Revierbericht anlässlich der LMBV-Barbarafeier am 01.12.2010 - Zum Grundbruch von Spreetal und seine Folgerungen

Bautzen/Senftenberg. Mit seinem bereits traditionellen Revierbericht informierte der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu die rund 420 Gäste der alljährlichen LMBV-Veranstaltung zu Ehren der Hl. Barbara – 2010 in Bautzen - über den Fortschritt in der Braunkohlesanierung sowie über die besonderen Ereignisse im Jahr 2010 sowie über die noch auch anstehenden Herausforderungen an die LMBV.

„Der Grundbruch auf der Innenkippe Spreetal, der sich vor ca. sieben Wochen ereignet hat, findet verständlicherweise bei Ihnen persönlich und in der Öffentlichkeit eine hohe Beachtung. Unverzüglich nach dem Ereignis hat die LMBV mit der Ursachenermittlung begonnen und hierzu im Einvernehmen mit dem sächsischen Oberbergamt Dr. M. Dennhardt, Sachverständiger für Geotechnik, beauftragt. Die Ursache ist inzwischen im Wesentlichen ermittelt und die Ergebnisse haben wir gestern in Freiberg im Sächsischen Oberbergamt zusammen mit dem Präsidenten Professor Schmidt, und mit dem Gutachter der Öffentlichkeit bekannt gegeben.“

Nach dem Ermittlungsergebnis wurde der großflächige Grundbruch durch einen lokalen Verflüssigungsgrundbruch ausgelöst. Lang anhaltende Regenfälle haben in dieser Senke die Bodenschichten stark wassergesättigt und dadurch ihre Lastaufnahmefähigkeit beeinträchtigt. An jener Stelle wurde ferner sechs Tage zuvor damit begonnen, Bodenmassen zu verkippen, da die reguläre Verkippungsstelle zeitweise nicht zugänglich war. Beides zusammen führte dann zu dem lokalen Grundbruch. Dieser reichte aus, die Sackungspotenziale der Innenkippe in einer Kettenreaktion in Bewegung zu setzen und damit das Ausmaß des großflächigen Grundbruchs zu bestimmen. Am selben Tag des Grundbruchs und zwar 23 Minuten vorher, war eine Sprengung zur Abflachung von Überhöhen am Sabrodter See durchgeführt worden. Die Auswertung der Porenwasserdruckmesswerte sowie der seismischen Aufzeichnungen führten zu dem klaren Ergebnis, dass die Sprengung nicht den Grundbruch ausgelöst haben kann. Wie bereits mehrfach bei uns erfolgreich praktiziert, wurden damit die Kippenhöhen sicher und wirtschaftlich effizient abgeflacht.

„Meine Damen und Herren, was waren und sind unsere Schlussfolgerungen? Zunächst haben wir unmittelbar nach dem Ereignis in Abstimmung mit den uns beaufsichtigenden Bergbehörden vorsorglich weitere Kippenbereiche abgesperrt, um vor dem Hintergrund dieses Großereignisses eine gefahrlose Nutzung dieser Flächen einer erneuten Bewertung zu unterziehen. Die neuen Sperrbereiche in der Lausitz umfassen zusätzlich fast 5.000 Hektar in Ostsachsen und über 8.000 Hektar in Brandenburg. Die LMBV weiß, dass diese Absperrungen für die Nutzer, das heißt für die Käufer und Pächter unserer ehemaligen Flächen eine Belastung darstellen. Daher führen wir unsere Überprüfungen, auch unter Berücksichtigung der nunmehr aufgeklärten Ursache für den Grundbruch Spreetal mit Nachdruck zügig, aber umfassend voran. Die Überprüfungen sollen bis Ende März 2011 abgeschlossen sein mit Aussagen darüber, welche Flächen wieder für eine gefahrlose Nutzung freigegeben werden bzw. wie lange sie noch gesperrt bleiben müssen. Dabei werden wir die berechtigten Belange der Nutzer unbürokratisch berücksichtigen.

