Störmthaler Kanal - Gefahr in Verzug
Der künstliche Kanal im Kippengebiet zwischen Störmthaler und Markkleeberger See im Südraum von Leipzig ist aufgrund von Böschungsschäden und Rissbildungen nahe der Kanuparkschleuse seit März 2021 gesperrt. Auf Basis bergrechtlicher Anordnungen sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig.
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr — Erweiterung der Stützkörper im Oberwasser
Im Zuge des regelmäßigen Monitorings am Störmthaler Kanal hat Anfang November 2025 ein überhöhter Messwert die LMBV dazu veranlasst, vorsorglich weitere Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Die bereits bestehenden Stützkörper am oberen Absperrbauwerk (Seite Störmthaler See) sowie unter der Autobahnbrücke der A38 werden erweitert (siehe auch Pressemitteilung vom 25.11.2025). Zudem soll die Errichtung der Dichtwand beim oberen Querbauwerk beschleunigt werden.
Bereits Ende 2024 hatte geänderte Randbedingungen (u. a. weiterer Grundwasserwiederanstieg, fortschreitende Korrosion der Querbauwerke) gemäß gutachterlicher Bewertung weitere Sicherungsmaßnahmen zur Verminderung bestehender Risiken erfordert. Deshalb hatte das Sächsische Oberbergamt im März 2025 eine Anordnung erlassen, erste Maßnahmen zur Gefahrenabwehr unverzüglich umzusetzten. Denn die Gefahrenabwehrmaßnahmen von 2021 haben die grundlegenden Probleme im System zwar abgemildert, aber nicht behoben (siehe auch Pressemitteilung vom 26.02.2025).
Wegesperrung bis Ende 2025
Auf Anordnung des Sächsischen Oberbergamtes (OBA) vom 24.03.2025 werden seit August 2025 Sofortmaßnahmen zur Reduzierung der Risiko- und Gefahrenlage am Störmthaler Kanal und am Schleusenbauwerk durchgeführt.
Im Zuge dieser Baumaßnahmen müssen die Wege entlang des Störmthaler Kanals gesperrt werden, beidseitig des Kanals und mindestens bis Ende 2025. Dies ist aufgrund des umfangreichen LKW-Verkehres auf diesen Wegen notwendig. Die Umleitungen zum Bergbau-Technik-Park und in Richtung Güldengossa sind ausgeschildert. Infotafeln mit einem Lageplan erleichtern die Orientierung.
Stabilisierung und Sicherung — was bis Ende 2025 geschieht
Die aktuellen Sicherungsmaßnahmen dienen dem Schutz von Leben, Gesundheit und Sachgütern Beschäftigter oder Dritter gemäß der Anordnung des OBA. Sie umfassen vorerst zwei Maßnahmen: Die Herstellung eines Stützkörpers am oberen Querbauwerk in Verbindung mit Entspannungsbohrungen zum schnellen Abbau der Porenwasserüberdrücke. Zudem wird als zweites im Kanalabschnitt unter der Autobahnbrücke der A38 ein Stützkörper hergestellt.
Am oberen Querbauwerk (zwischen Schleuse und Störmthaler See) wird hinter der bestehenden Spundwand ein Stützkörper aus Kies und Schotter aufgeschüttet und mit Wasserbausteinen angestützt. In diesen Stützkörper werden senkrecht 15 Entspannungsbohrungen hergestellt, das sind Säulen aus grobem Kies. Sollte im Versagensfall der Störmthaler Kanal leerlaufen, würde sich auf dem oberen Querbauwerk ein hoher Porenwasserüberdruck aufbauen. Denn der Wasserstand im Störmthaler See bleibt unverändert und drückt auf das Absperrbauwerk. Die Entspannungsbohrungen dienen dazu, dass dieser Druck schnell und gezielt abgebaut werden kann.
Im Bereich der Bundesautobahn 38 wird ein Auflastfilter eingebracht, um den Kanal und die Brückenpfeiler zu schützen. Hier wird der Stützkörper aus Kies in Verbindung mit Beton-LEGO-Steinen errichtet. Dieser erhöht den Druck auf den Boden des Kanals und dient der Stabilisierung der Böschungen im oben beschriebenen Versagensfall. Der Stützkörper wird auf einer Länge von rund 70 Metern die gesamte Kanalbreite ausfüllen. Um den Wasserdurchfluss zu gewährleisten wird der Stützkörpers am Grund des Kanals mit Rohrleitungen durchzogen.
