Inbetriebnahme der Flutungsanlage zur Neißewasserüberleitung in das Lausitzer Seenland am 10. Oktober 2005 erfolgt

Berlin/Hoyerswerda. Heute Nachmittag wurde die Flutungsanlage zur Neißewasserüberleitung in das Lausitzer Seenland an den Quellteichen im sächsischen Quolsdorf mit einem Probelauf feierlich in Betrieb genommen. Zwei Kubikmeter pro Sekunde werden künftig bei entsprechender Wasserführung der Neiße vom Einlaufbauwerk in Steinbach über Rohrleitungen, offene Gräben und vorhandene Fließgewässer die Lausitzer Bergbaufolgeseen erreichen. Rund einen Tag braucht das Neißewasser künftig, um zum Sabrodter See im Seenland zu gelangen.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk, LMBV-Chef Dr. Mahmut Kuyumcu, Regierungsvizepräsidentin Dr. Irmgard Weiß und Ministerialdirigent Berthold Leber vom Bundesministerium der Finanzen drückten heute gemeinsam den symbolischen roten Knopf für das 30 Mio. Euro-Projekt. Mit der erteilten Genehmigung zum Probelauf, auf der Grundlage des durch das Regierungspräsidium Dresden erteilten Planfeststellungsbeschlusses Spreetal/Neißewasserüberleitung vom 2. Dezember 2002, konnte die Anlage damit in Betrieb gehen. Für die Flutung von Restseen im Lausitzer Seenland stellt die Lausitzer Neiße eine wichtige Stützfunktion zur Ergänzung der notwendigen Flutungswassermengen aus den schon genutzten Flüssen Spree und Schwarzen Elster dar. So muss das kostbare „Nass“ ca. 70 km zurücklegen, um in die vorbereiteten Bergbaufolgeseen eingeleitet werden zu können. Eine Besonderheit des Verfahrens stellte die intensive Beteiligung der Republik Polen hinsichtlich der Wasserentnahme aus dem Grenzfluss dar. Mit der Hinzuziehung der Neiße verkürzt sich der Flutungshorizont für das Seenland bei hinreichender Wasserführung um etwa fünf Jahre.

Die Baumaßnahmen zur Neißewasserüberleitung von der Pumpstation Steinbach über Verteilerbauwerke, offene Gräben und Fließgewässer sind bereits in den vergangenen Monaten fertig gestellt worden, so dass die vorgelagerten Funktionstests mit Wasser bereits Ende September abgeschlossen werden konnten. Nach Festlegung und Bestätigung des Mindestabflusses von 17,6 m³/s durch die deutsch-polnische Grenzgewässerkommission wird es nun möglich, an der Entnahmestelle in Steinbach auch Neißewasser für die Flutung des Lausitzer Seenlandes zu nutzen.

Ca. 300 Mio. Kubikmeter Wasser sind jährlich insgesamt notwendig, um eine schnelle, ökologisch sinnvolle und wirtschaftlich gerechtfertigte Flutung aller Bergbaufolgeseen durchzuführen. Ziel ist es deshalb, möglichst jeden Tropfen Wasser, der für die Flutung herangezogen werden kann, dafür auch zu nutzen. So war es folgerichtig, auch zeitig eine Wasserentnahme aus der Neiße zu betrachten. Erste planerische Gedanken dazu entstanden bereits 1993. Sieben Jahre später, im Juni 2000, konnte dann die LMBV auf der 8. Sitzung der deutsch-polnischen Grenzgewässerkommission das Projekt vorstellen und nachfolgend die Anträge auf Planfeststellung beim Regierungspräsidium Dresden einreichen. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe der Umweltverträglichkeitsstudie an die polnische Seite. Nach der Erörterung des Planfeststellungsverfahrens und der Beteiligung der polnischen Fachbehörden im Jahre 2001 wurde im Dezember 2002 der Planfeststellungsbeschluss durch das Regierungspräsidium Dresden der LMBV übergeben.

