Braunkohle sichert weiterhin heimisches Energiesystem ab – Schnelles Handeln in der Energiepolitik gefordert
Köln/Senftenberg. Am 28. Mai 2026 trafen sich in Köln Vertreter aller Mitgliedsunternehmen des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins e. V. (DEBRIV) zu ihrer Jahrestagung. Der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. setzt sich als Wirtschaftsverband für die Interessen der Unternehmen der deutschen Braunkohleindustrie ein. Er fördert die technischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der Branche. Die LMBV ist seit Anfang der 90er Jahre Mitglied des Vereins. Mit Blick auf den gesetzlich beschlossenen Ausstieg aus der Kohleverstromung Ende 2038 arbeitet der DEBRIV gemeinsam mit seinen Mitgliedern daran, die Transformation der Braunkohleindustrie, den Strukturwandel in den Revieren und die Energiezukunft Deutschlands aktiv mitzugestalten.
Am 29. Mai 2026 fanden Befahrungen im rheinischen Revier statt. Im Mittelpunkt des Interesses stand die zu errichtende Rheinwasser-Transportleitung (RWTL) und die die Tagebauführung im Tagebau Hambach. Die Führungskräfte der LMBV interessierten sich vor allem für die fachlichen Planungen und die künftige Ausgestaltung der Wasserzuführung aus dem Rhein. Ausgehend vom Aussichtpunkt terra:nova in Elsdorf wurde die Baustelle für das künftige Einlaufbauwerk am Tagebaurand angefahren. Von der Sophienhöhe gab es einen guten Einblick in die Rekultivierungsarbeiten im Tagebau Hambach.
Auch die Standorte von Solarfeldern im Tagebau als auch die Baustelle eines großen Batteriespeichers wurden angefahren. Deutlich sichtbar waren auch im weiteren Verlauf der Befahrung die Vorschüttungen unterhalb der Kante zum Hambacher Forst als auch die Arbeitsfläche des Schaufelradbaggers 290 zur Ausgestaltung des künftigen Manheimer Hafens. 2030 soll nach dem jetzt geplanten Ende der Kohlegewinnung der Start der Befüllung des Hambacher Sees erfolgen. Nach zehn Jahren werden bereits 1.300 Hektar Seefläche vom Wasser bedeckt sein. Der Zielwasserspiegel könnte dann nach rd. 40 Jahren erreicht werden. Dazu werden zwei Rohrstränge mit DIN 1.400 für die Hambach-Leitung, deren Teillänge bei 18.900 Meter liegt, verlegt.
Für die RWTL werden insgesamt mehr als 10.000 Stahlrohre auf einer Gesamtlänge von 45 Kilometer verbaut werden. Besonders die beschichteten Rohre mit einem Durchmesser von 2,20 Meter für die 21,8‑Kilometer lange Bündelungsleitung bei einem Einzelgewicht von etwa 15.000 kg werden von RWE derzeit aus Algerien und der Türkei beschafft. An einem Lagerstandort am vormaligen Kraftwerk Neurath konnten sich die Teilnehmer der Befahrung davon einen ersten Eindruck verschaffen.
Höhepunkt der Veranstaltung am 28. Mai war eine Paneldiskussion zur Lage der deutschen Wirtschaft mit dem DEBRIV-Vorstandsvorsitzenden Jörg Waniek, dem IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis sowie Professor Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit Blick auf das Zusammenspiel von energieintensiver Industrie und Energieerzeugung betonte Vassiliadis: „Die energieintensive Industrie geht dorthin, wo Strom billig ist – die Chemie macht es längst vor. Das ist eine bedenkliche Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und industrielle Arbeitsplätze. Früher oder später trifft das auch Stromproduzenten. Hier braucht es ein massives Gegensteuern der Politik.“
Haucap unterstrich, dass Deutschland insgesamt deutlich wettbewerbsfähiger werden müsse. In der Energiewirtschaft seien stärkere marktwirtschaftliche Elemente erforderlich. Es könne nicht sein, dass Deutschland Stromexporte infolge negativer Preise teuer bezahle. „Reformen sind nicht immer angenehm und erscheinen kurzfristig unattraktiv. Für den langfristigen Erhalt unseres Wohlstands sind sie jedoch unabdingbar“, so Haucap.
Auch die Braunkohleindustrie, die sich derzeit im Wandel befindet, spürt diesen Handlungsdruck. Waniek wies in der Diskussion daraufhin, dass auch bei einer möglichst erneuerbaren Energieversorgung noch immer gesicherte Leistungen notwendig seien, um das System im Bedarfsfall zu stabilisieren. „Noch leistet die Braunkohle maßgeblich diesen Beitrag. Deshalb brauchen wir zügig klare Leitplanken für neue gesicherte Kapazitäten – von Speichern bis hin zu Kraftwerken. Die Braunkohleindustrie wird auch künftig Verantwortung übernehmen, auch über das Ende der Braunkohleverstromung hinaus“.
Der Industriestandort Deutschland stehe weiterhin vor anhaltenden energiepolitischen Herausforderungen. Geopolitische Verschiebungen, wachsende globale Energiebedarfe und der zunehmende Wettbewerbsdruck erfordern mehr Unabhängigkeit bei Sicherheit, Energie und Märkten sowie neue Bündnisse und Partnerschaften. Vor diesem Hintergrund erörterte der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein gemeinsam mit seinen Gästen auf dem diesjährigen Braunkohlentag in Köln mögliche Handlungsfelder für Deutschland. Der Bundesverband Braunkohle fordert ein zügiges Handeln von Politik und Wirtschaft, um die Energieversorgung im Zuge der Energiewende stabil, bezahlbar und wettbewerbsfähig zu sichern.
In den Vorträgen und Panels wurde neben der Energieversorgung auch die strategische Bedeutung von Rohstoffen für die Energiewende und die technologische Souveränität Europas hervorgehoben. Insbesondere in Sachen Aufbereitung von Rohstoffen ist Deutschland hier im internationalen Vergleich abgehängt. Zur Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen braucht es eine Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz heimischer Rohstoffgewinnung sowie die Ausbildung von qualifiziertem Personal. Die Branche ist hier von der Schwäche im Zulauf der MINT-Fächer betroffen. Bergbau müsse als Branche verstanden werden, die die Zukunft sichert. (UST)
Über den Braunkohlentag: Der Braunkohlentag ist die Jahreskonferenz des DEBRIV, dem Bundesverband der Braunkohleindustrie. Sie dient als zentrales Forum und eine wichtige Austauschplattform rund aktuellen energie- und umweltpolitische Themen. Weitere Informationen Sie unter: https://debriv.de/medien-publikationen/veranstaltungen/
Fotos: LMBV / Dr. Uwe Steinhuber





