Lausitzer Teerseen werden Vergangenheit sein

LMBV pflanzt am 7. September Bäume auf ehemaliger Deponie Zerre

Berlin/Spreetal. Rund 750.000 Tonnen Teerrückstände (Teerölfeststoffe/TÖF und Kohletrübe/ KTR) sind seit 1994 aus der Abproduktenhalde Terpe (Landkreis Spree-Neiße) und der Teerdeponie Zerre (Landkreis Kamenz) rückgebaut, verwertet und entsorgt worden. Da die Landesgrenze zwischen dem Freistaat Sachsen und Land Brandenburg durch den Standort Schwarze Pumpe geht, war der Rückbau der Teere ein länderübergreifendes Projekt. Am Standort Terpe waren auf einer Fläche von ca. 16 Hektar insgesamt ca. 330.000 Tonnen dieser Produkte in einer Mächtigkeit von ca. 3,7 bis 7,5 Meter und in Zerre waren auf einer Fläche von ca. 6 Hektar in den Becken 11 und 12 ca. 420.000 Tonnen dieser Produkte 3,2 bis 3,50 Meter eingelagert worden. Dieses Projekt wurde fachlich unter der Leitung des Projektträgers LMBV in einer Facharbeitsgruppe und in einem erweiterten Projektbeirat unter Teilnahme der zuständigen Fach- und Aufsichtsbehörden, der Finanziers der Bundesregierung, des Freistaates Sachsen, des Landes Brandenburg und der Geschäftsstelle des Steuerungs- und Budgetausschusses der Bundesregierung (StuBA) vorbereitet und bestätigt. Hier wurden alle Rückbauvarianten und -aktivitäten geprüft und deren Finanzierung bewilligt. Insgesamt gab es neben der Erarbeitung von Genehmigungs- und Ausführungsplanungen Ingenieurbüros als begleitende Gutachter für die vorgenannten Tätigkeiten und Gefahrguteinstufungen. Im gesamten Bearbeitungszeitraum wurden ca. 100 Gefährdungsabschätzungen und Gutachten zur Erkundung der Inhaltsstoffe erstellt und in der Praxis umgesetzt.

Anlässlich der Veranstaltung am 7.9.2006 in Zerre betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu: „Der heutige Tag markiert den Abschluss einer der größten Umweltsanierungsprojekte in der Braunkohlesanierung. Der Bund und die Braunkohleländer Brandenburg und Freistaat Sachsen haben hierfür bisher rund 157 Mio.€ eingesetzt. Für Restarbeiten sind weitere 28 Mio. € geplant. Die Gesamtkosten belaufen sich damit auf rund 185 Mio. €. Eine gut angelegte Investition, mit der die Kontaminationen im Grund und Boden sowie im Grundwasser unweit der Spree beseitigt wurden und werden. Schließlich wurden auch die Geruchsemissionen dieser Teerseen eliminiert und ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer ökologisch nachhaltigen und ökonomisch chancenreichen Zukunft in der Lausitz geleistet. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt konnten auch zahlreiche innovative Techniken entwickelt werden. Danken möchte ich vor allem den Bürgerinnen und Bürgern im Raum Spreetal und Terpe für Ihr Verständnis und Ihre Geduld bis zum Abschluss der Arbeiten.“

Ursache der Teerablagerungen

Die thermische Veredlung von Braunkohle hatte am Industriegroßstandort Schwarze Pumpe seit den 1960er Jahren große wirtschaftliche Bedeutung für die Erzeugung von Koks und Gas. Als Nebenprodukte der Vergasung und Verkokung sind vor allem Teerschlämme, Teer- Kohle- und Teer-Asche-Mischungen von hoher kalorischer Wertigkeit angefallen, welche als Altablagerungen an den Standorten Terpe und Zerre abgelagert wurden. Nach der Beendigung der Gas und Koksproduktion wurden die Altablagerungsstandorte ab 1990 gesichert. Dazu wurde 1990 die LUG (Lausitzer Umwelt Gesellschaft mbH) gegründet (Beteiligung 50 % der Ruhrkohle Umwelt GmbH Essen und 50 % der ESPAG) und mit der Erkundung und Entwicklung von Sanierungsstrategien durch die LUG begonnen, eine Verwertung und Beseitigung dieser Altlasten vorzubereiten.

1991-1994 wurden die für die Verwertung notwendigen technischen Anlagen, darunter die Brennstoffaufbreitungsanlage in Zerre, errichtet. Durch die LUG wurden bis 1999 ca. 200 kt TÖF/KTR verwertet und entsorgt. Auf Grund der Stillsetzung der Altkraftwerke Trattendorf (1996) und Schwarze Pumpe (1998) sowie der hohen Benzenwerte der Rückbauprodukte waren die Einsatzmöglichkeiten des Mischbrennstoffes zunächst zu Ende. Es mussten alternative Möglichkeiten zur Entbenzenierung gefunden werden. Die Umsetzung der neuen Sanierungsstrategie wurde 1998 über eine öffentliche Ausschreibung vollzogen, nachdem dieser Weg zur energetischen Verwertung der Altablagerungen für die Folgejahre die Zustimmung des Sanierungsbeirates und des StuBA. gefunden hatte. An der europaweiten Ausschreibung beteiligten sich 26 Bewerber, wovon 6 Bewerber in die engere Auswahl kamen. Mitte 1999 wurde der Zuschlag zur Verwertung der restlichen Altablagerungen an die Arbeitsgemeinschaft VTL erteilt.

