Bundesunternehmen LMBV hat Geburtstag

Sanierer feiern mit Gästen in der Kulturlandschaft Goitzsche / Trittin kommt

Berlin/Bitterfeld. Mehr als eintausend Gäste werden sich am Freitag (6. August 2004) auf den Weg in die Agora an der Goitzsche bei Bitterfeld machen. Dort feiert die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) - ein bergmännisches Ingenieur- und Immobilien-Unternehmen - ihren zehnten Geburtstag. Vor zehn Jahren, im August 1994, war die Gründung der Gesellschaft beurkundet worden. Ehrengäste der Feier werden der Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Finanzstaatssekretär Volker Halsch und Sachsen-Anhalts Chef der Staatskanzlei, Staatsminister Rainer Robra, sein. Gemeinsam mit vielen Begleitern der Braunkohlesanierung soll in der künstlich gestalteten Kippenlandschaft, auf der nunmehr vom Wasser der Goitzsche umgebenen Halbinsel Pouch, ein Richtfest der größten Landschaftsbaustelle Europas gefeiert werden. „Bergbausanierung ist nicht eines Mannes Werk“ ist das Motto der Veranstaltung in dem dort errichteten offen Forum (Agora). Fast zweihundert mitwirkende Musiker von Bergmannkapellen und Bergmannschören werden zur Besinnung auf das Erreichte beitragen. Mit jungen Künstlern und Sportlern vom Tanztheater TABEA aus Halle wird tänzerisch und ästhetisch auf die Zukunft gesetzt. Als Gäste der Veranstaltung sind die politischen und fachlichen Begleiter der Braunkohlesanierung sowie die Mitarbeiter aus der Sanierung eingeladen.

Die LMBV ist ein Kind der deutschen Einheit, gezeugt von der Treuhand, geformt für den Transformationsprozess in der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands. Als eine der Töchter von Minister Hans Eichel macht das Sanierungsunternehmen nach Meinung vieler Beobachter einen guten Job. Rund 7,5 Mrd. Euro haben der Bund und die vier betroffenen Bundesländer bereits aufgebracht, um die Hinterlassenschaften des fast gleichzeitig abrupt angehalten Braunkohlenabbaues in 32 Großtagebauen aufzuarbeiten.

Dieses Geld zur Erledigung der umfangreichen Aufgaben an über 1.000 Projekten ist gut angelegt: die Projektträgerin LMBV entwickelte neue Landschaften in ansonsten nicht betretbaren gefährlichen Arealen, schaffte sinnvolle Beschäftigung in den Revieren und machte den Weg frei für eine nachhaltige ökonomische und eine ökologisch chancenreiche Zukunft der Regionen. Die Braunkohlesanierung hat damit eine der Erfolgsgeschichten der deutschen Einheit geschrieben.

Im Zuge der Privatisierungen der ostdeutschen Energiewirtschaft wurden 1992 aus den nicht zu verkaufenden Betriebsteilen die Vorläufergesellschaften LBV und MBV gegründet. Mit mehr als 12.000 Beschäftigten wurden eine Vielzahl von Projekten, zum Teil als geförderte bzw. AB-Maßnahmen begonnen. Auf über 105.000 Hektar gab es viel zu tun. Mittlerweile sind die nicht mehr benötigten Industrieanlagen und Brikettfabriken abgerissen, auf dem Gelände von Kokereien und Kraftwerken moderne Industrieparks entwickelt und neue Unternehmen angesiedelt worden. Eine Vielzahl von sanierten Flächen sind bereits verkauft worden, an Kommunen ebenso wie an Private oder Naturschutzverbände. Nur noch die Hälfte der ursprünglichen Gesamtfläche ist im Besitz der LMBV und wird weiter saniert sowie zum Verkauf vorbereitet.

Grundlage alles Handelns der LMBV ist das Bergrecht, das eine Wiedernutzbarmachung der bergbaulich beanspruchten Flächen durch den Bergwerksbesitzer vorschreibt. Auf der Grundlage von demokratisch verfassten und rechtsverbindlichen Sanierungsplänen arbeitet die LMBV gegenwärtig an 150 größeren Projekten. Die Finanzierung wird nach wie vor zu drei Vierteln vom Bund und zu einem Viertel von den Ländern getragen. Sie basiert auf einem Verwaltungsabkommen für 1993 bis 1997 über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten vom Dezember 1992. Dieses wurde inzwischen zweimal fortgeschrieben und reicht gegenwärtig bis 2007.

Die Struktur der Braunkohlesanierung auf drei Ebenen ( Bund-Länder mit dem Steuerungs- und Budgetausschuss, Projektträger LMBV, ausführende Firmen und Sanierungsgesellschaften) hat sich bisher als Erfolgsmodell im Umgang mit den öffentlichen Mitteln für die Sanierung bewährt, wie kürzlich das MdB Hilsberg formulierte. Ohne Skandale und unter steter Aufsicht der Rechnungshöfe sind in den vergangen Jahren mehrere Milliarden an Umweltsanierungsleistungen öffentlich ausgeschrieben und termin- und qualitätsgerecht umgesetzt worden. Zeitweise waren in den Anfangsjahren bis zu 20.000 Menschen in den Sanierungsprojekten beschäftigt. Im Jahr 2004 sorgt die Sanierung noch für ein Arbeitsvolumen für mehr als 6.000 Menschen, die in der und um die Wiedernutzbarmachung Beschäftigung finden. Die LMBV hat gegenwärtig noch rund 800 Mitarbeiter und bildet zur Zeit über 200 Jugendliche erstberuflich aus.

Ein langfristiges Ziel der Bergbausanierer ist es, mit der Flutung von 46 größeren Bergbaufolgeseen einen sich weitestgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt in der Lausitz und in Mitteldeutschland zu erreichen. An neun ehemaligen Restlöchern ist der Endwasserstand bereits erreicht. Zur temporären Nutzung durch die Bevölkerung sind einige schon sichere Wasserflächen freigegeben. Für Seenflächen in der Goitzsche erfolgt dies am Vormittag des 06.08.2004 ab 12:30 Uhr nun ebenfalls. Unter Beteiligung der Bitterfelder Bürger werden den künftigen Eigentümern große Flächen des fast fertig gestellten Sees von der LMBV übergeben.

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