Braunkohlesanierung ist gut vorangekommen - LMBV-Bilanzpressegespräch in Espenhain mit dem Rückblick auf 2011

Senftenberg/Espenhain. Beim LMBV-Bilanzpressegespräch am 22. Mai 2012 in Espenhain blickte die Geschäftsführung der LMBV zunächst auf das Jahr 2011 zurück. „Die LMBV hat im Jahr 2011 ihre regulären Sanierungsprojekte zur Gestaltung neuer Bergbaufolgelandschaften überwiegend planmäßig vorangebracht und hierfür insgesamt rund 190 Mio. Euro für alle Maßnahmen der Grundsanierung, zur Abwehr von Gefahren aus dem Wiederanstieg des Grundwassers und zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards der Bergbaufolgelandschaft eingesetzt. Das öffentliche Interesse an der planmäßigen Durchführung und dem zeitigen Abschluss von Sanierungsmaßnahmen der LMBV ist weiterhin groß“, betonte LMBV-Chef Prof. Dr. Mahmut Kuyumcu. Zur Gewährleistung der Standsicherheit von gekippten Böschungen gegen Setzungsfließgefahren wurden 2011 beispielsweise Massenverdichtungen mittels Rüttelstopfverdichtung umgesetzt, so u.a. am Silbersee bei Lohsa. Die weitere forstliche Rekultivierung zum Abschluss der Oberflächenwiedernutzbarmachung ist ein ständiger Part der Sanierungsaufgaben. Sie wird auch in den nächsten Jahren ein breites Arbeitsfeld der LMBV bleiben. „Mit der Braunkohlesanierung konnte bereits viel Vorzeigbares geschaffen werden.“

„Die Braunkohlesanierung ist damit auch weiterhin eine wichtige Facette im Prozess der Deutschen Einheit in den ostdeutschen Bundesländern“, unterstrich LMBV-Chef Kuyumcu. Die vorausschauenden Grundlagen dafür wurden vor nunmehr fast 20 Jahren mit dem „Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung ökologischer Altlasten zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie den neuen Bundesländern“ (VA I) für die erste Periode von 1993 bis 1997 schon im Dezember 1992 gelegt. Die bis heute andauernde Finanzierung ist dank der Financiers von Bund und Ländern bis 2012 gesichert. Ein Folgeabkommen für den Zeitraum von 2013 bis 2017 (VA V) ist in Vorbereitung.

Die Braunkohlesanierung in Ostdeutschland ist ein Gemeinschaftswerk, das die Wiedernutzbarmachung ehemaliger Abbauflächen des stillgesetzten Braunkohlenbergbaus zum Ziel hat. Dafür stellten der Bund und die Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen auch 2011 ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung. Das Jahresbudget versetzte die LMBV in die Lage, bewährte Sanierungsverfahren zur Entwicklung ökologisch nachhaltiger und wirtschaftlich attraktiver Landschaftsprojekte fortzusetzen. Allein im Jahr 2011 wurden fast 190 Mio. Euro (2010: 216 Mio. Euro; 2009: 225 Mio. Euro) für die Braunkohlesanierung bereitgestellt, davon entfielen auf Brandenburg rund 80 Mio. Euro (2010: 99 Mio. Euro; 2009: 105 Mio. Euro), auf Sachsen ca. 85 Mio. Euro (2010: 89 Mio. Euro; 2009: 84 Mio. Euro), auf Sachsen-Anhalt rund 23 Mio. Euro (2010: 25 Mio. Euro; 2009: 35 Mio. Euro) und auf Thüringen rund 2,6 Mio. Euro (2010: 2,7 Mio. Euro; 2009: 1 Mio. Euro).

Rund 116 Mio. Euro wurden 2011 für die Grundsanierung im Rahmen der bergrechtlichen Verpflichtungen der LMBV (2010: 144 Mio. Euro) ausgegeben; dies sind die so genannten Projekte nach § 2 des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung. Für die Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers wurden 2011 rund 52 Mio. Euro (2010: 44 Mio. Euro) eingesetzt. Hier handelt es sich um Projekte nach § 3. Dies betraf z. B. Lösungsvarianten zur Bewältigung des Grundwasserwiederanstiegs um Zerre und in Delitzsch sowie am Silbersee (Sachsen), bei Zschornewitz und Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) ebenso wie bei Lauchhammer und an Restlöchern bei Hosena (Brandenburg). Schließlich wurden im Auftrag der Braunkohleländer rund 22 Mio. Euro (2010: 27 Mio. Euro) für diverse Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der sanierten Landschaften realisiert – hier geht es um die Projekte nach § 4.

