Teilsprengung des Absetzers 1096 im Sanierungstagebau Meuro am 15.04.2004

Wiedergabe aus der Online-Ausgabe der Lausitzer Rundschau vom 16.04.2004

«Alles weg, gleich knallt’s!»
Absetzer wird demontiert: Sprengteam lässt 116 Tonnen Stahl durch die Luft fliegen

Punkt elf Uhr und mit ohrenbetäubendem Knall brach gestern im Ex-Tagebau Meuro der 116 Tonnen schwere Zwischenförderer vom stillgelegten Bandabsetzer. Resultat durchdachter Präzisionsarbeit eines dreiköpfigen Sprengteams aus Schönewalde.

Mehr als 50 Meter hoch, fast 200 Meter lang. Wie eine Riesenwippe, von Bändern und Streben in der Waage gehalten, zeichnet sich der ausgediente Bandabsetzer vor dem blauen Himmel ab. Rund um das imposante Tagebaugerät ist es menschenleer. Nur Bauleiter Hans-Jürgen Dettmer ist noch zu sehen. «Jetzt alles weg hier! Gleich knallt’s!» , ruft er, kehrt dem Stahlmonstrum den Rücken und kraxelt den Südrandschlauch hoch. Wo sich die Mannen der Sanierungsgesellschaft Schwarze Pumpe, der LMBV und des Sprengteams Marschlich schon versammelt haben.

Handliche Teile für den Hochofen

«Ist schon gefährlich» , erklärt der gesprächige Bauleiter. Metallsplitter und Nieten könnten durch die Luft schwirren und Menschen verletzen. Hat er alles schon erlebt bei der Demontage ausgedienter Tagebaugeräte. Der Bandabsetzer zu Dettmers Füßen soll bis November in handlichen Stücken von 1,5 mal 0,5 mal 0,5 Metern auf Schwerlast-Transportern Richtung Hochofen im sächsischen Riesa transportiert und dort eingeschmolzen werden – mit Ausnahme des 60 Meter langen Abwurf-Auslegers. Der wird an den Großräschener IBA-Terrassen als Steg in das ab 2006 geflutete Tagebaurestloch führen (die RUNDSCHAU berichtete). «Deswegen sprengen wir ja heute den Zwischenförderer. Aus statischen Gründen. Damit der Absetzer in der Balance bleibt, nachdem wir den Ausleger mit Kränen stückweise abmontiert haben» , erklärt Dettmer.

Sprengstoff an 82 Stellen verteilt

Einige hundert Meter entfernt stehen blaue Container. Von dort tönt jetzt ein Martinshorn. Bedeutet: Sprengung vorbereitet. Wenig später erschallt es zwei Mal kurz hintereinander: Zündung! Sekunden später zählt der Sprengmeister laut: «fünf, vier, drei zwei, eins ...». Noch eine Atempause – dann der Knall. 82 Sprengladungen explodieren exakt zeitgleich. Der 45 Meter lange Zwischenförderer fällt gerade herunter. Erde spritzt, dunkler Staub steigt auf. Von der Hebebühne aus hatten Sprengmeister Enrico Marschlich und seine beiden Mitarbeiter tags zuvor die 2,3 Kilo Sprengstoff verteilt und eingeschalt. Ein Statiker hatte das Sprengteam beraten. Viel klettern mussten die drei, um an schwer zugängliche Stellen ranzukommen, natürlich angeseilt. «Heute war nur noch der Zündkreis zu schließen. Den Spreng-Impuls gab ein Transformator.» Erklärt Enrico Marschlich und geht mit Bauleiter Dettmer rüber zum amputierten Tagebau-Riesen. Man sieht die beiden die Sprengstätte inspizieren. Wieder tönt das Martinshorn, dreimal kurz hintereinander: Freigabe! Jetzt darf auch die Presse mal gucken. Über 100 Tonnen Stahlgerippe haben sich in die Erde gedrückt. Geknickte Bodenbleche liegen verstreut. Stahlverstrebungen haben sich verformt als wären sie aus Plastik. «Wie mit dem Schweißbrenner durchtrennt» , bewundert LMBV-Projektleiter Michael Matthes die Sprengnähte.

Keine Trauer mehr

Wahrscheinlich im Juli, schätzt Hans-Jürgen Dettmer, wird eine zweite Sprengung den letzten Stahl-Koloss-Rest zu Fall bringen. Abwurf- und Ballastausleger sollen dann abmontiert sein und nur noch der Turm in der Mitte stehen. Im November ist der Ableger verschwunden. Dettmer trauert dem verdienten Tagebaugerät nicht hinterher. Dazu hat er schon zu viele von ihnen zerlegt. Von Daniel Preikschat

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