Das vorliegende Ergebnis zur Ursache des Grundbruchs lässt uns klar auch die Schlussfolgerung ziehen, dass unsere Sanierungskonzeptionen, insbesondere der Bau von versteckten Dämmen, die notwendigen Geländeprofilierungen nach geotechnischen Vorgaben etc., grundsätzlich nicht infrage gestellt sind. Gewiss werden wir auch die Erkenntnisse aus dem Kausalverlauf und vor allem aus den das Ausmaß dieses Grundbruchs bestimmenden Faktoren auswerten und notwendige ergänzende Handlungsbedarfe definieren, mit denen wir unsere bisherigen Sanierungskonzeptionen verdichten und präzisieren werden. Gleichzeitig wollen wir unser Monitoringsystem Langzeitstandsicherheit von Kippen und Böschungen mit Erkenntnissen aus den bisherigen Grundbrüchen fortschreiben. Zusammenfassend möchte ich unterstreichen, dass die LMBV die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet hat, um eine gefahrlose Nutzung unserer Bergbaufolgelandschaften zu gewährleisten. Ausdrücklich möchte ich mich bei allen bedanken, die diese gründliche, transparente und rasche Ursachenermittlung ermöglicht haben. Mein besonderer Dank gilt vor allem dem Sachverständigen sowie dem Sächsischen Oberbergamt für ihre stets kritische, fachlich fundierte Aufsicht und Begleitung.“

In Anknüpfung an seine Ausführungen zu den lang anhaltenden Niederschlägen ab Juli dieses Jahres betonte Kuyumcu:  „Das Landesumweltamt Brandenburg teilte kürzlich mit, dass das Jahr 2010 das wärmste und zugleich niederschlagsreichste seit 160 Jahren war. Erwähnen möchte ich das Hochwasserereignis Anfang August hier im Raum Bautzen und Görlitz. Auch unser Bergbaufolgesee Berzdorf war davon betroffen. Fünf Millionen Kubikmeter Wassermassen schossen in den Tagebau und zerstörten unsere Böschungen auf einer Länge von 600 Meter. Zuvor haben die Hochwassermassen unter anderem die Eisenbahntrasse unterspült und zerstört. Die LMBV hat, wann immer es möglich war, durch Abschlagung von Flusswasser in die Tagebauseen im August aber auch danach mit über 25 Millionen Kubikmeter zur Entlastung der Flüsse beigetragen und die Hochwassersituation in den Einzugsgebieten der Neiße, der Spree und der Schwarzen Elster deutlich abgemildert.“

Im Weiteren führte der LMBV-Chef aus: „Bedingt durch den fortgeschrittenen Flutungsstand unserer Seen, sind aber unsere Einstaumöglichkeiten begrenzt. Das hohe Niederschlagsaufkommen, vor allem dass es lang anhaltend geregnet hat, hat auch großflächig zu einer ungewöhnlich problematischen Entwicklung der hydrologischen Verhältnisse in Städten und Ortschaften geführt. Extrem hohe Grundwasserneubildungsraten, ein lang anhaltend hoher Wasserstand in den Flüssen mit zum Teil unbefriedigenden Abflussbedingungen in den Flussbetten sowie ein starkes Aufkommen von Schichtenwasser, nicht zuletzt der natürliche Wiederanstieg des Grundwassers und Einiges mehr führten schließlich dazu, dass zahlreiche Häuser Vernässungsprobleme bekamen. Die Anzahl der Betroffenheiten bis Ende März betrug 229. Ab April bis jetzt sind 979 Fälle dazu gekommen. Die LMBV hat dabei den Betroffenen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht unbürokratisch erste Hilfe zukommen lassen, damit das Wasser in den Kellern zeitnah und sicher abgeleitet werden kann. Dabei haben wir nicht abgewartet, bis es abschließend geklärt wird, welcher Fall nicht eindeutig auf den bergbaulichen Grundwasserwiederanstieg zurückzuführen ist. Bei der Entscheidung über die Durchführung erforderlicher Abwehrmaßnahmen werden wir verständlicherweise darüber befinden, ob die Vernässung dem Grundwasserwiederanstieg zuzuordnen ist. Die starke Zunahme von Betroffenheiten infolge des hohen Niederschlagsaufkommens in diesem Jahr möchte ich veranschaulichen am Beispiel des Stadtgebietes von Senftenberg. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang auch eine der positiven Entwicklungen nämlich in Spreetal/Ortsteil Zerre. Hier sind wir dabei, zur nachhaltigen Abwendung der Vernässungsgefahren für die Betroffenen einen ehemaligen Entwässerungsgraben zu reaktivieren. Die Bauarbeiten sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden, zeigen aber erfreulicherweise bereits jetzt ihre Wirkungen für einige der betroffenen Häuser.

