Fortschritte trotz Grundbrüchen und Vernässungsproblemen: 216 Mio. Euro für Braunkohlesanierung in 2010

LMBV-Bilanzpressegespräch in Senftenberg mit dem Rückblick auf 2010

Senftenberg. Beim LMBV-Bilanzpressegespräch am 10. Mai 2011 in Senftenberg blickte die Geschäftsführung der LMBV auf das Jahr 2010 zurück. Neben den planmäßigen Wiedernutzbarmachungs-Arbeiten standen die Lausitzer Innenkippenareale im Fokus des Interesses: „Die Braunkohlesanierung wurde 2010 vor verschiedene neue Herausforderungen gestellt. Das Landesumweltamt Brandenburg hatte bereits konstatiert, dass das Jahr 2010 das Wärmste und zugleich Niederschlagsreichste seit 160 Jahren für die Lausitz war. Das Hochwasserereignis an der Neiße Anfang August im Raum Görlitz hat auch den LMBV-Bergbaufolgesee Berzdorf in Mitleidenschaft gezogen. Fünf Millionen Kubikmeter Wasser strömten in den Tagebau und zerstörten das Auslaufbauwerk und die Böschungen auf einer Länge von 600 Meter. Während der wochenlangen Hochwasserperiode 2010 hat die LMBV durch Einleitung von Flusswasser aus der Neiße, der Spree und der Schwarzen Elster in ihre Tagebauseen mit über 25 Millionen Kubikmeter zur Entlastung beigetragen und so die kritische Situation deutlich abgemildert“, unterstrich LMBV-Chef Dr. Mahmut Kuyumcu.

Das hohe Niederschlagsaufkommen ab August 2010 hat, verbunden mit zum Teil unbefriedigenden Abflussbedingungen in den Flussbetten, zu einem lang anhaltenden hohen Wasserstand in den Flüssen sowie zu extrem hohen Grundwasserneubildungsraten und zu einem starken Aufkommen von Schichtenwasser geführt. Der gleichzeitig sich vollziehende Wiederanstieg des Grundwassers führte schließlich dazu, dass zahlreiche Häuser im und außerhalb des Umfeldes der Tagebaue Vernässungsprobleme bekamen. Die LMBV hat vielen Betroffenen im Auftrag des Bundes und der Braunkohleländer ohne Anerkennung einer Rechtspflicht unbürokratisch erste Hilfen zukommen lassen, damit das Wasser aus den Kellern zeitnah abgeleitet werden konnte. Erforderliche Abwehrmaßnahmen werden jedoch nur dort vorgenommen, wo die Vernässungen dem bergbaulich bedingten Grundwasserwiederanstieg zuzuordnen sind.

Eine weitere Herausforderung sind die Geländeeinbrüche, die infolge von Verflüssigung insbesondere auf den Innenkippenflächen der ehemaligen Tagebaue Spreetal und Schlabendorf verzeichnet wurden. Diese unerwartet aufgetretenen Instabilitäten, teilweise auf für die Nutzung freigegebenen Flächen waren für die LMBV Veranlassung, die Innenkippenflächen des Lausitzer Reviers erneut zu prüfen und über 13.500 Hektar Flächen vorsorglich zu sperren und einer eingehenden geotechnischen Neubewertung zu unterziehen. Bis zum März 2011 wurden die vorsorglich gesperrten Flächen bewertet, über ihre Freigabe entschieden oder die Planung der erforderlichen Gefahrenabwehrmaßnahmen eingeleitet.

Die Ursachen für den Grundbruch auf der Innenkippe der Tagebaufelder Spreetal am 12. Oktober 2010 konnten nach einer zügigen Untersuchung durch Gutachter weitgehend geklärt und Ende 2010 gemeinsam mit dem Sächsischen Oberbergamt erste Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Sanierungskonzeptionen der LMBV sind demzufolge grundsätzlich nicht infrage gestellt. Auch die Nutzung von bereits sicher hergestellten Seenlandschaften ist nicht infrage gestellt. Gemeinsam mit ihren Partnern sorgt die LMBV dafür, dass bereits getätigte und geplante Investitionen keinen Schaden nehmen. Ebenso hat die LMBV den von der Sperrbereichserweiterung betroffenen Nutzern und Eigentümern Austauschflächen und/oder Schadensregulierungen angeboten, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu, beim LMBV-Bilanzpressegespräch.

