LMBV setzte mit Sanierung neue „Lichtblicke“

Braunkohlesanierung läuft planmäßig / Flutung kam voran

Berlin/Bitterfeld. „Die Ergebnisse der Braunkohlesanierung werden zunehmend überregional, ja auch international wahrgenommen“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu auf dem Jahrespressegespräch am 31. Mai 2006 an dem neu gestalteten Ufer der Goitzsche. Hier zeigt sich die spannungsreiche Entwicklung der Bergbaufolgelandschaften: Vom „schmutzigen Hinterhof Berlins“ hat sich die Region um Bitterfeld durch die Bergbausanierung zu einer „Kultur- und Seenlandschaft mit Naturparadies“ gewandelt. Noch um 1820 war Bitterfeld eine unbedeutende Kleinstadt mit nur 2200 Einwohnern und 324 Häusern. Die Braunkohlenflöze trugen vor allem zur Ansiedlung von Zuckerfabriken und Ziegeleien bei. Später entwickelte sich die Region zum Zentrum der Chlorchemie und Elektrolyse in Mitteldeutschland – mit all den bekannten Umweltproblemen. „Dieses sanierte und geflutete Restloch eines Braunkohlentagebaues verdeutlicht am konkreten Beispiel, dass die Regionen in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch das kontinuierliche Wirken der Sanierungsbergleute weiter an Attraktivität gewonnen haben.“ Die Ergebnisse der aufwendigen Bergbausanierung werden für die Menschen im Südraum von Leipzig und rund um Bitterfeld von Jahr zu Jahr noch greifbarer und nutzbarer. Auch die zum Teil erst später ausgekohlten und stillgelegten Tagebaue in der Lausitz werden im Wesentlichen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts gesichert und geflutet sein.

Erfolgreich im Wandel: Die Braunkohlesanierung war auch im Jahr 2005 nicht eines Mannes Werk: zahlreiche Partner in den Sanierungsfirmen, Ingenieurbüros, Arbeits-, Berg- und Umweltämtern, Behörden, dem Steuerungs- und Budget- sowie den Braunkohleausschüssen haben zu einem erfolgreichen Etappenziel 2005 beigetragen. Insgesamt rund 7,8 Mrd. Euro Bundes- und Landesmittel sind seit 1990 zielgerichtet für die Braunkohlesanierung eingesetzt worden. Davon wurden von der LMBV rund 7,4 Mrd. für die Sicherung der stillgelegten Tagebaue und weiterer notwendiger Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung aufgewandt. Allein im Jahr 2005 wurden 328 Mio. Euro (2004: 375 Mio. Euro) für die Braunkohlesanierung bereitgestellt, davon rund 294 Mio. Euro (2004: 329 Mio. Euro) für die Grundsanierung im Rahmen der bergrechtlichen Verpflichtungen der LMBV. Für die Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers wurden rund 24 Mio. Euro (2004: 30 Mio. Euro) eingesetzt. Dies betraf z. B. in Sachsen-Anhalt Arbeiten in der Stadt Bitterfeld den Ausbau und Betrieb von Entwässerungsanlagen. Schließlich wurden im Auftrag der Braunkohleländer mit mehr als 10 Mio. Euro (2004: 15 Mio. Euro) diverse Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der sanierten Landschaften realisiert.

Lichtblicke für die Regionen: Ein Großteil aller Arbeiten, insbesondere die Böschungssicherung und Kippenverdichtung, die Abraummassentransporte und -anschüttungen sowie der Abriss von nicht mehr benötigten Brikettfabriken und Kraftwerken sind bereits abgeschlossen. Bei den Abbruch- und Demontagearbeiten sind nur noch drei Prozent zu erledigen. Ähnlich groß ist das Verhältnis bei den Massenbewegungen – nur noch fünf Prozent der gesamten Leistungen sind hier zu erbringen. Bei den Verdichtungsarbeiten sind schon 89 Prozent der Arbeiten geleistet worden. Bei der reinen Rekultivierung, die ja in der Regel am Ende der Sanierung steht, sind rund zwei Drittel (67 Prozent) erreicht. In der Altlastensanierung sind bis jetzt ebenfalls über die Hälfte der Projekte abgearbeitet.

