Mitteldeutsche Bergleute und Sanierer ziehen erfolgreiche Jahresbilanz 2010 anlässlich des 21. gemeinsamen Barbarafestes in Leipzig

Leipzig/Amsdorf/Theißen/Senftenberg. Am 3. Dezember 2010 ehrten in Leipzig rund 500 Bergleute des Braunkohlen- und Sanierungsbergbaus in Mitteldeutschland ihre Schutzpatronin, die Heilige Barbara. Die drei Unternehmen ROMONTA, MIBRAG und LMBV beschäftigen zusammen ca. 3.000 Mitarbeiter im Mitteldeutschen Revier und begehen den Barbaratag bereits zum 21. Mal gemeinsam. Traditionell sind hierzu zahlreiche Gäste aus Politik, Behörden und Wirtschaft geladen. Die Festrede hielt in diesem Jahr der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich.

Gemeinsame Ehrungen der Heiligen Barbara sind stets vom begründeten Stolz der Bergleute auf die geleistete Arbeit im Bergbau und in der Bergbausanierung geprägt. Die Gastgeber LMBV, ROMONTA und MIBRAG haben in der Vergangenheit bewiesen, dass gute Arbeit der Belegschaft, gepaart mit weitsichtigem Management, zum Erfolg führt. Das funktioniert allerdings nur unter berechenbaren politischen Rahmenbedingungen. Vom gemeinsamen Erfolg profitiert die Region. Das trifft für die Städte und Gemeinden rings um Amsdorf genauso zu, wie für die Regionen Halle, Leipzig, Borna und Weißenfels. ROMONTA und MIBRAG engagieren sich gemeinsam für eine zukunftsfähige, moderne und ökonomisch wie ökologisch sinnvolle stoffliche Nutzung der Braunkohle.

Im Zusammenschluss ibi - „Innovative Braunkohlen Integration Mitteldeutschland“ - arbeiten inzwischen 12 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, insbesondere aus Sachsen und Sachsen-Anhalt und bündeln ihre Kompetenzen in den Branchen Braunkohlenbergbau, chemische Industrie und Anlagenbau. Gemeinsamer Geschäftszweck des ibi Projektes in Leuna ist die Entwicklung von neuen Technologien zur Erzeugung von Basisstoffen aus Braunkohle für die chemische Industrie.

LMBV im Jahr 2010
Vielfältige Herausforderungen

Die LMBV hatte auch 2010 weitere Sanierungsfortschritte zu verzeichnen. Für Projekte in ihrer Verantwortung wurden in diesem Jahr fast 145 Millionen Euro investiert, davon 42 Millionen Euro in Mitteldeutschland. Beispiel dafür ist die in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführte Ufersicherung am Geiseltalsee. Die Flutung dieses Sees, des größten künstlichen Gewässers Deutschlands, wird im  Jahr 2011 abgeschlossen sein. Im Südraum Leipzig wurde die Anbindung der Restlöcher Hain und Haubitz an die Pleiße hergestellt, um zukünftig überschüssiges Wasser mit guter Qualität ableiten zu können. Auch die Flutung der Seen der LMBV kommt gut voran. Der  Werbeliner See - nördlich von Leipzig - hat durch Fremdflutung Ende April seinen Endwasserstand erreicht. Am Störmthaler See wurde die zweite Einleitstelle in Betrieb genommen. Auch in der Planung sind Fortschritte zu verzeichnen. Am 17. Mai 2010 erhielt die LMBV vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt für das Tagebaurestloch Gröbern den wasserrechtlichen Planfeststellungsbeschluss als Vorraussetzung für die Flutung und Vorflutanbindung.

In der Ursachenermittlung zum Böschungsunglück Nachterstedt startet in diesen Tagen ein wichtiges Projekt, nämlich das seeseitige Erkundungsprogramm. Damit will die LMBV in Übereinstimmung mit den Gutachtern der Bergbehörde neue Daten aus dem unmittelbaren Rutschungskessel gewinnen, und zwar von hochseetüchtigen Pontons aus, die in Schadeleben bereit liegen, um zu Wasser gelassen zu werden. Die Erkundung wird wahrscheinlich bis September 2011 andauern, die Sanierung selbst voraussichtlich bis 2014/15. Die LMBV hält an ihrem Plan fest, ab Sommer 2012 schrittweise eine beschränkte Nutzung zu ermöglichen – ein wichtiges Signal für die Region.
Im Oktober 2010 kam es auf der Innenkippe der Tagebaufelder Spreetal in Sachsen zu einem Grundbruch. Die Ursachen sind inzwischen im Wesentlichen ermittelt. Demnach ist das Sanierungskonzept nicht in Frage gestellt. Das Monitoringsystem zur Langzeitstandsicherheit wird überprüft und fortgeschrieben.