Im Ergebnis der eingeleiteten geotechnischen Untersuchungen müssen dem lokal erkannten Handlungsbedarf Rechnung getragen und das Monitoringsystem Langzeitstandsicherheit ausgeweitet sowie fortgeschrieben werden. Hierfür hat die LMBV zu ihrer fachlichen Unterstützung einen „Geotechnischen Beirat“ etabliert, der sich aus anerkannten Wissensträgern aus der Wissenschaft und Forschung sowie der Praxis zusammensetzt. Es gilt eventuell vorhandene Wissens- und Kenntnislücken so rasch wie möglich zu identifizieren und zu schließen.

Die Unglücksursache von Nachterstedt wurde 2010 weiter mit hoher Intensität und mit dem Einsatz modernster Technik untersucht. Nach einer intensiven Planungs- und Genehmigungsphase wurde das so genannte seeseitige Erkundungsprogramm 2010 baulich vorbereitet. Von seetüchtigen Pontons aus werden seit dem Frühjahr 2011 neue Daten aus dem unmittelbaren Rutschungskessel und seiner Umgebung erhoben, zu denen es landseitig aus sicherheitstechnischen Gründen noch keinen Zugang gibt. Diese Erkundungsarbeiten mit Drucksondierungen und Kernbohrungen werden bis voraussichtlich Ende 2011/Anfang 2012 andauern. Hiermit wird die noch bestehende Datenlücke zur Ursachenermittlung geschlossen werden können. Danach soll die Sanierung, das heißt die Neugestaltung des beeinträchtigten Böschungsareals starten, die dann einen Zeitraum bis 2015 in Anspruch nehmen wird. Die Herstellung des Concordiasees und seine touristische Nutzung bleiben das langfristige Ziel.

Die Braunkohlesanierung in Ostdeutschland ist ein Gemeinschaftswerk, das die Wiedernutzbarmachung ehemaliger Bergbauflächen zum Ziel hat. Dafür stellten der Bund und die Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen 2010 ausreichende finanzielle zur Verfügung. Das Jahresbudget versetzte die LMBV in die Lage, bewährte Sanierungsverfahren zur Entwicklung ökologisch nachhaltiger und wirtschaftlich attraktiver Landschaftsprojekte fortzusetzen. Die Ergebnisse der kontinuierlichen Sanierung sind an den vielen stillgelegten und teilweise bereits gefluteten Tagebauen um Leipzig, Bitterfeld und in der Lausitz sichtbar: Die neuen Seenlandschaften werden von Einheimischen und Touristen gleichermaßen gut angenommen. Auch die Flutungen der Bergbaufolgeseen in beiden Revieren kamen 2010 mit rund 165 Mio. Kubikmeter Flutungswasser ein weiteres Stück voran. Zum 31. Dezember 2010 konnten mit rund 107 Mio. Kubikmeter Wasser in der Lausitz und 58 Mio. Kubikmeter Wasser in Mitteldeutschland die Flutungsziele erreicht werden.

Allein im Jahr 2010 wurden fast 216 Mio. Euro (2009: 225 Mio. Euro) für die Braunkohlesanierung bereitgestellt, davon entfielen auf Brandenburg rund 99 Mio. Euro (2009: 105 Mio. Euro), auf Sachsen ca. 89 Mio. Euro (2009: 84 Mio. Euro), auf Sachsen-Anhalt rund 25 Mio. Euro (2009: 35 Mio. Euro) und auf Thüringen rund 2,7 Mio. Euro (2009: 1 Mio. Euro). Rund 144 Mio. Euro wurden 2010 für die Grundsanierung im Rahmen der bergrechtlichen Verpflichtungen der LMBV (2009: 170 Mio. Euro) ausgegeben (so genannte Projekte nach § 2). Für die Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers wurden 2010 rund 44 Mio. Euro (2009: 36 Mio. Euro) eingesetzt (so genannte Projekte nach § 3). Dies betraf z. B. Lösungsvarianten zur Bewältigung des Grundwasserwiederanstiegs um Zerre und Delitzsch sowie am Knappensee (Sachsen), bei Zschornewitz und Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) ebenso wie bei Lauchhammer und an Restlöchern bei Hosena (Brandenburg). Schließlich wurden im Auftrag der Braunkohleländer mit mehr als 27 Mio. Euro (2009: 19 Mio. Euro) diverse Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der sanierten Landschaften realisiert (so genannte Projekte nach § 4). Dies ergibt zusammen die Gesamtaufwendungen von fast 216 Mio. Euro im Jahr 2010.