LMBV-Chef Dr. Kuyumcu betonte: „Jetzt können wir eine der größten und sicher umfangreichsten Baumaßnahmen hier in der Lausitz abschließen und ihrer Bestimmung übergeben, um zusätzliches Wasser aus der Lausitzer Neiße für die neuen Seen der Lausitz heranzuziehen. Ohne eine genügende Fremdwasserzuführung könnte ein wichtiges Ziel der bergbaulichen Sanierung, die Wiederherstellung eines weitestgehend ausgeglichenen und sich selbst regulierenden Wasserhaushaltes, nicht realisiert werden, da auch bei der Nutzung von Spree und der Schwarzen Elster nur ein begrenztes Wasserdargebot zur Verfügung zu Verfügung steht. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei die kooperative Zusammenarbeit auf der Fachebene mit der polnischen Seite. Auf der Grundlage eines durch die Grenzgewässerkommission bestätigten „Mengen- und Stoffbilanzgutachtens“, angefertigt durch das Meteorologische Institut in Breslau, erfolgt nunmehr durch die polnische und deutsche Seite ein jährlich abgestimmtes Monitoring. Dieses bildet auch künftig die Voraussetzung für eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.“

Dr. Kuyumcu unterstrich: „Dieser Probelauf ist nicht zuletzt Ausdruck dafür, dass die LMBV ihren Verpflichtungen einer zielgerichteten Sanierung nachkommt und die Voraussetzungen dafür durch den Bund und die Länder gegeben sind. Die einheitliche und länderübergreifende Entwicklung des Lausitzer Seenlandes, die Finanzierung durch die Bundesregierung, den Freistaat Sachsen und das Land Brandenburg sind beispielhaft und lebendiger Beweis für eine Erfolgsgeschichte der deutschen Wiedervereinigung. 4,6 Milliarden Euro wurden bisher in der Lausitz eingesetzt. Eine sicher sinnvolle und wirksame Investition für die Zukunft der Menschen hier in der Lausitz.“

Entnahmebedingungen aus der Lausitzer Neiße

Mindestabfluss: größer als 17,6 m³/s
maximale Entnahmemenge: Q ~ 2,0 m³/s
mittlere Jahresfördermenge: 30 Mio. m³/s

Informationen zu den einzelnen Bau- und Flutungsabschnitten

Kosten Pumpstation Steinbach 3.500 T€
Rohrleitung 1. bis 3. Bauabschnitt 11.690 T€
Quellteich und Verteilerbauwerk 600 T€
Pumpstation Spreewitz 6.734 T€
Rohrleitung Spreewitz-B 156 2.230 T€
Oberer Landgraben mit Zulaufanlage 5.265 T€
Summe 30.019 T€

Die Anlage besteht aus nachfolgenden Teilbereichen (mit Bauzeiten):

1. Einlaufbauwerk Neiße, Zulaufleitung und Pumpstation Steinbach an der Lausitzer Neiße, Bauzeit: 07/2003 bis 10/2004

Zulaufleitung über 2 parallele Stahlbetonrohre DN 1200 ca. 100 m
Pumpstation tiefliegender Nassraum und höher liegender Steuerraum
2 Tauchmotorpumpen je 560 KW mit Förderung in Druckrohrleitung DN 1400
Trafostation 10/0,5 KV Trasse 8 km (25 km Kabel insgesamt verlegt)
Alle 23 Bauwerke und Sauerstoffanreicherung sind über LWL (Lichtwellenleiter) verbunden.
350 Messwerte mit der Flutungszentrale und Breslau verbunden

2. Rohrleitung von Steinbach bis Quolsdorf Bauzeit: 07/2003 bis 10/2004

Gesamtlänge 10.566 m
Durchmesser NW DN 1400
Stahlrohr mit Zementmörtelauskleidung und PE-Ummantelung (lange Lebensdauer)
frostfreie Erdverlegung, 23 Schachtbauwerke, 16 Kontrollschächte, 3Lüftungsschächte
Alle Schächte haben Druckmessdosen, am Ende Sauerstoffanreicherung im Quellteich.
Munitionsfunde aus dem 2. Weltkrieg und 150 archäologische Funde

3. Neugraben zwischen Quolsdorf und Rietschen mit Quellteich und Neubau bzw. Rekonstruktion mehrer Wehranlagen, Bauzeit: 04/2005 bis 09/2005 und 2006

Vier Stauanlagen, Verteilerbauwerke / Abzweige:
- Verteilerbauwerk Hinterdorf 1
- Verteilerbauwerk Hinterdorf 2 (2. BA Realisierung ab 10/2006)
- Wehr Teicha mit Einlauf zu den Fischteichen
- Verteilerbauwerk Neuhammer (realisiert zum 30.09.2005)

