Barbarafeier Mitteldeutschland in Halle am 04.12.2003

Redebeitrag von Dr. Mahmut Kuyumcu, Vorsitzender der Geschäftsführung

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Professor Dr. Böhmer,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Häußler,
meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren, liebe Bergleute,

mit einem herzlichen Glückauf begrüße ich Sie hier in Halle im Namen der LMBV zu unserer Barbarafeier.

Gern gebe ich Ihnen einen Überblick über den Fortschritt in der Braunkohlesanierung und will auch kurz in Erinnerung rufen, was uns in diesem Jahr besonders bewegt hat.

Das Jahr 2003 ist das erste Jahr des III. Verwaltungsabkommens, mit dem der Bund und die Braunkohleländer die Finanzierung unserer Arbeiten bis 2007 geregelt haben. In diesem Jahr werden wir für die Sanierungsprojekte in unserer Verpflichtung insgesamt 372 Mio. Euro, davon 106 Mio. Euro im Mitteldeutschen Revier aufwenden.

Hinzukommen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr beim Grundwasserwiederanstieg in Höhe von fast 18 Mio. Euro und Infrastrukturmaßnahmen im Auftrag der Braunkohleländer in Höhe von über 25 Mio. Euro.

Alles zusammen also rund 414 Mio. Euro. Damit beläuft sich das bisherige finanzielle Engagement des Bundes und der Braunkohleländer seit 1991 auf von insgesamt 7,1 Milliarden Euro. Sicherlich eine gewaltige Summe, sicherlich aber auch eine lohnende Investition in die Zukunft, erhalten doch damit die ehemaligen Braunkohleregionen eine ökologisch nachhaltige und ökonomisch chancenreiche Perspektive.

Die Gesamtbeschäftigungswirkung unserer Arbeiten schlägt sich nieder in rund 7.600 Arbeitsplätzen. Dank des anhaltenden Engagements unserer Finanziers und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie haben 230 Jugendliche ihre Ausbildung bei uns fortsetzen können. Die Zahl der jungen Menschen, die ihre Ausbildung bei der LMBV seit 1995 erfolgreich abgeschlossen haben, übersteigt nunmehr die stolze Summe von 1.400. Im September haben wir 55 neue Auszubildende aufgenommen und werden, dies mache ich heute und hier besonders gerne öffentlich, auch in 2004 weiteren 50 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anbieten. Ich denke, damit können wir uns sehen lassen.

Im Laufe des Jahres haben sich der Bund und die Braunkohleländer auch darüber verständigt, die bisherige Organisation der Braunkohlesanierung bis auf Weiteres beizubehalten. Dies werten wir auch als ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere Finanziers in eine kompetente und effiziente Arbeit der LMBV vertrauen.

In das Jahr 2003 sind wir in der LMBV mit einer neuen Organisationsstruktur gestartet. Was uns hierzu bewogen hat, will ich Ihnen im Folgenden näher erläutern:

Inhalt und Umfang unserer Arbeiten sind einem steten Wandel unterworfen. Ein Wandel, der uns seit der Geburtsstunde der LMBV begleitet. Mit Beendigung der Sanierungsprojekte erhalten die Bergbaufolgelandschaften zunehmend konkrete Gestalt und werden teilweise heute schon einer neuen Nutzung zugeführt. Zugleich geht der Umfang der verbleibenden Aufgaben zurück. Infolgedessen müssen wir die Belegschaft der LMBV Jahr für Jahr reduzieren und ebenso nimmt das Geschäftsvolumen für unsere Auftragnehmer stetig ab.

Die Braunkohlesanierung ist inzwischen flächenübergreifend in ihre letzte Phase, in die Flutung der Bergbaufolgeseen sowie in die Sanierung des gestörten Wasserhaushalts eingetreten. Hier, im mitteldeutschen Revier, übersteigt der finanzielle Umfang der wasserwirtschaftlichen Maßnahmen bereits in diesem Jahr den Finanzbedarf für die bergmännische Grundsanierung.

Diese Veränderungen im Inhalt unserer Aufgaben und der stetige Rückgang des jährlichen Arbeitsvolumens waren für die LMBV auch Anlass, unsere Organisationsstruktur kritisch zu prüfen und an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen. Die neue Organisationsstruktur haben wir 2001 entwickelt, 2002 vorbereitet und zum 1. Januar 2003 eingeführt.

Im Vordergrund stehen insbesondere: Zusammenlegung der ingenieurtechnischen Kapazitäten in einer zentral geleiteten Organisationseinheit sowie die zentrale Leitung des Einkaufs, der Liegenschaftsverwertung und des Personalmanagements. Trotz dieser Zentralisierung ist es und dank der modernen Kommunikationstechnik gelungen, den Arbeitsplatz der betroffenen Mitarbeiter dezentral vor Ort zu erhalten.

Gleichzeitig haben wir unsere teilweise verstreuten Standorte in den Sanierungsbereichen möglichst auf einen Komplex konzentriert und sind damit auch für Sie, liebe Gäste, einfacher erreichbar geworden.

Gern möchte ich auch an dieser Stelle das hohe Engagement der Belegschaft der LMBV bei der Umsetzung der neuen Organisationsstruktur hervorheben und mich dafür sowie für die erfolgreiche Arbeit des Unternehmens in diesem Jahr bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LMBV wie auch bei den Betriebsräten für ihre Unterstützung in diesem Prozess bedanken.

