Wasserwirtschaftliche Sanierung unter sich verändernden Rahmenbedingungen - 5. Lausitzer Wasserkonferenz

Senftenberg/Hoyerswerda. Am 1. März 2011 fand die 5. Fachkonferenz der LMBV zu Wasserfragen in der Lausitz statt. Das Thema der Tagung in Hoyerswerda lautete: „Wasserwirtschaftliche Maßnahmen in der Bergbaufolgelandschaft der Lausitz – Erreichter Stand, zukünftige Aufgaben und Lösungen“. Der Einladung der LMBV folgten eine Vielzahl von Landräten, Bürgermeistern, Präsidenten und Vertretern der Berg- und Umweltbehörden, Landesdirektionen sowie der zuständigen Ministerien Brandenburgs und des Freistaates Sachsen. Mit über 210 Teilnehmern erfuhr die LMBV-Veranstaltung eine starke Resonanz, welche LMBV-Chef  Dr. Kuyumcu als Bekenntnis zu einer gemeinsamen Verantwortung für die Lösungen der nach wie vor enormen wasserwirtschaftlichen Aufgaben im Lausitzer Revier interpretierte.

Mit den Basis-Konferenzbeiträgen gab die LMBV einen Überblick über den erreichten Stand, über die anstehenden Herausforderungen sowie über die künftige Entwicklung der Braunkohlesanierung im wasserwirtschaftlichen Bereich. Als Bereicherung der Fachkonferenz informierten Ullrich Kraus, Abteilungsleiter Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter des LUGV des Landes Brandenburg einen Überblick über  die Konzeptionen und Ansätze beider Länder zu Wasserbereitstellung und Hochwasserschutz in der Bergbaufolgelandschaft.

Bei der mengenmäßigen Flutung der 28 großen Bergbaufolgeseen in der Lausitz hat die LMBV  inzwischen einen durchaus fortgeschrittenen Stand erreicht. Bisher sind zwar erst vier Seen fertig geflutet, aber drei Seen sollen in diesem Jahr und dann bis 2015 weitere 18 Seen ihren mittleren Endwasserstand erreicht haben. In der Zeit nach 2015 sind dann nur noch drei Seen fertig zu fluten. Die Lausitzer Bergbaufolgeseen sind aber, von einigen Ausnahmen abgesehen, einem starken Zustrom sauerer Kippenwässer ausgesetzt.
Deshalb reicht es bei diesen Seen nicht aus, allein durch die Zuführung vom leider auch mengenmäßig knappen Flusswasser eine Wasserqualität herbeizuführen, die die Integration dieser Seen in das Oberflächengewässersystem ohne weitere Maßnahmen ermöglichen würde. So die LMBV nach derzeitigem Kenntnisstand bei 12 der oben genannten 28 Seen mit technischen Maßnahmen zur Absicherung einer akzeptablen Wasserbeschaffenheit, sorgen. Dieses vielschichtige Thema, Wasserbeschaffenheitsentwicklung in den Seen mit all seinen Facetten stand deshalb im besonderen Focus der Fachkonferenz.

Mit dem Braunkohleabbau in den Lausitzer Tagebauen und der dafür erforderlichen weiträumigen Grundwasserabsenkung war auf einer Fläche von über 1.300 km² ein Grundwasser-Defizit von 7 Mrd. m³ entstanden. Die Braunkohlesanierung hat neben der Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Tagesoberfläche auch die Aufgabe, diesen gewaltigen Eingriff in den Grundwasserhaushalt zu beseitigen, das heißt einen ausgeglichenen und sich weitestgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt wieder herzustellen, so wie es in der Umweltministerkonferenz von 1994 festgelegt wurde.