Fünf Gewässertrassen:
- Umleiter Hinterdorf
- Steinbachgraben
- Abschlagstrasse (2. BA Realisierung ab 10/2006)
- Teilabschnitte des Neugrabens
- Teilabschnitte des Weißen Schöps

Vier Brücken und sonstige Bauwerke:
- Durchlass Abschlagstrasse
- Ortsverbindungsstraße Teicha-Quolsdorf (2. BA Realisierung ab 10/2006)
- Brücke Wirtschaftsweg über Steinbachgraben
- Quellteich (realisiert zum 30.09.2005)

4. Nutzung vorhandener Fließgewässer wie des Weißen Schöps, des Schwarzen Schöps und der Spree

5. Pumpstation Spreewitz, Bauzeit: 1997 bis 2000

Entnahmemenge max. 2,5 m³/s und max. ca. 45 Mio. m³/a
Einlaufbereich mit Fischscheuche
Pumpenraum (Nassbereich) 2 getrennte Kammern mit 2 Motortauchpumpen von je 250 KW mit je 0,75 m³/s Hebeleistung,
2 Umwälzpumpen gegen einfrieren der Kammer
Schieberkammer(Trockenbereich)
Aufnahme der Schieber und Zusammenführung der 4 Rohrleitungssysteme zur Doppel- rohrleitung

6. Rohrleitung von der Pumpstation Spreewitz bis zur B156, Bauzeit: 1997 bis 2000

Länge 7868 m
Durchmesser DN 1000, Doppelrohrleitung aus Kunststoff auf DN 1200 vergrößert 20 Schachtbauwerke als Kontroll-, Be- und Entlüftungs- sowie Entleerungsschächte
Alle Schächte haben Druckmesssonden.
Begleitung durch das Landesamt für Archäologie mit mehreren Funden

7. Renaturierung des Oberen Landgrabens von der B156 bis zum Verteilerbauwerk Bluno und Zulauf in den Nordrandschlauch/Spreetal ( Sabrodter See), Bauzeit: 2003 bis 2004

Gesamtlänge 5.450 m
Kapazität 2,5 m³/s bis Verteilerwehr Bluno danach bis Sabrodter See 1,5 m³/s
Einlauf Sabrodter See mit Tosbecken 30 m x 15 m x 0,80 m; als Zulauf ist eine Kunststoff leitung NW 800 aufschwimmend angeschlossen

8. Verteilerwehr Bluno, Bauzeit: 2003 bis 2004

Bauart ist Y-förmig zur Verteilung nach dem Sabrodter See und später weiter nach Skado/ Sedlitz
2 Schütztafeln mit Elektroantrieb trennen den Zulauf und sind stufenlos regelbar.

Abmessungen Verteilerwehr:
Durchflussbreite jeweils 2,50 m
Bauwerkshöhe 3,10 m
Sohllänge jeweils 16,60 m
Sohlhöhe 108,35 mNN

Eine Weiterführung über den Oberen Landgraben bis zum Partwitzer See und Sedlitzer See ist zurzeit in Planung.

Interessante Details:

Kreuzungsbauwerke

Zwölf Straßenkreuzungen:
- Staatsstraße S 127 Steinbach - Lodenau
- Ortsstraße Neusorge
- Kreisstraße K 8413 Quolsdorf - Hähnichen
- Ortsstraße Quolsdorf - Hinterdorf
- Durchörterungen der Ortsstraße Neusorge Hähnichen
- Kreisstraße 9215 Spreewitz - Zerre
- Südstraße Schwarze Pumpe
- Bundesstraße B 97
- 2 Durchörterungen der Bundesstraße B 156
- Ortsverbindungsstraße Terpe - Sabrodt

Vier Gewässerkreuzungen:
- Welschgraben
- Peisker Graben
- Schutzgraben
- Weißer Schöps

34 Medienleitungen:
Bereich Neißeeinleitung - Quellteich
- 14 Stück (davon 5 Telekom-Kabel, 6 10 kV-Kabel,
- 3 Trink-/Brauchwasserleitungen)
Bereich Pumpstation Spreewitz - Oberer Landgraben - Sabrodter See
- 16 Stück (davon 6 Trink-/Brauchwasserleitungen,
- 4 Telekomkabel, 3 ESAG-Leitungen, 3 Vattenfall-Leitungen)

Sieben Bahnkreuzungen:
- 5 mal Werkbahn Vattenfall Europe/Mining
- 2 mal Deutsche Bundesbahn

Zurück