Die Ergebnisse der kontinuierlichen Sanierung sind an den neuen Seenlandschaften um Leipzig, Bitterfeld und in der Lausitz sichtbar: Sie werden von Einheimischen und Touristen gleichermaßen gut angenommen. Die Flutungen der Bergbaufolgeseen in beiden Revieren kamen 2011 mit rund 110 Mio. Kubikmeter Flutungswasser ein weiteres Stück voran. Zum 31. Dezember 2011 konnten mit rund 74 Mio. Kubikmeter Wasser in der Lausitz und 36 Mio. Kubikmeter Wasser in Mitteldeutschland die Jahres-Flutungsziele erreicht werden. Insgesamt wurden kumulativ bereits 1.731 Mio. Kubikmeter in der Lausitz und 1.511 Mio. Kubikmeter Wasser in Mitteldeutschland zur Herstellung von über 50 größeren Bergbaufolgeseen eingeleitet.

Das hohe Niederschlagsaufkommen in den zurückliegenden Jahren hat, verbunden mit zum Teil unbefriedigenden Abflussbedingungen in den Flussbetten, zu einem lang anhaltenden hohen Wasserstand in den Flüssen sowie zu extrem hohen Grundwasserneubildungsraten und zu einem starken Aufkommen von Schichtenwasser geführt. Der gleichzeitig sich vollziehende Wiederanstieg des Grundwassers führte schließlich dazu, dass zahlreiche Häuser im und außerhalb des Umfeldes der Tagebaue Vernässungsprobleme bekamen. Die LMBV hat vielen Betroffenen im Auftrag des Bundes und der Braunkohleländer ohne Anerkennung einer Rechtspflicht unbürokratisch erste Hilfen zukommen lassen, damit das Wasser aus den Kellern zeitnah abgeleitet werden konnte. Erforderliche Abwehrmaßnahmen konnten jedoch nur dort vorgenommen werden, wo die Vernässungen dem bergbaulich bedingten Grundwasserwiederanstieg zuzuordnen sind. Eine Vielzahl solcher Maßnahmen ist in der Vorbereitungs- oder in der Realisierungsphase.

Eine besondere Herausforderung für die Sanierer im Betrachtungszeitraum waren die Geländeeinbrüche, die infolge von Verflüssigung insbesondere auf den Innenkippenflächen der ehemaligen Tagebaue Spreetal (Sachsen) und Schlabendorf (Brandenburg) verzeichnet wurden. Diese unerwartet aufgetretenen Instabilitäten, teilweise auf für die Nutzung freigegebenen Flächen waren für die LMBV Veranlassung, die gesamten aus DDR-Zeiten stammenden Innenkippenflächen des Lausitzer Reviers erneut zu prüfen und weitere Flächen vorsorglich zu sperren und einer eingehenden geotechnischen Neubewertung zu unterziehen. Bis zum März 2012 wurden die vorsorglich gesperrten Flächen bewertet und kategorisiert, um über die Planungen für ggf. erforderliche Gefahrenabwehrmaßnahmen entscheiden zu können. Ziel der LMBV ist es, auf der Grundlage von Technikums- und Feldversuchen in den Jahren 2012/13 die ergänzenden Sanierungsmaßnahmen zur dauerhaft standsicheren Gestaltung von Kippenflächen so zu konkretisieren, dass mit ihrer schrittweisen Einführung ab 2013 begonnen werden kann.

Die Unglücksursache von Nachterstedt wurde 2011 weiter mit hoher Intensität und Einsatz modernster Technik untersucht. Nach einer intensiven Planungs- und Genehmigungsphase wurde das so genannte seeseitige Erkundungsprogramm im Frühjahr 2011 aufgenommen, um von seetüchtigen Pontons aus mittels Kernbohrungen und Sondierungen neue Daten aus dem unmittelbaren Rutschungskessel und seiner Umgebung zu erheben, zu denen es landseitig aus sicherheitstechnischen Gründen noch keinen Zugang gab. Diese Erkundungsarbeiten haben bis Anfang Mai 2012 angedauert. Hiermit und mit weiteren landseitigen Erkundungsmaßnahmen soll die noch bestehende Datenlücke zur Ursachenermittlung bis zum Sommer 2012 weitgehend geschlossen werden. Danach soll die Sanierung einschließlich der Neugestaltung des beeinträchtigten Böschungsareals starten, die dann einen Zeitraum bis 2015 in Anspruch nehmen könnte. Die touristische Nutzung des Concordiasees bleibt das langfristige Ziel.