Parallel zu den Baumaßnahmen werden das Schleusenbauwerk und die Autobahnbrücke messtechnisch überwacht. Es erfolgen Setzungs- und Schwingungsmessungen. Darüber hinaus wird eine umfangreiche Beweissicherung der Bauwerke und angrenzenden Bereiche durchgeführt.
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Mehr InformationenHintergrund — Was wurde bereits getan?
Der Störmthaler Kanal mit Schleuse im Bereich der Kippe Espenhain wurde 2013 freigegeben und verbindet den Störmthaler mit dem Markkleeberger See. Die Seen entstanden durch Flutung der Restlöcher des Braunkohlentagebaus Espenhain, dessen Abschlussbetriebsplan die LMBV umsetzt.
Im Rahmen des regelmäßigen Monitorings wurde 2019 ein Wasseraustritt mit Ausspülung von Material an der Böschung festgestellt und auch von externen Sachverständigen für Geotechnik bewertet. Im März 2021 zeigte die LMBV die Gefährdung gemäß Bundesberggesetz (§74 Abs. 3 BBergG) dem Sächsischen Oberbergamt an. Der Störmthaler Kanal sowie die beiden Seen mussten in Abstimmung mit den beteiligten Behörden und anliegenden Gemeinden gesperrt werden.
Zur Gefahrenabwehr wurden 2021 zwei Querbauwerke ober- und unterhalb des Schleusenbauwerks errichtet um einem möglichen hydraulischen Versagen entgegenzuwirken. Es bestand die Gefahr, dass die Schleuse in ihrer Standsicherheit beeinträchtigt wird und das Wasser unkontrolliert aus dem vier Meter höher liegendem Störmthaler in den Markkleeberger See abfließt und eine Fläche bis weit über Markkleeberg hinaus überschwemmt. Die damalige Gefahrenlage wurde aufgrund der Bewertung von zwei Sachverständigen für Geotechnik eingeschätzt. Nachdem kurzfristige Sicherungsmaßnahmen umgesetzt worden waren, konnten die Seen Im Juni 2021 wieder zur Nutzung freigegeben werden.
Es wurde eine Arbeitsgruppe Störmthaler Kanal gegründet, der neben der LMBV u.a. das Sächsische Oberbergamt (OBA), die Landesdirektion Leipzig (LDS), der Regionale Planungsverband Leipzig-Westsachsen (RPV), das Landratsamt des Landkreises Leipzig, die Stadt Markkleeberg und die Gemeinde Großpösna angehören. Diese Gruppe wird regelmäßig über den aktuellen Sachstand informiert und bespricht die nächsten Schritte.
In Abstimmung mit diesem Gremium gab die LMBV ein Gutachten zur Ursachenermittlung in Auftrag. Das Gutachterteam, bestehend aus der KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH und der Technischen Hochschule Nürnberg, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, stellte seinen Bericht zu den „Ursachen der festgestellten Defizite im Bereich des Störmthaler Kanals und des Kompaktbauwerkes zwischen Störmthaler und Markkleeberger See“ am 12. Oktober 2023 vor. Über die Hauptschadensursachen und die Zusammenfassung des Gutachtens wurde durch die LMBV berichtet.
Nachdem der Ursachenbericht im Oktober 2023 vorlag, wurde in der Arbeitsgruppe Störmthaler Kanal die Aufgabenstellung einer Machbarkeitsstudie erarbeitet und durch die LMBV beauftragt. Die Studie soll darstellen, ob und mit welchem Aufwand der Störmthaler Kanal und die Schleuse saniert werden können, mit dem Ziel die Schiffbarkeit wiederherzustellen. Den Zuschlag erhielt ebenfalls KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden im 1. Halbjahr 2026 vorliegen.
Räumliche Einordnung der Komplexmaßnahme
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Mehr InformationenHäufig gestellte Fragen zu den Sicherungsarbeiten am Störmthaler Kanal
Während der Arbeiten zum Umbau der Heberleitung im Frühjahr 2025 müssen die Radwege, auf der westlichen Seite für einen Zeitraum von vier Wochen gesperrt werden.
