Güte von Bergbaufolgeseen der LMBV

Die Mehrzahl der Bergbaufolgeseen der Lausitz befindet sich gegenwärtig noch in der Herstellung. Dazu zählt neben der abschließenden Böschungssicherung und Gestaltung, der aktiven Flutung (durch Zuführung von Fremdwasser aus der Vorflut) bzw. passiven Flutung (Eigenaufgang durch Grundwasserwiederanstieg) auch die Erreichung einer den wasserwirtschaftlichen Anforderungen entsprechenden Gewässergüte. Im Zuge der Flutung verfügen einige der Lausitzer Bergbaufolgeseen noch über saures Wasser.*

Vor Beginn der Ausleitung von Überschusswasser mit Abschluss der Flutung wird durch verschiedene technische Maßnahmen, wie z. B. Inlake-Neutralisation, die Gewässergüte entsprechend der wasserwirtschaftlichen Anforderungen eingestellt. Das ist in der Regel ein pH-Wert >6 und eine Eisenkonzentration <3 mg/l. Die notwendigen Maßnahmen sind im Flutungskonzept der LMBV integriert, welches sich gegenwärtig in einer Fortschreibung befindet.

Über den Verlauf der Flutung und die Entwicklung der Gewässergüte führt die LMBV auf der Grundlage der jeweiligen bergrechtlichen bzw. wasserrechtlichen Genehmigung ein engmaschiges Monitoringprogramm und übergibt die Werte den zuständigen Fachbehörden der Länder, die den Prozess intensiv begleiten.

*13 Seen haben schon eine gute Qualität. Neun weitere sind noch stark sauer, 5 sauer, drei leicht sauer (zusammen. 17 / Stand 12/2012)

Aufteilung Lausitzer Bergbaufolgeseen nach ihrem Säuregehalt

Acidität im Ende 2012
  stark sauer sauer schwach sauer nicht sauer
KB 4,3 [mmol/l] > 3 1...3 0...1 < 0
Brandenburg 4 3 3 6
Ostsachsen 5 2 0 7
LMBV gesamt 9 5 3 13

Erläuterung der verwendeten Begrifflichkeiten:

  • Der pH-Wert ist ein Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung und reflektiert die Protonenkonzentration.
  • Die Acidität bezeichnet das Säurepotential einer Lösung, also ihr Vermögen, die Zugabe einer Base (eines Neutralisationsmittels) zu puffern. Im Falle bergbaubeeinflusster Wässer haben hierfür neben der Protonenkonzentration auch die Konzentrationen von gelösten Metallionen (v.a. Eisen und Aluminium) eine entscheidende Bedeutung. Für die Alkalinität (Puffervermögen gegenüber Säure) spielt zusätzlich der gelöste anorganische Kohlenstoff eine Rolle.
  • