeit der LMBV. Dieses, Ihr Vertrauen, ist für mich und für die Belegschaft der LMBV ein weiterer Ansporn, unsere erfolgreiche Arbeit am Aufbau neuer attraktiver Landschaften in hohem Verantwortungsbewusstsein sowie mit Stolz und Demut fortzusetzen.“

Für Projekte in der Rechtsverantwortung der LMBV werden dieses Jahr fast 171 Millionen Euro investiert, davon 114 Millionen Euro in der Lausitz. Erwähnt wurden die umfangreichen Böschungssicherungsarbeiten mittels Rütteldruckverdichtung in den Tagebaufeldern Schlabendorf, die Rütteldruckverdichtung bei Sedlitz, die Fallgewichtsverdichtung der Anbindungsstrecke Sedlitzer See - Schwarze Elster, die Sicherung der Ostböschung Skado gegen Wellenschlag mittels Steinschüttung und Gabionenverbau. Genannt wurden auch die Testsprengungen zum Absprengen von Überhöhen am Nordrandschlauch Spreetal sowie den Beginn der Ertüchtigung des oberen Landgrabens auf neun Kilometer Länge, über den künftig Neißewasser über eine Wasserstraße von rund 75 Kilometer bis zum Ilse-See übergeleitet werden soll. Auch die Flutung der Seen kommt gut voran. In der Lausitz wurden bisher fast 120 Millionen Kubikmeter Flusswasser für die Flutung herangezogen, zum Jahresende könnten es rund 130 bis 135 Millionen Kubikmeter sein. Informiert wurde auch über die bisher positiven Ergebnisse des Pilotverfahrens im Tagebausee Burghammer zur Neutralisation eines saueren Seewasserkörpers mit Sanierungsschiffen durch Zusprühung von seespezifisch dosierten Suspensionen aus Neutralisationsmitteln. Die betriebsreife Entwicklung dieses Inlake-Verfahrens wird in den nächsten Jahren bei der LMBV im besonderen Focus stehen.

Für die Realisierung der Gefahrenabwehrmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg hat die LMBV rund 38 Millionen Euro, davon 22 Millionen Euro in der Lausitz, investiert. Unterstrichen wurde der Abschluss der Arbeiten zur Sicherung des Barockschlosses Altdöbern, die Planung und Einholung der Genehmigung diverser Maßnahmen vor allem im Bereich Spreetal/Burghammer und Lauchhammer sowie Sicherungsmaßnahmen in Bitterfeld und in Delitzsch.

Die Braunkohleländer haben ihr Engagement auch in diesem Jahr auf hohem Niveau fortgesetzt, um die Bergbaufolgelandschaften frühzeitig mit vielfältigen Infrastrukturmaßnahmen für eine attraktive Nutzung vorzubereiten. Die LMBV ist dankbar dafür, dass sie  hierfür als Dienstleister der Länder in diesem Jahr §4-Projekte im Umfang von 26 Millionen Euro realisieren durfte, davon 18 Millionen Euro in der Lausitz. Hervorgehoben wurde die Weiterführung des Baus des Überleiters 6 zwischen dem Neuwieser und dem Partwitzer See sowie des Überleiters 12 zwischen dem Geierswalder See und dem Senftenberger See aber auch die Fertigstellung der Hafenanlage Zwenkauer See.

Sanierung schafft nach wie vor Arbeit: Die Gesamtbeschäftigungswirkung der Braunkohlesanierung beläuft sich auf 2.900 Arbeitsplätze und hat trotz des abnehmenden Umfangs auch derzeit eine beschäftigungspolitische Bedeutung für unsere Bergbaureviere. Die Agenturen für Arbeit und die ARGEn haben in 2009 3,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - hierdurch konnten über 350 geförderte Arbeitnehmer beschäftigt werden. Ebenso erfreulich ist, dass der Bund und die Braunkohleländer, wie schon seit Jahren, jungen Menschen aus den Revieren über die Braunkohlesanierung eine berufliche Perspektive mit der LMBV ermöglichen. So haben auch 2009 wieder 20 Mädchen und Jungen ihre Erstausbildung bei der LMBV aufgenommen. 20 Auszubildende haben ihre Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Derzeit bereiten sich so 74 junge Menschen in der LMBV auf zukunftsfähige Berufe vor. Das steht der Braunkohlesanierung und der LMBV gut zu Gesicht. Die wenigen beispielhaften Erwähnungen über Einzelprojekte des Jahres 2009 verdeutlichen, dass das Gemeinschaftsprojekt Braunkohlesanierung dem Aufbau neuer attraktiver Landschaften in geplant hohen Tempo und in guter Qualität vorangekommen ist.

Erfreulich ist auch, dass das Land Brandenburg und die LMBV Anfang Oktober die Rahmenvereinbarung zur Übernahme der Gewässer nunmehr abgeschlossen haben und damit eine belastbare Grundlage für künftige Investitionen an Brandenburger Seen geschaffen haben. Auch im Ergebnis der Gewässerrahmenvereinbarung mit dem Freistaat Sachsen und nunmehr mit dem Land Brandenburg sowie der sonstigen Verwertungsaktivitäten der LMBV konnten dieses Jahr weitere Investitionsvorhaben zur Entwicklung des Reviers realisiert werden. Erwähnt wurde die Einweihung des ersten schwimmenden Hauses des Projektes Wohnhafen Skado am Geierswalder See und
der erfolgte Probebetrieb einer modernen Gießereianlage auf dem ehemaligen Siebanlagenstandort Sabrodt.

Abschließend wünschte Kuyumcu den Gästen ein angenehmes Barbarafest mit interessanten Gesprächen und viel Erfolg sowie das nötige Quantum Bergmannsglück bei den Vorhaben im kommenden Jahr.

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