Die Sicherungsmaßnahmen an der Schleuse und den Querbauwerken erfordern ebenfalls eine zeitweise Sperrung der Wege am Störmthaler Kanal, voraussichtlich aber erst nach der Sommersaison. Wann es zu den Einschränkungen kommt steht noch nicht fest. Die LMBV wird dies rechtzeitig auf der Webseite kommunizieren.
Ein Absenken des Störmthaler Sees ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Die Böschungen sind entsprechend des geplanten Endwasserstandes saniert, so dass sie den Wellenschlag aufnehmen und standsicher sind. Jahreszeitliche Schwankungen des Wasserspiegels sind dabei selbstverständlich berücksichtigt, der Wasserspiegel kann etwa einen Meter nach oben und unten schwanken, ohne dass dies einen Einfluss auf die Standsicherheit hat. Wird der Wasserspiegel um vier Meter gesenkt, sind die Böschungen – also die Uferlinie – nicht darauf ausgelegt, so dass das Ufer unterspült wird und die oberhalb liegende Böschung samt Wegen, Straßen, Gebäuden etc. abrutschen könnte. Ein Höhenunterschied von vier Metern wäre eine erhebliche Veränderung und würde Sicherungsmaßnahmen mit Einfluss auf die etablierten Nutzungen um den gesamten See erfordern. Nahezu sämtliche Einrichtungen, wie Lagovida, Steganlagen, Strände u. ä., wären dann nicht mehr nutzbar.
Der Markkleeberger und der Störmthaler See sind zwar beide aus dem ehemaligen Tagebau Espenhain entstanden. Nur weil es ein Tagebau ist, umfasst dieser dennoch unterschiedliche Geländehöhen, im Osten beim Ortsteil Störmthal ca. +150 m NHN, im Westen am Auslaufbauwerk zur Kleinen Pleiße +114 m NHN. Aus diesem Grund wurde der Damm aufgeschüttet, der zum einen beide Seen voneinander trennt und zum anderen die Trasse der A38 beherbergt. Die Seespiegelhöhen der Teilseen orientieren sich auch an vorbergbaulichen Grundwasserständen.
Im Zusammenhang mit den veränderten Rahmenbedingungen wurde die Risiko-Gefahrenlage am Kompaktbauwerk und am Störmthaler Kanal Ende 2024 durch einen Sachverständigen für Geotechnik erneut bewertet. Bei einem Szenario des Versagens der Lagestabilität des Kompaktbauwerkes bzw. beim Versagen der Absperrfunktion im Kanal durch Ingang-Kommen einer Unter- und Umspülung können kritischen Situationen an Bauwerken und ein unzulässiger Seespiegelanstieg im Markkleeberger See nicht ausgeschlossen werden. Dafür besteht jedoch aus derzeitiger Sicht nur eine geringe Entrittswahrscheinlichkeit. Um für einen solchen Gefahrenfall dennoch gewappnet zu sein, hat die LMBV einen „Notfallplan, d.h. einen Monitoring- und Meldeplan“ erarbeitet.
Am 20.05.2025 wurde dieser „Notfallplan“ der LMBV mit möglichen Szenarien den zuständigen Behörden vorgestellt und entsprechende Unterlagen übergeben. Die Stadt Markkleeberg hat daraus abgeleitet als verantwortliche lokale Katastrophenschutzbehörde ihre Umsetzung auf der Website der Kommune veröffentlicht. Diese sind – analog z. B. zu Hochwasserereignissen – von den Bürgern im Ereignisfall zur Kenntnis zu nehmen und zu beachten.
Im Kanalbereich der Autobahnbrücke und am oberen Querbauwerk werden Stützkörper und Auflastfilter aufgebaut, u. a. mit sogenannten LEGO-Betonsystemsteinen. In Verbindung damit erfolgen zusätzlich Entspannungsbohrungen am Oberen Querbauwerk und das Herstellen von Dränagegräben in den Böschungen am Unteren Vorhafen. Damit soll der Porenwasserüberdruck in den angrenzenden Böschungen und unter der Kanalsohle abgemildert werden.






