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Informationsfahrt zur Braunkohlesanierung durch das Leipziger Neuseenland

Projekte aus dem Nord- und Südraum im Fokus der Exkursion

Leip­zig. Eine ganz­tä­gi­ge Infor­ma­ti­ons­fahrt führ­te rund 60 Teil­neh­mer am 1. Juni 2026 durch das mit­tel­deut­sche Revier. Es war bereits die vier­te Tour die­ser Art für regio­na­le Man­dats­trä­ger im Säch­si­schen Land­tag und im Deut­schen Bun­des­tag sowie für Schlüs­sel­ak­teu­re aus Ver­wal­tung, Kom­mu­nen, Wirt­schaft und Ver­bän­den. Orga­ni­siert wird sie aller fünf Jah­re von der Steue­rungs­grup­pe Leip­zi­ger Neu­se­en­land in Zusam­men­ar­beit mit dem Regio­na­len Pla­nungs­ver­band Leip­zig-West­sach­sen.

Die Rah­men­mo­de­ra­ti­on über­nah­men Patrick Hal­ka als Lei­ter des Regio­na­len Pla­nungs­ver­ban­des und Land­rat Hen­ry Graichen als Spre­cher der Steue­rungs­grup­pe. Die Ver­an­stal­tung bot den Betei­lig­ten an ver­schie­de­nen Sta­tio­nen die Mög­lich­keit, sich zu den aktu­el­len Pro­jekt­stän­den und Hand­lungs­er­for­der­nis­sen aus­zu­tau­schen, wobei Tors­ten Safa­rik, Dr. Robert Böhn­ke und Jörg Ritt­mann jeweils als fach­li­che LMBV-Ansprech­part­ner bei den Befah­rungs­punk­ten fun­gier­ten.

Ins­ge­samt wur­den sechs Sta­tio­nen ange­fah­ren: Der ers­te Befah­rungs­punkt war der Stadt­ha­fen Leip­zig, der am 5. Juni 2026 offi­zi­ell frei­ge­ge­ben wer­den wird. Dort erläu­ter­ten Rüdi­ger Ditt­mar und Ange­la Zábo­jník vom Leip­zi­ger Amt für Stadt­grün und Gewäs­ser, wie das Gemein­schafts­pro­jekt nach 25 Jah­ren dank pri­va­ter und öffent­li­cher Inves­ti­tio­nen auf öffent­li­chem Grund umge­setzt wer­den konn­te. 2011 konn­ten die ers­ten Ste­ge fer­tig­ge­stellt wer­den. Das 4.000 m² gro­ße neue Hafen­be­cken nahe des Leip­zi­ger West­plat­zes ist nun­mehr das Herz­stück des tou­ris­ti­schen Gewäs­ser­ver­bun­des. Es bie­tet u. a. Lie­ge­plät­ze für drei Fahr­gast­schif­fe, 40 Sport- und Fami­li­en­boo­te sowie Anle­ge­plät­ze für Pad­del­boo­te. Hin­zu kom­men sechs wei­te­re Lie­ge­plät­ze für Fahr­gast­schif­fe an der Außen­mo­le. Seit 29. Mai 2026 läuft der Stadt­ha­fen im Pro­be­be­trieb.