Informieren möchte ich Sie auch, dass wir in der Ursachenermittlung zum Böschungsunglück von Nachterstedt nach einer intensiven Planungs- und Genehmigungsphase dieser Tage das so genannte seeseitige Erkundungsprogramm physisch starten. Der für  den 30.11. vorbereitete Start hat sich durch die Schneefälle leider verzögert. Von hochseetüchtigen Pontons aus werden wir neue Daten aus dem unmittelbaren Rutschungskessel und seiner Umgebung erheben, zu denen wir landseitig aus sicherheitstechnischen Gründen noch keinen Zugang haben. Diese Erkundungsarbeiten mit Kernbohrungen, Drucksondierungen etc. werden wohl bis September 2011 andauern. Hiermit soll die derzeit noch bestehende Datenlücke zur Ursachenermittlung geschlossen werden. Danach wollen wir die Sanierung, das heißt die Neugestaltung des beeinträchtigten Böschungsareals starten, die dann einen Zeitraum bis 2015 in Anspruch nehmen wird.

Nun möchte ich Sie auch kurz über den Fortschritt in der Sanierung informieren. Für Projekte in der Rechtsverantwortung der LMBV (Grundsanierung) werden wir dieses Jahr fast 145 Millionen Euro investiert haben, davon 103 Millionen Euro in der Lausitz. Erwähnen möchte ich den Abschluss der umfangreichen Böschungssicherungsarbeiten mittels Rütteldruckverdichtung bei Sedlitz. Hier wurden bis zum Frühjahr 2010 eine Million Kubikmeter Kippenboden verdichtet. Die Rütteldruckverdichtung am Restloch Greifenhain südlich von Altdöbern wurde und wird weitergeführt. Hier sind bis 2011 insgesamt 2,5 Millionen Kubikmeter Kippenboden zu verdichten. In Ostsachsen wurde die Sanierung der Teerbecken 4 bis 6 in Zerre erfolgreich abgeschlossen, der Bau des Überleiters vom Restloch Bluno zum Restloch Skado weitergeführt und die Ostböschung Skado gegen Wellenschlag mittels Steinschüttung und Gabionen gesichert.

Auch die Flutung unserer Seen kommt gut voran. In der Lausitz werden wir circa 100 Millionen Kubikmeter Flusswasser einleiten können. Unser Vorhaben zur Neutralisation des Seekörpers bei sauren Seen mit Einsatz von so genannten Sanierungsschiffen wurde in Burghammer in der Lausitz und in Haselbach im mitteldeutschen Revier fortgesetzt bzw. technisch weiter präzisiert.

Für die Realisierung der Gefahrenabwehrmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg haben wir rund 48 Millionen Euro, davon circa 27 Millionen Euro in der Lausitz investiert. Beispielhaft erwähnen möchte ich die Sicherung von Böschungen von Alttagebauen bei Hosena und Annahütte in Brandenburg sowie den Lugteich in Ostsachsen. Natürlich gehören hierzu auch die bereits erwähnten Maßnahmen in Zerre.

Die Braunkohleländer haben ihr Engagement auch in diesem Jahr auf hohem Niveau fortgesetzt, unsere Bergbaufolgelandschaften frühzeitig mit vielfältigen Infrastrukturmaßnahmen für eine attraktive Nutzung vorzubereiten. Die LMBV ist dankbar dafür, dass wir hierfür als Dienstleister der Länder in diesem Jahr §4-Projekte im Umfang von 33 Millionen Euro realisieren durften, davon 25 Millionen Euro in der Lausitz.

Von den zahlreichen Projekten hervorheben möchte ich die Weiterführung des Baus
• des Überleiters 6 zwischen dem Neuwieser und dem Partwitzer See,
• die Freigabe der Straße über den Überleiter 6 nahmen die Ministerpräsidenten Platzeck und Tillich persönlich vor.
• des Überleiters 12 zwischen dem Geierswalder See und dem Senftenberger See aber auch die Inangriffnahme
• des Überleiters 11 zwischen dem Sedlitzer See und dem Ilse-See.