Durch die Einstellung der Sümpfung in Verbindung mit dem jeweils erreichten Stand der Sanierung und mit Einleitung der Flutung in den Tagebaurestlöchern wurde begonnen, dieses Defizit im Grundwasserkörper zu reduzieren. Inzwischen wurden fast 75 Prozent davon ausgeglichen. „Aber der weitere Abbau dieses Defizits vollzieht sich immer langsamer und bis zum vollständigen Ausgleich werden wohl mindestens noch drei Jahrzehnte vergehen“, betonte der LMBV-Chef. Mit der Wiederherstellung eines ausgeglichenen Wasserhaushalts eng verbunden ist die Tatsache, dass das Grundwasser wieder auf sein vorbergbauliches Niveau ansteigt. In der Vergangenheit des Braunkohlenbergbaus wurden bauliche Anlagen errichtet, ohne auf den späteren heute sich überall vollziehenden Grundwasserwideranstieg hinreichend Rücksicht zu nehmen. Infolgedessen müssen zahlreiche Privathäuser und bauliche Anlagen gegen Vernässungen und gegen andere damit verbundene Gefahren gesichert werden. Sowohl der Umfang als auch die Intensität solcher Betroffenheiten treten vielerorts zudem deshalb besonders verstärkt auf, weil in diesen Regionen fast alle ehemaligen Entwässerungsgräben, die für die Tieflagen und Auen entwässerungstechnisch unentbehrlich waren, in der Vergangenheit aufgegeben, teilweise zugeschüttet, ja sogar überbaut worden sind. Normalerweise, zumindest im Westen Deutschlands, haben in diesen Fällen die Eigentümer selbst für die Gefahrenabwehr zu sorgen, solange das Grundwasser das vorbergbauliche Niveau nicht übersteigt. Aber vor dem Hintergrund der besonderen Randbedingungen in den neuen Bundesländern haben sich der Bund und die Braunkohleländer geeinigt, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, die Betroffenen mit Gefahrenabwehrmaßnahmen zu unterstützen und haben damit die LMBV beauftragt. In den Vorträgen wurden auch ein Überblick über diese vielschichtigen Herausforderungen und die geplanten Arbeiten im Zusammenhang mit dem Grundwasserwideranstieg gegeben.

Das extrem starke Niederschlagsaufkommen im letzten Jahr, vor allem in den Monaten Juli bis September, mit den dreimal so starken Werten wie der langjähriger Mittelwert, haben zusammen mit den problematischen Abflussbedingungen in den Vorflutern zu einem dramatischen Anstieg von Betroffenheiten von Bürgern wegen Kellervernässungen im Revier geführt; Betroffenheiten von Bürgern auch außerhalb der Einflusszone des Bergbaues. Diese Ereignisse haben unter anderem klar gemacht, dass die Maßnahmen der Braunkohlesanierung mit denen der Länder für die Gewässerunterhaltung und den Hochwasserschutz im Gesamtkontext zu bewerten sind und vor allem aus hoheitlicher Sicht der Länder miteinander verzahnt werden müssen. So war es wichtig, dass zu diesem wichtigen Themenkomplex auch die Sichtweisen der Länder auf der Konferenz vorgestellt wurden.

Nach den Geländeeinbrüchen in Spreetal und Lohsa hat die LMBV vorsorglich mehr als 14.000 Hektar Kippenflächen zusätzlich abgesperrt. Zwar hat die LMBV den Auslöser für den Geländeeinbruch Spreetal weitgehend belastbar identifiziert. Aber das Ausmaß dieses Ereignisses sowie die noch ungeklärten Fragen der anderen Geländeeinbrüche, nämlich bei Lohsa und im Nordraum Brandenburgs machen es erforderlich, die Ende letztes Jahres eingeleiteten Überprüfungen wissenschaftlich zu vertiefen, eventuell vorhandene Wissens- und Kenntnislücken zu identifizieren und möglichst rasch zu schließen.

Zu diesem Zweck hat die LMBV Anfang 2011 einen Geotechnischen Beirat ins Leben gerufen, der sich aus anerkannten Kapazitäten aus Wissenschaft und Technik sowie aus dem Westen und Osten Deutschlands zusammensetzt. Es bleibt das Ziel der LMBV, die gesperrten Flächen so rasch wie möglich für eine Nutzung wieder freizugeben. Dafür muss jedoch zuvor die Gewissheit vorliegen, dass die öffentliche Sicherheit jederzeit gewährleistet ist und Menschenleben nicht gefährdet werden. Dabei wird die LMBV selbstverständlich den berechtigten Interessen der bisherigen Nutzer dieser Flächen wegen des Nutzungsausfalls angemessen Rechnung tragen.

Die LMBV und ihre beauftragten Sachverständigen sind zuversichtlich, auch diese Herausforderung in angemessener Zeit zu bewältigen und sind sich gewiss, dass sich die Bergbaufolgelandschaft, insbesondere im Lausitzer Seenland, auch weiterhin positiv entwickeln wird.

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