Der nächs­te Halt führ­te in den Nord­raum an den Seel­hau­se­ner See mit sei­nen kon­trast­rei­chen Ufern und Land­mar­ken. Am Löb­nit­zer Strand wur­den die Gäs­te in Emp­fang genom­men von Dr. Eck­hard Rex­roth, 1. Bei­geord­ne­ter des Land­krei­ses Nord­sach­sen, Dr. Robert Böhn­ke als Koor­di­na­tor für § 4‑Maßnahmen bei der LMBV, Bür­ger­meis­ter Det­lef Hof­mann und Julia Wede­mann als Lot­sin See­nent­wick­lung des Land­rats­am­tes Nord­sach­sen. Sie infor­mier­ten die Teil­neh­mer über die Rah­men­be­din­gun­gen am Stand­ort: Einer­seits spie­le der Hoch­was­ser­schutz nach den signi­fi­kan­ten Hoch­wäs­sern der Mul­de von 2002 und 2013 eine gro­ße Rol­le, ande­rer­seits lie­ge der See im mit­tel­deut­schen Tro­cken­ge­biet. Der künst­lich ent­stan­de­ne Lober-Lei­ne-Kanal auf der Land­brü­cke zwi­schen Seel­hau­se­ner See und Gro­ßem Goitz­sche­see müs­se zurück­ge­baut wer­den und am Strand Löb­nitz soll sich ein sanf­ter Tou­ris­mus ent­wi­ckeln. Die Wei­chen für Letz­te­ren sei­en durch den Aus­bau mit § 4‑Mitteln gestellt wor­den. Die kürz­lich erlas­se­ne All­ge­mein­ver­fü­gung sei das Ergeb­nis jahr­zehn­te­lan­ger Arbeit gewe­sen.

Anschlie­ßend hielt der Bus im Süd­raum am Nord­ufer des Zwenkau­er Sees auf Höhe der bau­grund­ver­gü­te­ten Tras­se der 750 Meter lan­gen Gewäs­ser­ver­bin­dung zum Cos­pu­de­ner See. Dort befin­det sich die See­nent­wick­lung nicht mehr am Anfang wie an der vor­he­ri­gen Sta­ti­on. Der Bür­ger­meis­ter von Zwenkau, Hol­ger Schulz, erklär­te, wie die Stadt mit ihrem Kap an den See gewach­sen sei und vor­be­rei­ten­de Arbei­ten für den Anschluss an den Gewäs­ser­ver­bund gelau­fen wären. Nach dem Stopp des Harth­ka­nal-Baus als §2-/§4‑Schnittstellenprojekt auf­grund von Kos­ten­stei­ge­run­gen im Jahr 2023 gebe es nach Ange­la Zábo­jník nun eine neue Per­spek­ti­ve: Der Grü­ne Ring Leip­zig habe dank Finan­zie­rung durch den Frei­staat Sach­sen eine Mach­bar­keits­stu­die für eine Boots­pas­sa­ge „Neue Harth“ (Stand: 12/2025) vor­ge­legt, die als Vor­zugs­va­ri­an­te eine Schiffs­ei­sen­bahn als Trog­kon­struk­ti­on von 23 x 5 Metern beschrei­be. Die­ser so genann­te Lake Link Leip­zig kön­ne mit Wen­de­schlei­fe, Restau­rant und Molen an bei­den Ufern aus­ge­stat­tet wer­den und hät­te einen gro­ßen Attrak­ti­ons­wert für die Regi­on. Als kurz­fris­ti­ges Pro­jekt stre­be dar­über hin­aus der Zweck­ver­band Neue Harth eine Asphal­tie­rung des bestehen­den Wirt­schafts­wegs zum Cos­pu­de­ner See an, wie deren Geschäfts­füh­rer Hein­rich Neu berich­te­te.

Der vier­te Hal­te­punkt war der Aus­sichts­punkt Tage­bau Ver­ei­nig­tes Schle­en­hain mit sei­nen Abbau­fel­dern Schle­en­hain, Peres und Groitz­scher Drei­eck. Dort infor­mier­te MIBRAG-Pla­nungs­chef Bas­ti­an Zim­mer über die akti­ve Braun­koh­le­för­de­rung im Feld Peres, das spä­ter zum Pere­ser See mit einem Was­ser­vo­lu­men von 430 Mil­lio­nen Kubik­me­ter und bis zu 80 Meter Tie­fe geflu­tet wer­den wird, und unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen auf­grund des Struk­tur­wan­dels. Bis 2038 – dem Ende der Koh­le­ver­stro­mung im mit­tel­deut­schen Revier – wer­de sich MIBRAG in meh­re­ren Geschäfts­fel­dern wei­ter­ent­wi­ckeln. Denn der Ener­gie­markt habe sich ver­än­dert, Koh­le wür­de meist nur noch von 18 bis 8 Uhr benö­tigt, die Zahl der Mit­ar­bei­ter muss­te bereits von 2.000 auf 1.200 redu­ziert wer­den. Mit der Aus­rich­tung u. a. auf erneu­er­ba­re Ener­gien ent­ste­hen Wind­parks und Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen auf Kip­pen­bo­den, wobei sich der Grund­was­ser­wie­der­auf­stieg erst noch voll­zie­hen wür­de.