Sanierung schafft nach wie vor Arbeit: Die Gesamtbeschäftigungswirkung der Braunkohlesanierung beläuft sich auf ca. 2.800 Arbeitsplätze. Trotz des abnehmenden Umfangs bleibt die beschäftigungspolitische Bedeutung für unsere Bergbaureviere wichtig. Die dankenswerte finanzielle Förderung von Beschäftigung durch die Agenturen für Arbeit und die ARGEn sicherte 280 Arbeitsplätze in der Sanierung.

Die LMBV selbst hat gegenwärtig 530 aktive Mitarbeiter. Interessant ist, dass unsere Belegschaft durch Neueinstellungen seit 2007 inzwischen zu einem Fünftel aus neuen Mitarbeitern besteht. Parallel zu den neuen Impulsen im Unternehmen haben die neuen Sanierer auch das Durchschnittsalter der Gesellschaft positiv beeinflusst und uns alle um gut zwei Jahre verjüngt. Ebenso erfreulich ist, ich glaube, ich spreche in Ihrer aller Namen, dass der Bund und die Braunkohleländer, wie schon seit Jahren, jungen Menschen aus unseren Revieren über die Braunkohlesanierung eine berufliche Perspektive ermöglichen. So haben auch dieses Jahr erneut 20 Mädchen und Jungen ihre Erstausbildung bei uns aufgenommen. Derzeit bereiten sich so 60 junge Menschen bei uns auf zukunftsfähige Berufe vor. Und heute hat der Steuerungs- und Budgetausschuss beschlossen, die Erstausbildung auch in 2011 fortzuführen. Herzlichen Dank dafür, das steht der Braunkohlesanierung und der LMBV gut zu Gesicht.

Erwähnen möchte ich auch die erfolgreiche Ausrichtung des zweiten Internationalen Sanierungskongresses der LMBV sowie den Festakt anlässlich des fünfzehnjährigen Bestehens der LMBV und des zwanzigjährigen Jubiläums der Braunkohlesanierung, zusammengelegt mit dem diesjährigen Mitarbeiterfest. Der Kongress hat wertvolle Anregungen gegeben und neue Kontakte für unsere künftige Arbeit im Gemeinschaftswerk Braunkohlesanierung hergestellt, wertvolle Kontakte für unsere Tochter LMBV international aber auch für unsere zahlreichen Partner aus Wissenschaft, Technik und Industrie.

Ich darf Sie auch darüber informieren, dass der Bund und die Braunkohleländer ihre Verhandlungen zur Finanzierung der Braunkohlesanierung für die Zeit ab 2013 bereits in diesem Jahr aufgenommen haben. Die Projektplanung der LMBV wurde hierfür zuvor einer externen Prüfung unterzogen. Auch Dank des erreichten Fortschritts sind wir zuversichtlich, dass die Rahmenbedingungen für die Fortsetzung der Braunkohlesanierung für die Zeit ab 2013 frühzeitig geregelt werden.

Die von mir beispielhaft genannten Einzelprojekte des Jahres 2010 verdeutlichen, dass das Gemeinschaftsprojekt Braunkohlesanierung gut vorangekommen ist. Die ungewöhnlichen Ereignisse wie der Grundbruch Spreetal werden der LMBV, aber auch dem Gemeinschaftswerk Braunkohlesanierung, dank unserer transparenten Arbeitsweise, weitere Erkenntnisse zur belastbar sicheren Gestaltung unserer Bergbaufolgelandschaften liefern.

Abschließen möchte ich meinen Bericht mit dem Dank an Sie alle, meine Damen und Herren in diesem Festsaal, die an dem großartigen Gemeinschaftsprojekt Braunkohlesanierung mitwirken und ebenso mit dem Dank an Sie, all unsere Gäste, die mit Ihrem Kommen ihre Verbundenheit mit der Braunkohlesanierung unterstreichen. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LMBV, Ihnen und Ihren Belegschaftsvertretern für die konstruktive Zusammenarbeit in 2010. Ich wünsche uns ein angenehmes Barbarafest mit interessanten Gesprächen und weiterhin viel Erfolg sowie das nötige Quantum Bergmannsglück bei unseren Vorhaben im kommenden Jahr. Glückauf!

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