NABU-Stiftung: Biomonitoring in der Bergbaufolgelandschaft Naturparadies Grünhaus

Mehr als Kreuzkröte, Wolf und Kranich: Naturparadies Grünhaus - NABU-Stiftungs-Tätigkeitsbericht 2014/15 erschienen

Massen/Lichterfeld. Das Naturparadies Grünhaus ist ein Gebiet von fast 2.000 Hektar Fläche, das die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in den Jahren 2003 bis 2006 in ehemaligen Braunkohlentagebauen zwischen Lauchhammer und Finsterwalde erworben hat, um hier eine ungestörte Naturentwicklung zu ermöglichen.

Hinter dem Begriff Biomonitoring verbirgt sich die periodische, stichprobenhafte Erfassung der Tier- und Pflanzenarten, womit wissenschaftlich und naturschutzfachlich wichtige Erkenntnisse über die Rückkehr der Natur in die Bergbaufolgelandschaft gewonnen werden. Das Biomonitoring findet in Grünhaus seit 2006 in Regie der NABU-Stiftung statt. Methodische Grundlagen lieferte das Finsterwalder Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e. V. (FIB) im Rahmen eines DBU-Projektes. Das Biomonitoring gliedert sich in einen haupt- und ehrenamtlichen Teil. Aufgaben wie die Organisation und Dokumentation nimmt das Projektbüro Grünhaus der NABU-Stiftung hauptamtlich wahr. Im Projektbüro Grünhaus wurde das Biomonitoring von Dr. Stefan Röhrscheid und Sandra Stahmann hauptamtlich betreut. Henrike Röhrscheid und viele Naturbegeisterte unterstützten dabei ehrenamtlich. Insgesamt engagierten sich damit im Jahr 2014 dreißig Personen ehrenamtlich beim Biomonitoring im Naturparadies Grünhaus, davon 24 als Kartierer.

Im Jahr 2014 fertigte Ronja Keidel an der Fakultät für Umweltwissenschaften der TU Dresden im Studiengang „Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement“ eine Masterarbeit mit dem Thema „Biogene Kohlenstoffsequestrierung in Sukzessionsflächen. Ermittlung von Kohlenstoffsequestrierungsraten in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft“. In der Arbeit geht es im Zusammenhang mit dem Klimawandel um die Frage, welchen Beitrag die Vegetation der Bergbaufolgelandschaft für die Bindung von atmosphärischen Kohlenstoff leisten kann. Die NABU-Stiftung unterstützte die Studentin.

An wichtigen Ergebnissen kann festgehalten werden:

  • Bisher sind zehn Amphibienarten im Gebiet nachgewiesen, von denen sich wahrscheinlich bereits neun fortpflanzen. Über das ganze Gebiet verbreitet sind drei Arten, nämlich Kreuzkröte, Wasser-/Teichfrosch und Knoblauchkröte. In mehreren großen Teilgebieten kommen Moorfrosch, Laubfrosch, Erdkröte und Teichmolch vor. Punktuelle Ausnahmeerscheinungen sind bisher Kammmolch und Grasfrosch sowie als zu vernachlässigende Einzelnachweise die Rotbauchunke.
  • Artenreiche Gebietsteile sind die Hochkippe und Tieflage Grünhaus, die Mastkippe und das Mainzer Land. Diese Bereiche haben eine längere Entwicklungszeit (25 Jahre) zu verbuchen und sind in größeren Teilen rekultiviert. Sie zeichnen sich durch große Habitatvielfalt infolge ihres vielfältigen Standortmosaiks aus. Innenkippe und Nordrandschlauch sind max. 15 Jahre in Entwicklung und kaum aktiv rekultiviert. In großen Teilen handelt es sich um Pionierstandorte.
  • Die kleineren Gewässer sind zwar hinsichtlich der Wasserfläche relativ unbedeutend, aber zahlreicher sowie von günstigem pH-Wert. Sie stellen die wichtigste Säule für die Verbreitung von Amphibien dar. Dies gilt auch für die größeren Gewässer der Mastkippe, des Mainzer Land und der Tieflage Grünhaus. Hier wird in Zukunft zu prüfen sein, ob und in welchem Umfang eine Versauerung stattfindet und welchen Effekt dies auf die Amphibienfauna hat. Die wenigen großen und sehr großen Gewässer sind extrem sauer. Sie haben hohen Stellenwert als Rastgewässer für die Vogelwelt, sind für die Amphibienfauna dagegen von untergeordneter Bedeutung. Genau untersucht werden konnte hier bisher allerdings nur die Seeteichsenke, die bisher durch artenarme Verhältnisse gekennzeichnet ist.
  • Bei der naturschutzgerechte Bergbausanierung sollten bestehende Handlungsspielräume - vor allem in der Innenkippe - genutzt werden, um den Bestand an niederschlagsgespeisten Kleingewässern zu halten bzw. zu steigern. Weiterhin sollte geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, die günstige Wasserqualität der Gewässer in Mastkippe, Mainzer Land und Tieflage vor den Einflüssen sauren Grundwasserzustroms zu schützen.
  • Auch der Wolf kommt im Naturparadies Grünhaus vor: Eine erste Darstellung zum Vorkommen des Wolfes in Grünhaus erfolgte im Tätigkeitsbericht 2013. Dort wurde von den ersten C1-Nachweisen zweier Wölfe im September 2013 durch C. Eiser berichtet. Ein C2-Nachweis von drei Wölfen gelang mit der Dokumentation einer über mehrere hundert Meter gut erkennbaren Fährte dreier Caniden auf unbewachsenen Sandboden im März 2014. Vom Landesumweltamt wird es seitdem als Rudel „Grünhaus“ geführt. Für die Wolfsjahre 2014/2015 und besonders für das noch laufende Wolfsjahr 2015/2016 gibt es zahlreiche aussagekräftige Belege für die Bestätigung dieser Annahme, unter anderem durch das Foto eines rund acht Wochen alten Wolfswelpen vom Juni 2015.
  • Zur Erfassung der Kranichrast in der Region um das Naturparadies Grünhaus wurden im Zeitraum von August bis Dezember 2014 an den etablierten Kranich-Schlafplätzen Schlafplatzzählungen durchgeführt. Die höchsten Individuenzahlen pro Schlafplatz wurden mit etwa 1850 bis 1910 Kranichen wie erwartet am bereits seit über 30 Jahren etablierten Schlafplatz Grünhaus erreicht. Danach folgten die Flachgewässer in der Seeteichsenke mit 1.000 und in der Innenkippe-Nord mit 589 Individuen. Erfreulicherweise wurde der neu entstandene See in der Schwarzen Keute bereits als Schlafgewässer sowohl von Kranichen als auch von Gänsen angenommen. Hier wurden im Herbst 2014 bereits bis zu 400 Kraniche und bis zu 3.000 Saat- und Blässgänse beobachtet. Das Rastmaximum wurde in unserer Region am Zählwochenende 18./19. Oktober 2014 erreicht. An diesem Termin wurden bei Simultanzählungen (samstagabends bzw. sonntagmorgens) an vier Schlafplätzen (Grünhaus, Innenkippe-Nord, Plessa, Torfstich Sorno) insgesamt 2.314 Kraniche gezählt bzw. an sechs Schlafplätzen über das ganze Zähl-Wochenende verteilt insgesamt 2.614 Kraniche.
  • Nachweis des Habichtskrautspinners: Am 20.10.14 gelang Dirk Donner der Nachweis der seltenen Falter-Art Lemonia dumi im Naturparadies Grünhaus. Dieser Falter gehört zur Familie der Herbstspinner von denen in Mitteleuropa nur zwei seltene Arten vorkommen (Bellmann 2003). Lemonia dumi, auch als Herbstspinner oder Habichtskrautspinner bezeichnet, gilt in Deutschland als stark gefährdet (RL-D: 2), in Brandenburg sogar als vom Aussterben bedroht.
  • Ein weiteres Highlight war der erstmals dokumentierte Nachweis der in Deutschland sehr seltenen Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) im Naturparadies Grünhaus im Rahmen des Libellenmonitorings durch Mathias Krüger. Diese Rote-Liste-Art gilt sowohl in Deutschland als auch in Brandenburg als stark gefährdet. Sie gehört zu der Familie der Segellibellen. Es handelt sich um eine wärmeliebende Art, die an temporären, also nur zeitweilig Wasser führenden Gewässern, auftritt. Ihr Lebensraum sind Verlandungszonen von Stillgewässern und Sumpfwiesen.

Alle Aussagen aus: "Biomonitoring im Naturparadies Grünhaus - Tätigkeitsbericht 2014/15" © 2015, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe

Kontakt: NABU-Stiftung Nationales Naturerbe Projektbüro Grünhaus Finsterwalder Str. 21 03238 Massen – Niederlausitz Tel. 03531-609611 Fax. 03531-609612 Stefan.Röhrscheid@NABU.de

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