Nach einem Kurz­auf­ent­halt im Besu­cher­zen­trum des Kraft­werks Lip­pen­dorf ende­te die Infor­ma­ti­ons­fahrt mit einer Schiff­fahrt auf dem Mark­klee­ber­ger See. Kars­ten Schüt­ze, der Ober­bür­ger­meis­ter von Mark­klee­berg, erin­ner­te an die Mei­len­stei­ne der Ent­wick­lung: Den letz­ten Koh­le­zug aus dem Tage­bau Espen­hain im Jahr 1996, die Inbe­trieb­nah­me des Gewäs­sers am 5. Juli 2006, die Eröff­nung des Kanu­parks 2007 und des Feri­en­dorfs See­parks Auen­hain 2008, die Per­so­nen­schiff­fahrt als Pri­vat­in­ves­ti­ti­on ab 2012, die rege Schleu­sen­nut­zung nach Frei­ga­be des Störm­tha­ler Kanals mit Schleu­se im Bereich der Kip­pe Espen­hain im Jahr 2013, die Sper­rung des Kanals 2021 auf­grund von Böschungs­schä­den und Riss­bil­dun­gen und die für August 2026 geplan­te Eröff­nung einer Jugend­her­ber­ge mit 170 Bet­ten und See­blick. Bezüg­lich der Kanal­sper­rung baten Tors­ten Safa­rik, kauf­män­ni­scher LMBV-Geschäfts­füh­rer, und Jörg Ritt­mann als LMBV-Abtei­lungs­lei­ter Pla­nung Westsachsen/Thüringen um Ver­ständ­nis bei den regio­na­len Ver­tre­tern und Inves­to­ren: Es wer­de mit Hoch­druck an einer Lösung gear­bei­tet und die Sicher­heit der Anrai­ner ste­he im Vor­der­grund. Der Bür­ger­meis­ter von Groß­pös­na, Dani­el Stro­bel, ver­wies auf ein wei­te­res Pro­jekt – den Inklu­si­ons­cam­ping­platz am Störm­tha­ler See, des­sen äuße­re Erschlie­ßung Ende die­ses Jah­res mit Hil­fe von För­der­mit­teln erfol­gen kön­ne.

Gruppenbild bearbeitet Belinda Regn
Grup­pen­fo­to an der See­pro­me­na­de Mark­klee­ber­ger See (Foto: Land­rats­amt Land­kreis Leipzig/Belinda Reg’n)

Die Infor­ma­ti­ons­fahrt ver­folgt das Grund­an­lie­gen, ins­be­son­de­re die Man­dats­trä­ger auf Landes‑, Bun­des- und euro­päi­scher Ebe­ne über aktu­el­le Brenn­punk­te und künf­ti­ge Hand­lungs­schwer­punk­te der Braun­koh­le­sa­nie­rung zu infor­mie­ren und zu sen­si­bi­li­sie­ren. Bei den § 4‑Maßnahmen zur Erhö­hung des Fol­ge­nut­zungs­stan­dards besteht hin­sicht­lich der Umset­zung bereits begon­ne­ner Pro­jek­te wei­te­rer Hand­lungs­be­darf, um die erfolg­rei­che Ent­wick­lung im Leip­zi­ger Neu­se­en­land fort­set­zen zu kön­nen. Hin­zu kommt der Struk­tur­wan­del – aus­ge­hend von den Fest­le­gun­gen des Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes und des Struk­tur­stär­kungs­ge­set­zes – mit sei­nen Inter­fe­ren­zen zur Braun­koh­le­sa­nie­rung.

(Fotos: LMBV/Claudia Her­mann)

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