Grußwort von LMBV-Abteilungsleiter Reiner Kula anlässlich der Veranstaltung „20 Jahre Arbeitskreis Lauchhammer/Tröbitz/Domsdorf"

Grußwort von LMBV-Abteilungsleiter Reiner Kula anlässlich der Veranstaltung „20 Jahre Arbeitskreis Lauchhammer/Tröbitz/Domsdorf des Braunkohlenausschusses des Landes Brandenburg“ am 08.06.2011

(Es gilt das gesprochene Wort. Alle Rechte verbleiben bei LMBV)

"Sehr geehrter Herr Arbeitskreisvorsitzender, liebe Mitglieder des Arbeitskreises  Lauchhammer / Domsdorf / Tröbitz, werte Gäste,

ich bin stolz Ihnen heute zum 20-jährigen Jubiläum, stellvertretend für die Geschäftsführung der LMBV und auch im Namen unseres Sanierungsbereichsleiters, Herrn Kolba, die herzlichsten Grüße überbringen zu dürfen. Oft durfte ich als ehemaliger Regionalprojektleiter über die jährlichen Sanierungsergebnisse im Arbeitskreis berichten.

Selbst, als gebürtiger „Annahüttscher“, aus dieser Region kommend ist meine berufliche Entwicklung geprägt durch den Bergbau sowohl in seiner aktiven produzierenden Phase als auch während des Sanierungsbergbaues mit all seinen unterschiedlichsten Anforderungen.

Vor 200 Jahren dachte im Raum Plessa/Lauchhammer/Schwarzheide niemand daran, dass hier einmal ein industrielles Zentrum entstehen würde, das seine Energie aus Kohle bezieht. In einigen wenigen kleinen Bergwerken wurde die Kohle zunächst in offenen Gruben, später unter Tage im so genannten Pfeilerbruchbau gewonnen. Ihre Bedeutung wuchs mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die herkömmlichen Stollenbergwerke ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Sie konnten den wachsenden Bedarf an Braunkohle nicht mehr decken, so dass mehr und mehr großflächige Tagebaue aufgeschlossen wurden.  1911 begann der weiträumige  Kohleabbau im Raum Lauchhammer mit der Aufschlussbaggerung im Tagebau Kleinleipisch. 1924 wurde in der Grube Agnes bei Plessa die weltweit erste Abraumförderbrücke eingesetzt. Mit ihr vollzog sich der Übergang zum modernen Lausitzer Braunkohlenabbau. Die Großtechnik ermöglichte eine deutliche Steigerung der Fördermengen.

Aus der Braunkohle wurde ein begehrter Rohstoff zur Stromerzeugung im großen Stil für Industrie und Haushalte und nicht zuletzt Grundstoff für die chemische Industrie. Fortan veränderte der Raum um die heutigen Städte Lauchhammer und Schwarzheide radikal sein Gesicht.

Dagegen stellte der ehemalige Tagebauraum bei Tröbitz und Domsdorf im Süden Brandenburgs unter allen Lausitzer Bergbaugebieten eine Besonderheit dar. Hier haben sich auf einer relativ kleinen Fläche Tief- und Tagebaugebiete abgewechselt und eine Landschaft hinterlassen, aus der die Bergbautätigkeit nach wie vor ablesbar ist. Bereits 1847 wurde mit dem Kohlenabbau in einer kleinen Grube begonnen. Im Jahr 1958, nach über 100 Jahren des Bergbaus, war mit dem Tagebau Tröbitz-Westfeld das Kapitel des Braunkohlenabbaus in diesem Raum abgeschlossen.

Was bleibt ist eine von den Bruchfeldern des Tiefbaus geprägte Waldlandschaft, die der Szenerie vor Beginn des Bergbaus sehr ähnelt. Die Tagebaue haben zusätzlich eine Vielzahl von kleinen Seen hervorgebracht, die heute das Landschaftsbild nachhaltig prägen. Auch hier besteht in den nächsten Jahren noch Sanierungsbedarf (z. B. am Restloch 127). Die im Gebiet nördlich von Lauchhammer aufgeschlossenen Tagebaue Kleinleipisch, Klettwitz und Klettwitz-Nord lieferten die Kohle für Brikettfabriken, Kraftwerke, die Großkokerei Lauchhammer und die Chemie- und Schwerindustrie im Revier.
Mit dem vorzeitigen Stopp der Braunkohlenförderung durch den nach der Wiedervereinigung 1989 einsetzenden Strukturwandel entstand eine nicht vorhersehbare Situation. Am 18.12.1992 wurde mit dem letzten Kohlezug aus dem Tagebau Klettwitz-Nord die Braunkohleförderung im Raum Lauchhammer beendet.