Im Jahr 2003 haben wir auch bewährte Frauen und Männer in Führungspositionen berufen. Besonders erwähnen möchte ich, dass Grit Uhlig am 1. Juli den Staffelstab von Dr. Peter Tropp übernommen hat. Auch heute, an unserem Ehrentag möchte ich Dr. Tropp für seine hervorragenden Verdienste um die Braunkohleindustrie und Braunkohlesanierung in Sachsen-Anhalt noch einmal ein kräftiges Dankeschön aussprechen.

Unser Sanierungsbereich Westsachsen/Thüringen wird ebenso seit Mitte des Jahres von einer neuen Führungskraft, Christian Röber, geleitet. Grit Uhlig und Christian Röber sind unseren Behörden und Partnern bestens bekannt und ich wünsche ihnen ein erfolgreiches Wirken im Dienste der Braunkohlesanierung.

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich Ihnen anhand einiger Projekte einen Überblick über den Sanierungsfortschritt vermitteln:

Am 30. Juni haben wir die Flutung des Tagebaues Mücheln im Geiseltal mit dem Wasser der Saale gestartet. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Professor Böhmer, Sie haben hierzu dem fünfjährigen Braunsbedraer Jungen Jan Rosenbaum, einem waschechten Burschen dieser Region, die Auflassung gegeben, das Wasser-Marsch-Signal auszusprechen. So hat Jan, als Vertreter der sechsten und jüngsten Generation in der dreihundertjährigen Bergbaugeschichte des Geiseltals, die letzte Phase unserer bergmännischen Tätigkeit und damit die Entstehung des größten Sees Sachsen-Anhalts eingeleitet.

Mehr als eintausend Bürgerinnen und Bürger der Region und zahlreiche Gäste haben an diesem nicht alltäglichen, feierlichen Ereignis teilgenommen. Herr Ministerpräsident, ich freue mich persönlich und im Namen der LMBV, dass Sie heute wieder bei uns sind und zu uns sprechen werden.

Am 13. September stand der sächsische Teil des Mitteldeutschen Reviers im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Mit Herrn Dr. Gillo, Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, haben wir die Flutung des Tagebaues Espenhain im Restloch Störmthal mit Grubenwässern der MIBRAG gestartet.

Den Wasser-Marsch-Befehl haben wir zusammen mit der Geschäftsführung der MIBRAG sowie dem Staatsminister und mit den frisch gekürten Kanu-Juniorweltmeistern aus dieser Region, Christian Gille und Andre Kowalscheck, vorgenommen.

Wir hoffen, dass die Olympiade 2012 in Leipzig stattfindet. Den Störmthaler See werden wir jedenfalls rechtzeitig fertig stellen, so dass die geplanten Regattastrecken dort gebaut sowie die Kanuslaloms in Markkleeberg stattfinden können.

Die Neuerschließung ehemaliger Braunkohleveredlungsstandorte zu modernen Industrie- und Gewerbeparks ist in diesem Jahr weiter vorangeschritten. Allein am Standort Espenhain wurden hierfür rund 6 Mio. Euro eingesetzt.

Für Großkayna im Geiseltal erwarten wir in Kürze den Zuwendungsbescheid des Landes, so dass die Bauarbeiten etwa Mitte 2004 beginnen sollen. Für Braunsbedra hoffen wir, dass die EU-Behörden sich bezüglich der Naturschutzausweisung dem Votum Sachsen-Anhalts anschließen werden. Für Beuna schließlich sollen demnächst die Förderanträge eingereicht werden.

Der dritte Schwerpunkt der Bergbaufolgelandschaften, nämlich die Umwidmung unserer Flächen für den Naturschutz hat auch weiter an konkreter Gestalt gewonnen und hat inzwischen die stolze Summe von 8.500 ha erreicht. Hervorheben möchte den Verkauf von nunmehr fast über 800 ha Fläche in der Goitzsche an den BUND sowie 575 ha Flächen im Geiseltal an den Interessen- und Förderverein Geiseltalsee.

Meine Damen und Herren,

gern möchte ich Sie kurz auch darüber informieren, dass unser Tochterunternehmen GVV Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben ihre solide Arbeit zur Sicherung der untertägigen Grubenbaue sowie zur Wiedernutzbarmachung der Tagesanlagen auch in diesem Jahr planmäßig fortgesetzt hat.

Hervorheben möchte ich, den Abschluss der Versatzarbeiten im Bergwerk Elbingerode, die Sicherung der Kaligruben im Südharzrevier sowie die Sanierung der Absetzanlagen der Bergwerke Lengenfeld und Zwickau. Die bisher aufgelaufenen Aufwendungen der GVV betragen rund 1,1 Milliarden Euro.

Sehr geehrte Gäste,

lassen Sie mich zum Abschluss meinen Dank an Sie richten für die gute Zusammenarbeit im Dienste unseres Gemeinschaftswerkes Bergbausanierung. Mein Dank geht vornehmlich an die Vertreter der Bundes- und Länderministerien, der Bergbehörden, Regierungspräsidien und Landratsämter und die Bürgermeister in unserem Revier.

Mein Dank gilt ebenso den Mitgliedern des Steuerungs- und Budgetausschusses sowie der Geschäftsstelle des StuBA. Schließlich möchte ich Ihnen, meine Damen und Herren der Sanierungsgesellschaften und unserer anderen Geschäftspartner danken, die Sie die praktische Arbeit vor Ort engagiert wahrnehmen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit - Glückauf!

Es gilt das gesprochene Wort!

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