Weiterer Rückbau, energetische Verwertung und Entsorgung der Altablagerungen

Die ARGE VTL aus SVZ, LOBBE/SSP und SUC erhielt den Gesamtauftrag zum Rückbau und Verwertung der Altablagerungen. Die zeitlich übergreifende Beauftragung vom Verwaltungsabkommen II (bis 2002) nach dem Verwaltungsabkommen III (bis 2007) war eine Besonderheit für dieses Projekt. Unter anderem wurde eine Pelletieranlage errichtet, um Pellets zur Vergasung aus entbenzeniertem TÖF und anderen Stoffen herzustellen. Dieser Verwertungsweg war ein innovatives Verfahren zur Erfüllung der Leistungen. Die Zusammensetzung der ARGE VTL veränderte sich während der Auftragszeit wie folgt: am 31.03.2000 erfolgte der Austritt der SUC aus der ARGE. Am 16.03.2004 trat das SVZ aus der ARGE aus. 2005 erhielt die Fa. LOBBE-Tankschutz den Auftrag zur Verwertung der Restmengen. Während der Vertragserfüllung wurde im Jahre 2005 festgestellt, dass vor allem in den Becken 11 und 12 in Zerre größere Mengen, als im Vertrag mit der ARGE vereinbart, zurückzubauen waren. Auf der Grundlage einer Nachtragvereinbarung vom 14.09.2005 erhielt die Firma LOBBE - Tankschutz den Auftrag, nunmehr Restmengen in Höhe von ca. 80 kt TÖF/KTR zurückzubauen und zu verwerten bzw. zu entsorgen.

Arbeits- und Umweltschutz bei den Arbeiten

Zur Qualitätssicherung der Sanierung wurde ein Qualitätssicherungsplan für die Eigen- und Fremdüberwachung unter Berücksichtigung der berg-, immissionsschutz-, wasser- und abfallrechtlicher Forderungen sowie der Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen erstellt. Dieser dient zur Einhaltung von Nebenbestimmungen und Auflagen von Behörden , der Einhaltung von technischen Forderrungen sowie der Gefahrstoffmessungen und arbeitsmedizinischen Mitarbeiteruntersuchungen. Während der gesamten Rückbauzeit kam es zu keinen meldepflichtigen Ereignissen. Alle umweltrelevanten Parameter wurden eingehalten. Die Messungen zur Schadstoffbelastung waren immer unter den zugelassenen Grenzwerten.

Enge Zusammenarbeit mit den angrenzenden Kommunen

Infolge der Beteiligung bei den Betriebsplanverfahren und der voranschreitenden Rückbautätigkeit kam es regelmäßig alle drei Monate zu Gemeindesitzungen und Sitzungen des Umweltausschusses Zerre unter Beteiligung der LMBV. In diesen Sitzungen erläuterte die LMBV die Rückbaumaßnahmen und nahm Anregungen der Kommune in ihr Sanierungskonzept auf. Mit dem Beginn der Rückbautätigkeiten kam es verstärkt zu Geruchsbelästigungen, da im Rückbauprozess die Altablagerungen offen gelegt und geschnitten werden mussten. Zur Minimierung der Belästigung der Bevölkerung wurden umfangreiche Maßnahmen zur Geruchsminimierung getroffen. Diese hatten spürbaren Erfolg.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Genehmigungs- und Fachbehörden

Im Zusammenhang mit der Erfüllung der Sanierungsziele und der nicht immer erkundungsfähigen Situation beim Rückbau und der Verwertung sowie der Beurteilung und der Beseitigung der Grundwasserbelastung an beiden Standorten wurde eine konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbehörden wie das Sächsische Oberbergamt, das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, das Landesumweltamt Brandenburg sowie dem Umweltfachbereich des Regierungspräsidiums Dresden vor Ort geführt. Des weiteren erfolgte jederzeit eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des erweiterten Projektbeirates, des Sanierungsbeirates Ostsachsen und der Vertreter des Steuerungs- und Budgetausschusses.

Ausblick

Am Standort Zerre liegen in den Nebenbecken 4 - 6 noch ca. 20 kt TÖF/KTR-Produkte, von denen jedoch keine Gefahren ausgehen. Die dort notwendigen Arbeiten werden derzeit noch beplant. Der seit 1996 betriebene Haltungsbrunnen und das nachlaufende Grundwasser- Monitoring werden voraussichtlich bis in das Jahr 2015 fortgeführt werden müssen. In den kommenden Monaten erfolgen noch eine abschließende Rekultivierung der Zerrer Becken 11 und 12 mit dem Ziel einer naturnahen Gestaltung sowie die Oberflächenabdeckung der Halde in Terpe. Die bei der Sanierung der Abproduktenhalde Terpe und der Teerdeponie Zerre gesammelten Erfahrungen fließen auch künftig in die Knowhow-Verwertung der LMBV ein.

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