„Neißewasser Marsch-Befehl“ für Tagebau Berzdorf bei Görlitz

Offizielles Anzapfen aus Lausitzer Neiße für Sachsens größte Badewanne erfolgt - Flutung des Berzdorfer Sees wird voraussichtlich vier Jahre dauern

Berlin/Görlitz. Am Nachmittag des 18. Februar 2004 vollzogen die Staatssekretärin im SWMA, Andrea Fischer, der Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Prof. Dr. Rolf Karbaum und der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Dr. Mahmut Kuyumcu gemeinsam im Beisein polnischer Gäste den offiziellen Knopfdruck zur Inbetriebnahme der Anlage zur Flutung des Tagesbaues Berzdorf mit Wasser aus der Neiße.

„Der 1997 fast vollständig ausgekohlte Tagebau südlich der Stadt Görlitz wird sich mit seinen künftig 960 Hektar Wasseroberfläche in eines der größten künstlich angelegten Gewässer Sachsens verwandeln“, betonte LMBV-Chef Kuyumcu. 330 Millionen Kubikmeter Wasser werden das Massendefizit der in der Grube gewonnen 318 Millionen Tonnen Kohle langfristig ausgleichen.

Staatssekretärin Andrea Fischer verwies darauf, „dass durch die intelligente Einbindung der Lausitzer Neiße in das Lausitzer Wassermanagement die Flutung des Berzdorfer Sees planmäßig erfolgen kann. Eine Nutzung des Sees wird so schon in vier bis fünf Jahren möglich sein.“ Sie betonte: „Die Grundsanierung wird mit der Flutung der Restseen nahezu beendet sein. Wie wir wissen, ist dies die Basis für die weitere Entwicklung. Darauf aufbauend bedarf es aber weitergehender Maßnahmen, um die Bergbaufolgelandschaften attraktiv zu gestalten. Mit dem Planungsverband Berzdorfer See steht ein kompetenter Ansprechpartner für die touristische Entwicklung zur Verfügung. Entsprechende Visionen für das Tourismus- und Feriengebiet Berzdorfer See sind bereits formuliert.“

Oberbürgermeister Prof. Dr. Karbaum unterstrich, dass „zu den vielfältigen Nachnutzungsideen rund um den See u. a. ein Bootshafen mit Wassersportzentrum, ein Campingplatz und ein Golfareal auf der Neuberzdorfer Höhe gehören.“ Zugleich verwies er auf die besonderen Entwicklungspotenziale in Verbindung mit der Europastadt Görlitz/Zgorzelec.

Auf der Basis eines Planfeststellungsbeschlusses des Regierungspräsidiums Dresden kann das Wasser aus dem Grenzfluss Lausitzer Neiße in Zeiten ausreichender Wasserführung zur Flutung des künftigen Berzdorfer Sees genutzt werden. Ein Mindestabfluss von 13,3 Kubikmeter je Sekunde muss nach dem Entnahmebauwerk in der Neiße noch gewährleistet sein. Gegenwärtig fließen rund 20 Kubikmeter pro Sekunde durch den Grenzfluss.

Für den jetzt beginnenden Zeitraum der Flutung von ca. vier Jahren können je nach Wasserdargebot in der Lausitzer Neiße über die errichtete Flutungsanlage bis zu zehn Kubikmeter Neißewasser pro Sekunde in den Berzdorfer See gelangen. Das führt anfänglich zu einem Wasseranstieg von rund einem Meter pro Tag. An rund 20 bis 30 Tagen per anno kann Wasser mit max. Leistung aus der Neiße entnommen werden. Die temporäre Flutungsanlage, bestehend aus einem Entnahmebauwerk an der Neiße, einer ca. 1000 Meter langen Doppelrohrleitung, einem Schwimmponton und den elektrischen Anlagen mit der erforderlichen Steuer- und Regeltechnik, sind seit Mai 2003 fertiggestellt und wurden Anfang Februar erfolgreich getestet und geeicht.

Als Voraussetzung für eine sichere Inbetriebnahme dieser Flutungsanlage musste ein Wasserstand von zehn Metern im Restsee erreicht sein. Dazu wurde mit der zusätzlichen Flutung aus dem Bach Pließnitz bereits am 1. November 2002 begonnen. Aufgrund geringer Niederschläge im zurückliegenden Sommer wurde der notwendige Wasserstand für die Anlage erst Ende des Jahres 2003 erreicht.

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