Das Bundesunternehmen Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) ist seit 1994 als Projektträgerin für die Wiedernutzbarmachung der nicht privatisierten Braunkohleareale im Auftrag des Bundes und der ostdeutschen Braunkohleländer tätig. Die Braunkohlesanierung war daher auch im Jahr 2010 wieder ein Gemeinschaftswerk zahlreicher Partner in den Sanierungsfirmen, Ingenieurbüros, Arbeits-, Berg- und Umweltämtern sowie Behörden. Insgesamt 9,1 Mrd. Euro Bundes- und Landesmittel wurden von 1990 bis Ende 2010 zielgerichtet für die Braunkohlesanierung umgesetzt. Davon wurden von der LMBV rund 8,4 Mrd. für die Sicherung der stillgelegten Tagebaue und weiterer notwendiger Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung (Grundsanierung – bergrechtliche Pflichtaufgaben) aufgewandt.

Was sind aus Sicht der LMBV berichtenswerte Kennziffern des Jahres 2010?
• Rund 5 Mio. Kubikmeter Abraummassen wurden 2010 bewegt.
• Etwa 4 Mio. Kubikmeter Kippen wurden verdichtet und damit für die Zukunft gesichert.
• Insgesamt 3,07 Mrd. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser wurden kumulativ von 1994 bis 2010 zur Flutung genutzt (Summe von 1994 bis 2009: 2,91 Mrd. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser).
• Im Jahr 2010 wurden insgesamt 165 Mio. Kubikmeter Flutungswasser den Tagebaurestlöchern zugeführt (2009: ca. 218 Mio. Kubikmeter). Folgenden drei Flüssen wurde in der Lausitz Wasser entnommen: Spree 53 Mio. Kubikmeter, Schwarze Elster 22 Mio. Kubikmeter und Neiße 32 Mio. Kubikmeter. Zur Flutung in Mitteldeutschland wurde vor allem die Saale (33 Mio. Kubikmeter) sowie Sümpfungswasser (24 Mio. Kubikmeter) genutzt.
• Das Volumen des Grundwasserdefizits wurde damit beginnend vom Jahr  1990 mit ursprünglich 12,7 Mrd. auf beachtliche 4,2 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2010 verringert (2009: 4,7 Mrd. Kubikmeter).
• Auf rund 137 Hektar (2009: 107 Hektar) wurden wieder Bäume und Sträucher gepflanzt bzw. Waldflächen angelegt. Insgesamt wurden auch 2010 wieder über 1.375 Mio. Pflanzen von der LMBV und ihren Partnern eingesetzt.

Die Braunkohlesanierung hat auch die in sie gesetzten beschäftigungspolitischen Erwartungen erfüllt. Mehrere hundert Menschen haben 2010 in und mit der Bergbausanierung eine anspruchsvolle Beschäftigung gefunden. Insgesamt lag die aus der Bergbausanierung resultierende Gesamtbeschäftigungswirkung im Jahresdurchschnitt bei 2.684 Arbeitsplätzen (2009: 2.800; 2008: 3.100 Arbeitsplätze). Zur Projektträgerin selbst gehörten zum Jahresende 2010 noch 691 Bergbauingenieure, Controller, Immobilienwirte und Kaufleute in Senftenberg, in Leipzig sowie in Berlin (Bund-Länder-Geschäftsstelle).

In dieser Beschäftigtenzahl von 691 sind 60 LMBV-Auszubildende enthalten. Das Unternehmen hat auch im Jahr 2010 wieder Jugendliche erfolgreich ausgebildet. 20 neue Ausbildungsplätze wurden im Laufe des Jahres 2010 besetzt. 35 Auszubildende bestanden erfolgreich die IHK-Prüfungen. Am 31. Dezember 2010 waren in der LMBV direkt 602 Arbeitnehmer – darunter fast 20 Prozent Neueinstellungen seit 2007 – aktiv beschäftigt. Unter Berücksichtigung der ruhenden Arbeitsverhältnisse und der Altersteilzeit sowie den Auszubildenden standen die o. g. insgesamt 691 Menschen in einem Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen. Darunter waren 354 Frauen.

Der LMBV-Chef sagte abschließend: „Der Dank der LMBV als Projektträgerin der Braunkohlesanierung gilt insbesondere dem Bund und den Braunkohleländern als Finanziers sowie den zahlreichen Kommunen und Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, mit denen die LMBV nun bereits viele Jahre konstruktiv zusammenarbeitet.“

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