LMBV: Chorauftritt im Turm erinnerte an Ende des Steinkohlenbergbaus in Sachsen

Turm des Martin-Hoop-Schachts IV in Zwickau wartet noch auf eine zweite Chance - Kunst am benachbarten Bau

Zwickau. Einst war der Förderturm Teil des Bergmannslebens: Vierzig Jahre nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus in Sachsen kehrten Zwickauer Kumpel kürzlich für ein Konzert zurück.

Mit seinem Auftritt hat der Zwickauer Knappenchor an das Ende des sächsischen Steinkohlenbergbaus in Zwickau erinnert. An 29. September vor vier Jahrzehnten beförderten die Kumpel des Martin-Hoop-Schachts IV den letzten Hunt Steinkohle zu Tage. In vollem Berghabit kehrten rund 30 Sänger kurz vor dem Jubiläum an ihre einstige Wirkungsstätte zurück, um im einstigen Förderturm des Schachts eine Kostprobe ihres Könnens zu geben. Die Idee dazu hatte Helmar Sittner, Projektmanager vom Bereich Sali-Spat-Erz der LMBV. Die LMBV ist nach wie vor noch Eigentümerin des Turms.

„Das ist ein unwiederbringlicher Zeitzeuge, den wir damit wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken wollen“, sagte Sittner der Deutschen Presse-Agentur. Das denkmalgeschützte Gebäude stehe seit langem zum Verkauf, bislang sei aber noch keine Nachnutzung in Sicht. Der Chorauftritt sei als eine Art Probelauf für derartige Veranstaltungen zu verstehen. Man sei dabei zu überlegen, wie man das Gelände im Hinblick auf das Jahr der Industriekultur 2020 wieder an einzelnen Tagen öffentlich zugänglich machen könne. „Das war der letzte Steinkohlenschacht Ostdeutschlands, damit endete dieses Kapitel in der DDR. Das dürfen wir nicht verfallen lassen“, so Sittner, der sich auch privat für die Bergbautradition im Heimatverein Reinsdorf engagiert, einer Nachbargemeinde Zwickaus.

Neben dem „Kaiserin-Augusta-Schacht“, später in „Karl-Liebknecht-Schacht“ umbenannt, in dem heute das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge untergebracht ist, galt der Zwickauer Martin-Hoop-Schacht als eine der größten und bedeutendsten Anlagen ihrer Art in der gesamten DDR. Erst Mitte des September 2018 wurde ein zweiter unmittelbar nebenan stehender Förderturm IV a zum Kunstwerk. Ein mehr als 30 Meter hohes Wandbild in Schwarz und Weiß prangt nun weithin sichtbar auf einer der Außenwände.

Für die Sänger des Knappenchors sei es ein ergreifendes Gefühl gewesen, vierzig Jahre später wieder im Schachtgebäude zu singen. Dem ein oder anderen ehemaligen Bergmann hätten sogar Tränen in den Augen gestanden, bestätigten Beteiligte. „Ich war von dem bewegenden Auftritt und der grandiosen Akustik so fasziniert, dass ich das Fotografieren fast vernachlässigt habe“, so Helmar Sittner. Angesichts der immer älter werdenden Kumpel sei es umso wichtiger, die Bedeutung der Bergbautradition in die nächste Generation weiterzutragen. Das Zwickauer Revier gehört zu den ältesten Steinkohlenrevieren Deutschlands. Vom 10. Jahrhundert bis zur Einstellung der Förderung am 29. September 1978 seien rund 230 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert worden.

Fotos von  H. Sittner / KSE: Chorprobe am 25.09.2018 - Kunstaktion vom benachbarten Martin-Hoop-Schacht IV a, die auch Aufmerksamkeit erregt hat (vorher, nachher)

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