Zweite Flutungskonferenz der LMBV zu Mitteldeutschen Bergbaufolgeseen am 12. November 2008 in Leipzig einberufen – Forum zu Lösungsstrategien und Lösungsansätzen - Pressegespräch 11.30 Uhr

Pressegespräch für interessierte Medienvertreter um 11:30 Uhr

Senftenberg/Leipzig. Eine weitere LMBV-Fachberatung zum „Stand der Integration von entstehenden Bergbaufolgeseen in den Gebietswasserhaushalt des Mitteldeutschen Braunkohlereviers“ findet am 12.11.2008 in der Zeit von 09:00 bis 15:00 Uhr im Messehaus Leipzig, Neue Messe-Allee 1 in 04356 Leipzig mit Wasserwirtschaftlern, Geotechnikern, Wissenschaftlern, Praktikern sowie Vertretern von Ministerien, Genehmigungs- und Fachbehörden, Landkreisen, Städten und Kommunen auf Einladung der LMBV statt. Die Veranstaltung wird sich verschiedenen Fragekomplexen im Zusammenhang mit dem Entstehen einer künstlichen, von Menschenhand geschaffenen neuen Wasserlandschaft im Raum Leipzig-Halle-Bitterfeld widmen. Die LMBV als Projektträgerin der Braunkohlesanierung ist an vielen Stellen im Revier mit komplexen, zum Teil vielschichtigen und weitergehenden Herausforderungen konfrontiert. Gemeinsam mit Wissenschafts- und Fachpartner wird auch mit dieser Fachberatung ein Forum für den Austausch von Lösungsstrategien und Lösungsansätzen geschaffenen.

Der Vorsitzende der LMBV-Geschäftsführung Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu wird diese Fachtagung eröffnen. Wesentliche Inhalte werden die Schwerpunkte und Aufgaben der LMBV bei der Umsetzung des Flutungs-, Nachsorge- und Wasserbehandlungskonzepts im Mitteldeutschen Braunkohlerevier sein. Ebenso werden der Stand der Planung und Realisierung von Wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren vorgetragen und ein Ausblick gegeben. Ein Fachvortrag wird sich beispielsweise mit der Entwicklung von Sanierungsstrategien zur Neutralisierung von Tagebauseen am Beispiel des Bergbaufolgesees Zwenkau befassen. Wasserwirtschaftler werden auch Maßnahmen zur Verhinderung von Versandungserscheinungen in den Auslaufbauwerken von Bergbaufolgeseen vorstellen.

Weiterhin werden Behördenvertreter zum einen die Umsetzung des umfangreichen Bewirtschaftungs- und Steuerungskonzeptes für das Flussgebiet der unteren Pleiße unter Beachtung der neu entstehenden Tagebauseen und der beabsichtigten Folgenutzungen im Leipziger Neuseenland und zum anderen die Auswirkungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU WRRL) auf die Bergbaufolgegewässer erläutern. Wissenschaftler werden Überlegungen zur Planung, Vorbereitung und Durchführung eines Pilotversuches zur Reduzierung der Exfiltration von eisenbelasteten Grundwasser aus den Kippen des ehemaligen Tagebaues Witznitz in die Fließgewässer Pleiße und Wyhra vortragen. Abgerundet wird die Konferenz mit einem Vortrag zu Fragestellungen der nachbergbaulichen Auswirkungen des Grundwasserwiederanstieges und zu geplanten komplexen Lösungen am Beispiel der Stadt Delitzsch.

Ein Pressegespräch für interessierte Medienvertreter mit Verantwortlichen und Vortragenden der LMBV ist für ca. 11:30 Uhr vor Ort geplant.

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Hintergrund zu den mitteldeutschen Bergbaufolgeseen

Herkunft des Flutungswassers für Bergbaufolgeseen in Mitteldeutschland:

Die entstehenden Bergbaufolgeseen der LMBV in Sachsen-Anhalt, Westsachsen und Thüringen werden zu einem Großteil mit Fremdwasser und durch Eigenaufgang geflutet. Das Fremdflutungswasser stammt zu ca. zwei Dritteln aus Vorflutern (Mulde: Großer Goitzsche-See und Seelhausener See bei Bitterfeld, Gremminer See und Gröberner See bei Gräfenhainichen; Saale: Geiseltalsee, Großkaynaer See und Runstedter See bei Mücheln, Neue Luppe: Werbeliner See bei Delitzsch, Weiße Elster: Raßnitzer See und Wallendorfer See bei Merseburg und Selke: künftiger Concordiasee bei Nachterstedt) und zu ca. einem Drittel aus dem gehobenen Wasser aus den Tagebauen des aktiven Braunkohlebergbaus (wie der Werbener See, Zwenkauer See, Cospudener See, Markkleeberger See, Störmthaler See, Hain/Haubitzer See, Kahnsdorfer See und Haselbacher See).