Der gewaltige Aufwand, der für die Kohlegewinnung betrieben wurde, war und ist für die Sanierung dieser Landschaft erneut nötig.

Das Ziel der Sanierung ist die Beseitigung der Altlasten des Bergbaus, die Gefahrenabwehr und die Wiedernutzbarmachung der Folgelandschaften. Dazu waren riesige Erdmassen sowohl mit Tagebaugroßgeräten als auch mit kleineren mobilen Maschinen zu bewegen. Allein um Kostebrau wurden in den Jahren 1993 bis 2004 über 200 Millionen Kubikmeter Erdreich verlagert, um die vorgegebenen Sanierungsziele zu erreichen. Insgesamt wurden im „Hoheitsgebiet“ des Arbeitskreises bisher fast 270 Mio. Kubikmeter Erdmassen bewegt.

Um Kippenflächen und -böschungen sicher zu gestalten, wurden mittels diverser Verdichtungsmaßnahmen, wie Spreng-, Rütteldruck- oder Fallgewichtsverdichtung mehr als 85 Mio. m³ Kippenboden verdichtet.

Wie wichtig gerade diese Form der Sanierung bei unseren brandenburgischen Kippenflächen von Bedeutung ist, zeigen die Ereignisse im Zusammenhang mit der sich wieder selbst regulierenden Grundwassersituation.

War in den ersten Jahren der Sanierung die Wasserhebung noch Mittel zum Zweck erlangte der Flutungs- und Monitoringprozess seit Anfang 2001 immer größere Bedeutung. 1 Milliarde m³ Wasser durchströmten insgesamt die Rohrleitungen im Verantwortungsbereich des Arbeitskreises davon 80 Mio. m³ für die Flutung des Bergheider Sees.

Bei der hohen Dichte von Tagebaugeräten, Veredlungsanlagen und Infrastruktureinrichtungen, wie Energieversorgung und Transporteinrichtungen, im Westraum Südbrandenburgs kamen natürlich auch Unmengen zu entsorgender Stoffe aus dem Rückbau zusammen. Rund 600 Tausend Tonnen stammten aus der Demontage und Verschrottung und fast 1 Mio. m³ aus dem Abbruch und Abriss der bergbaulichen Relikte. Weiterhin wurden bisher mehr als 4.000 ha sanierte Bergbauflächen melioriert und aufgeforstet, bzw. als sonstige Nutzfläche hergestellt.

Insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro wurden in dieser Region seit Sanierungsbeginn 1990/91 durch den Bund und das Land Brandenburg zur Verfügung gestellt. 

Neben den gewaltigen Anstrengungen, die sich aus dem bisher Gesagten leicht erahnen lassen, fällt es schwer einzelne Maßnahmen hervorzuheben. Zudem würde eine auch nur annähernd lückenlose Darstellung den Zeitrahmen sprengen.

Lassen Sie mich trotz allem ein paar wenige herauspicken:

  • Neben den bereits erwähnten Erdbau-, Wasserhebungs- und Flutungsmaßnahmen, sowie Verdichtungs-, und Rekultivierungsleistungen wären zu nennen:
  • Das gigantische „Jahrhundertprojekt Sanierung Kokerei Lauchhammer“, aber auch der Erhalt der Industriedenkmale wie die F60 in Lichterfeld, die Biotürmen in Lauchhammer, das Kraftwerk Plessa, und die Brikettfabrik Louise in Tröbitz/Domsdorf.
  • Weiterhin soll die Entwicklung des Lausitz-Industrieparks Lauchhammer mit dem Aushängeschild „VESTAS“ auf dem ehemaligen Gelände der Brikettfabrik 69 nicht unerwähnt bleiben. Und mein Heimatort Annahütte hätte sicher heute noch ein arsenbelastetes Restloch.

Dass die heutige Jubiläumssitzung auf einem ehemaligen Bergbaustandort stattfindet, ist eine ausgezeichnete Wahl, dokumentiert sie doch neben Vergangenem nachdrücklich die Zukunft.

Eine Zukunft die der Arbeitskreis weiterhin maßgeblich mit gestalten wird. Die Leistung der Mitglieder war, trotz manchmal unterschiedlicher Auffassungen, immer geprägt von der Suche nach Lösungen, nicht selten mit Kompromissen, aber immer zielorientiert und der Sache dienlich. Mit dem Grundwasserwiederanstieg müssen wir uns jetzt und künftig neuen Herausforderungen stellen.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Tätigkeit weiterhin viel Schaffenskraft, Enthusiasmus und Entscheidungsfreudigkeit, dann werden wir uns zur 100. Arbeitskreissitzung zum Ende des nächsten Verwaltungsabkommens wieder sehen. Dann aber mit einem ausgewogenen Pegelstand am Bergheider See.

Glück auf!"

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