Lang anhaltende Regenfälle in Mitteldeutschland führten seit Juni zu tausenden Kellervernässungen, die in lokalen Medien große Aufmerksamkeit fanden. Die Zahl der Betroffenen hat sich seit April mehr als verdoppelt und die LMBV half unbürokratisch mit dem Einsatz von Pumpen. Für die planmäßigen §3 –Maßnahmen sollen Zscherndorf und der Lober-Ausbau in Delitzsch erwähnt werden. Für  Zscherndorf wurde eine Präzisierung der geplanten Komplexlösung mit baulichen Einzelmaßnahmen vorgenommen. Dies beschleunigt die Realisierung. In Delitzsch wurde mit Beginn des Lober-Ausbaus ein wichtiges Signal für die Region gesetzt. Die Genehmigung für diese Arbeiten unter Beteiligung etlicher Behörden verlief nicht reibungslos, wie auch in den Medien zur Sprache gebracht, und war mit erheblicher zeitlicher Verschiebung verbunden. Auch der Naturschutz forderte sein Recht. Trotz dieser Schwierigkeiten ist nun der Baustart vollzogen.

Für durchführte §4 Maßnahmen ist ein Beispiel im Freistaat Sachsen die schwimmende Kirche „Vineta“. Sie ist in der vergangenen Woche auf dem Störmthaler See verankert worden, und bei zukünftigen Veranstaltungen ist sie nur noch auf dem Wasserweg erreichbar. Erwähnenswert ist auch der Ausbau des Bergbau-Technik-Parkes in Espenhain, insbesondere wegen des hervorragenden Zusammenspiels der Region und des Freistaates Sachsen mit MIBRAG und LMBV. Mit der Fertigstellung der Schleuse am Connewitzer Wehr ist zudem die Voraussetzung geschaffen, dass im Frühjahr 2011 der Kurs 1 vom Stadthafen Leipzig bis zum Cospudener See nutzbar sein wird.

Ein Höhepunkt des Jahres 2010 für die LMBV war der 2. Internationale Bergbau- und Umweltsanierungskongress in Dresden. Dabei wurden zahlreiche Ansatzpunkte für eine künftige Zusammenarbeit gefunden. Auch Braunkohlesanierung bedeutet Beschäftigung und Ausbildung. Mit 20 Neueinstellungen in diesem Jahr sind gegenwärtig 60 Auszubildende in der beruflichen Erstausbildung bei der LMBV, davon 24 in Mitteldeutschland – eine gute Quote. Die Braunkohlesanierung geht auch nach 2012 weiter. Externe Prüfer haben die Planungen und Kostenansätze sowie die Projektabläufe der LMBV als plausibel bewertet. Auf dieser Basis haben im Sommer die Bund-Länder-Gespräche über eine weitere Ergänzung des Verwaltungsabkommens bis 2017 begonnen.

ROMONTA im Jahr 2010
Impulse für regionale Wirtschaftsentwicklung

Bei der ROMONTA wird fossiles Wachs seit über 85 Jahren aus bitumenreicher Braunkohle des unternehmenseigenen Tagebaus in Amsdorf gewonnen. Damit beliefert das Unternehmen Kunden in über 60 Ländern der Welt. Die ROMONTA bringt aus ihrer langen Tradition der Wachsproduktion wertvolle Erfahrungen in das Projekt ibi ein. Seit mehr als 300 Jahren fördern Unternehmen aus der „Oberröblinger Mulde“ Braunkohle. ROMONTA ist seit Jahrzehnten der weltgrößten Erzeuger von Rohmontanwachsen und hat in den letzten Jahren wichtige Schritte vom reinen Erzeuger zum Experten und Dienstleister für spezielle Anwendungen von Rohmontanwachs und Montanwachsprodukten getan.

Tradition und Zukunft spiegeln sich in der Unternehmensphilosophie. ROMONTA bekennt sich zur Region Mansfelder Land und sichert hier langfristig und nachhaltig über 400 Arbeitsplätze.
Gleichzeitig haben Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsvorsorge oberste Priorität. Im Jahr 2010 wurde neben der Rekultivierung und Wiedernutzbarmachung ehemaliger Bergbauflächen verstärkt Ansiedlungspolitik gemacht und damit für neue Arbeitsplätze in der Region gesorgt. Beispiele dafür sind die Photovoltaik-Anlagen von Q-Cells auf einer Fläche von 20 Hektar mit einer Gesamtleistung von 8.800 KW oder der Windpark „Asendorfer Kippe“. Hier erzeugen  13 Windräder mit einem Nabendurchmesser von 90 Metern für etwa 17.800 Vier- Personen- Haushalte alternative Energie.