Darüber hinaus wird eine geringere Anzahl der entstehenden Seen ausschließlich durch Eigenaufgang, d. h. durch Zufluss von Grundwasser geflutet (Bockwitzer See und Harthsee bei Borna, Schladitzer See bei Radefeld; Ludwigsee, Neuhauser See und Paupitzscher See bei Bitterfeld; Landschaftssee Köckern bei Bitterfeld; Königsauer See bei Nachterstedt; Wulfersdorfer See bei Harbke).

Transport des Flutungswassers und Qualität der entstehenden Seen:

Der Transport des Flutungswassers erfolgt aufgrund der Entfernungen zwischen den Entnahmestellen und den Seen zum größten Teil über Pumpstationen und Rohrleitungen.

Die geologischen Schichten über der Kohle (Abraum) insbesondere im Bereich der ehemaligen Tagebaue im Südraum von Leipzig enthalten Eisensulfidmineralien (Markasit, Pyrit), die während des Bergbaubetriebes (Verkippung von Abraum) durch Luftzutritt verwitterten und dabei Säure freisetzten. Daher wies das Wasser in den entstehenden Seen zu Beginn der Flutung meist saure pH-Werte auf.

Nördlich von Leipzig sind im Vergleich zum Südraum von Leipzig abweichende geologische Verhältnisse auch hinsichtlich der geochemischen Zusammensetzung vorhanden, so dass derartige Versauerungsprobleme in diesen Seen nicht zu verzeichnen sind.

Die Flutung der Seen mit neutralem und gegen Säuren gepufferten Fremdflutungswasser hat zum Ziel, die vor Flutungsbeginn in der bergbaulich hinterlassenen Hohlform befindlichen sauren Wässer zu neutralisieren, die Auswaschung und den Eintrag von Säure aus den versauerten Kippen und Böschungen in die Seen zu vermeiden und bei Erreichen des Endwasserspiegels pH-neutrale Verhältnisse zu schaffen. Gelungen ist diese Flutungsstrategie z. B. bei dem zur Nutzung bereits freigegebenen Cospudener und Markkleeberger See.

Andere noch in Flutung befindliche Seen weisen jedoch einen so hohen Säuregehalt im Wasser, in den Kippen und in den Böschungen auf, dass die Flutung mit gepuffertem Fremdflutungswasser nicht ausreicht, um bei Endwasserstand pH-neutrale Verhältnisse zu erreichen. Hier sind zusätzliche technische Verfahren erforderlich, wie sie zum Beispiel beim Bockwitzer und beim Hainer See derzeit zur Anwendung gelangen (Einbringung von Soda bzw. Branntkalk).

Füllungsgrad der Seen und noch aufzufüllendes Seevolumen:

Im mitteldeutschen Revier haben 13 Seen bereits ihren Endwasserspiegel erreicht: Cospudener See, Bockwitzer See, Haselbacher See, Goitzschesee, Seelhausener See, Runstädter See, Wallendorfer See, Raßnitzer See, Köckern, Ludwigsee, Neuhauser See, Paupitzscher See und Harthsee
Insgesamt betrug bis Dezember 2007 das gefüllte Seevolumen bei den in Fremdflutung befindlichen Seen 1,36 Mrd. m³, es müssen jedoch noch 0,54 Mrd. m³ aufgefüllt werden (bis auf 1,90 Mrd. m³).

Aktuelle Flutungsstände der mitteldeutschen Bergbaufolgeseen können unter der Homepage der LMBV im Bereich Wasserwirtschaft bzw. unter http://www.srl-service-center.de/suedraum/uebersicht/uebersicht.asp nachgelesen werden. Falls Sie noch Fotos benötigen, werden Sie unter http://www.lmbv.de/ im Service-Bereich in der Fotogalerie ggf. fündig.

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