Was sind aus Sicht der LMBV interessante Kenziffern des Jahres 2005?

  • Rund 38,2 Millionen Kubikmeter Abraummassen wurden in 2005 bewegt.
  • Etwa 42,4 Millionen Kubikmeter Kippen wurden verdichtet und damit gesichert.
  • 305 Millionen Kubikmeter Wasser wurden 2005 zur Flutung herangezogen.
  • 1.960 Mio. Kubikmeter Fremd- und Eigenwasser wurden seit 1994 zur Flutung genutzt.
  • Das Grundwasserdefizit von 1990 mit 12,7 Mrd. wurde auf 6,2 Mrd. Kubikmeter verringert.
  • An 37 von 46 größeren Bergbaufolgeseen wurde bisher die Flutung begonnen, an 10 Seen der Endwasserstand erreicht.
  • Auf ca. 276 Hektar wurden Bäume wurden gepflanzt, davon zwei Drittel Laubbäume.
  • 378 Hektar Flächen wurden zur Nachnutzung für Land- und Forstwirtschaft vorbereitet.
  • Rund 7.000 Hektar wurden durch Veräußerung einer neuen Nutzung zugeführt.
  • Ca. 1.355.000 Tonnen Abfälle wurden im Jahr 2005 beseitigt bzw. verwertet.

„Die attraktive Vielfalt der durch die Braunkohlesanierung neu geschaffenen Landschaften wurde 2005 vor allem an der Goitzsche deutlich. Wer die Goitzsche und die Stadt Bitterfeld noch aus den neunziger Jahren kennt, wird heute die neue Kulturlandschaft kaum wiedererkennen. Wer aber erst heute diese Landschaft sieht, kann sich gar nicht vorstellen, dass hier einmal extensiv Braunkohle gefördert und verarbeitet wurde, die Stadt Bitterfeld mit schlechter Lebensqualität sogar gleichgesetzt wurde,“ unterstrich Kuyumcu.

Seit rund zwei Jahren ist die Flutung der Bergbaufolgeseen einer der Schwerpunkte der Tätigkeit der LMBV. Diese bis weit in das nächste Jahrzehnt reichende Aufgabe hat die LMBV fast zu Hälfte erledigt. Bei dieser einzigartig umfangreichen Herausforderung kommt es nicht nur auf die mengenmäßige Herstellung neuer Gewässer an, sondern vorrangig auch auf die Herstellung solcher Seen, die langfristig ohne Qualitätsprobleme in die Vorflutsysteme eingebunden werden können. Im Jahre 2005 hat die LMBV Gespräche mit den Braunkohleländern Sachsen und Brandenburg aufgenommen, um zu klären, welche Bergbaufolgeseen von diesen übernommen werden.

Die Braunkohlesanierung hat auch die in sie gesetzten beschäftigungspolitischen Erwartungen erfüllt. Mehrere tausend Menschen haben auch 2005 in und mit der Bergbausanierung eine anspruchsvolle Beschäftigung gefunden. Insgesamt lag die aus Bergbausanierung resultierende Gesamtbeschäftigungswirkung im Jahresdurchschnitt bei über 5.000 Arbeitsplätzen. In der LMBV selbst waren zum Jahresende 2005 noch 681 Ingenieure, Immobilienwirte und Kaufleute an fünf Standorten beschäftigt. Zu dieser Zahl kommen noch 170 LMBV-Auszubildende hinzu. Trotz weiter rückläufiger Beschäftigtenzahlen hat das Unternehmen auch im Jahr 2005 wieder Jugendliche erfolgreich ausgebildet. 35 neue Ausbildungsplätze wurden noch im Laufe des Jahres 2005 besetzt.

Der LMBV-Chef zog abschließend das Fazit: „Die Braunkohlesanierung ist, wie die bisher erzielten Leistungen und Ergebnisse veranschaulichen, eine wirksame Investition in die Zukunft, erhalten doch damit die ehemaligen Braunkohleregionen ökologisch nachhaltige und ökonomisch chancenreiche Perspektiven.“

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