Außerdem hat das Unternehmen germanBelt eine neue Produktions- und Lagerhalle für die Erweiterung seines Leistungsprofils errichtet. Anpflanzungen von Robinien und Pappeln auf über 74 Hektar Energiewald oder die Erweiterung von Lagerflächen des Unternehmens WAE, sind weitere gemeinsam realisierte Vorhaben in der Region. Bei ROMONTA gab es 2010 wichtige Veränderungen: Im August wurde Dr.-Ing. Tom Naundorf mit Gesellschafterbeschluss Geschäftsführer Technik der GmbH und damit Nachfolger des im November vergangenen Jahres plötzlich verstorbenen Heinz Frellstedt. Gemeinsam mit Dipl.-Kfm. Gottfried-Christoph Wild leiten nun beide das Unternehmen. In der Produktion gab es 2010 zwei große Herausforderungen: Zum einen werden die geologischen und bodenmechanischen Bedingen komplizierter, zum anderen gab es einen anspruchsvollen Betriebsstillstand Ende August/Anfang September. Innerhalb von 12 Tagen wurden sämtliche technischen Anlagen des Gewinnungs- und Veredlungsbereiches auf den kommenden Produktionszeitraum vorbereitet. Im Tagebau wurde die bestätigte Abbaukonzeption auch unter schwierigen Rahmenbedingungen und bei extremen Wetterlagen erfolgreich umgesetzt.

Bei der Restkohlegewinnung im Schwenkende des Grubenfeldes Westen III bewährte sich der Einsatz mobiler Technik  in Zusammenarbeit mit der GALA-MIBRAG-Service GmbH. Auf der Abraumseite mussten  erhebliche Wasseraustritte zum Beispiel aus den Böschungen beherrscht werden.
2010 wurden insgesamt 4,8 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt und 395 Tausend Tonnen Rohkohle gefördert. 2010 wurde im Rahmen des ibi Projektes zum ersten Mal testweise Kohle aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain der MIBRAG extrahiert. Nicht selbst genutzte Elektroenergie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Dampferzeuger 5 und 6 des Kraftwerks, die für die thermische Verwertung von Ersatzbrennstoffen ausgelegt sind sicherten während des Betriebsstillstands die Versorgung ab. Seit Jahresbeginn wurden über 113 Tausend Tonnen verwertet.

MIBRAG im Jahr 2010
Versorgungssicherheit gewährleistet – gutes Geschäftsjahr 2010

2010 war für MIBRAG ein gutes Jahr. Das Unternehmen leistete zuverlässig seinen Beitrag zur Versorgungssicherheit und bleibt damit stabiler Partner für Kunden und Lieferanten. Das Fördervolumen an Braunkohle erreicht voraussichtlich das Niveau vom Vorjahr (19,7 Mio. Tonnen). Durch gute Zusammenarbeit von Eigentümern, Management und Mitarbeitern konnte sich MIBRAG verbunden mit großen Anstrengungen in allen Bereichen auf veränderte Bedingungen einstellen. Das Bekenntnis der Politik auf Landesebene in Sachsen und Sachsen-Anhalt geben dem mitteldeutschen Bergbau eine Zukunftschance. Der Entwurf eines Energiekonzeptes der Bundesregierung zeigt allerdings, dass Braunkohle als sicherer Bestandteil künftiger Energieerzeugung in Deutschland weitgehend ausgeblendet wird.

Mit Flexibilität, Marketingoffensive und neuem Geschäftsfeld begegnet MIBRAG den Marktbedingungen. Die Gründung der MIBRAG Neue Energie GmbH ist ein erster Schritt in ein neues Geschäftsfeld. Die Investition von neun Millionen Euro ging in drei Windenergieanlagen, die am 8. Dezember ans Netz gehen. Weitere Vorhaben waren die Rundum-Ertüchtigung von zwei Großgeräten, die Fertigstellung der Grubenwasserreinigungsanlage und die Generalrevision im Kraftwerk Wählitz.

Vom MIBRAG-Erfolg profitiert die Region: Durch Aufträge und Wirtschaftskraft sichert das Unternehmen Arbeit und Ausbildung in Mitteldeutschland. 41 junge Leute begannen ihre Berufsausbildung mit der Aussicht, nach erfolgreichem Abschluss einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten. Seit 2002 stellte MIBRAG 300 Jungfacharbeiter und Hochschulabsolventen ein.

Partnerschaften werden auch bei strategischen Forschungsvorhaben entwickelt. MIBRAG engagiert sich für eine zukunftsfähige, moderne und ökonomisch wie ökologisch sinnvolle stoffliche Nutzung der Braunkohle. Sowohl im Deutschen EnergieRohstoff Zentrum Freiberg als auch im Projekt Innovative Braunkohlen Integration Mitteldeutschland ibi werden Kompetenzen gebündelt.

Leipzig, 03.12.2010

Für weitere Informationen zu den Unternehmen wenden Sie sich bitte an:
Detlef Berger (ROMONTA) 034601 40 158
Sylvia Werner (MIBRAG) 03441 684 612
Dr. Uwe Steinhuber (LMBV) 0171 698 68 59

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