Die Braunkohlesanierung war daher auch im Jahr 2011 wieder ein Gemeinschaftswerk zahlreicher Partner in den Sanierungsfirmen, Ingenieurbüros, Arbeits-, Berg- und Umweltämtern sowie Behörden. Der LMBV-Chef sagte daher abschließend: „Der Dank der LMBV als Projektträgerin der Braunkohlesanierung gilt insbesondere dem Bund und den Braunkohleländern als Finanziers sowie den zahlreichen Kommunen und Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, mit denen die LMBV nun bereits viele Jahre konstruktiv zusammenarbeitet.“
 
Was sind aus Sicht der LMBV berichtenswerte Kennziffern des Jahres 2011?

• Rund eine Mio. Kubikmeter Abraummassen wurden 2011 bewegt.
• Etwa drei Mio. Kubikmeter Kippen wurden verdichtet und gesichert.
• Insgesamt 3,24 Mrd. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser wurden kumulativ von 1994 bis 2011 zur Flutung der Bergbaufolgeseen genutzt.
• Im Jahr 2011 konnten insgesamt ca. 110 Mio. Kubikmeter Flutungswasser den Tagebaurestlöchern zugeführt werden (2010: 186 Mio. ; 2009: 240 Mio. Kubikmeter).
• Folgenden Flüssen wurde in der Lausitz Wasser entnommen: Spree 47 Mio. Kubikmeter und Schwarze Elster 26 Mio. Kubikmeter; Neiße nur eine Mio. Kubikmeter.
• Zur Flutung in Mitteldeutschland wurde vor allem die Saale mit 14 Mio. Kubikmeter sowie Sümpfungswasser in einer Größenordnung von 22 Mio. Kubikmeter genutzt.
• Das Volumen des Grundwasserdefizits wurde damit beginnend vom Jahr 1990 mit ursprünglich 12,7 Mrd. um 9,2 Mrd. auf beachtliche 3,5 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2011 verringert (Defizit 2010: 4,2 Mrd. Kubikmeter; Defizit 2009: 4,7 Mrd. Kubikmeter).
• Auf rund 192 Hektar (2010: 137 Hektar; 2009: 107 Hektar) wurden wieder Bäume und Sträucher gepflanzt bzw. Waldflächen angelegt. Insgesamt wurden auch 2011 mehr als 1,6 Mio. Pflanzen von der LMBV und ihren Partnern eingesetzt.

Die Braunkohlesanierung hat auch einen beschäftigungspolitischen Beitrag geleistet. Mehrere hundert Menschen haben 2011 in und mit der Bergbausanierung eine anspruchsvolle Beschäftigung gefunden. Insgesamt lag die aus der Bergbausanierung resultierende Gesamtbeschäftigungswirkung im Jahresdurchschnitt bei 2.437 Arbeitsplätzen (2010: 2.684; 2009: 2.800 Arbeitsplätze). Zur LMBV selbst gehörten zum Jahresende 2011 fast 700 Sanierungsplaner, Controller, Immobilienwirte und Kaufleute an den Standorten in Senftenberg und Leipzig sowie beim StuBA und seiner Bund-Länder-Geschäftsstelle in Berlin.

In dieser Beschäftigtenzahl von 697 zum Stichtag waren 65 LMBV-Auszubildende enthalten. Das Unternehmen hat auch im Jahr 2011 wieder Jugendliche erfolgreich ausgebildet. 20 neue Ausbildungsplätze wurden im Laufe des Jahres 2011 besetzt. 19 Auszubildende bestanden erfolgreich ihre IHK-Prüfungen. Am 31. Dezember 2011 waren in der LMBV direkt 620 Arbeitnehmer aktiv beschäftigt. Unter Berücksichtigung der rund 77 Mitarbeiter in der Ruhephase der Altersteilzeit standen die o. g. insgesamt fast 700 Menschen in einem Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen. Darunter waren anteilig 351 Frauen.

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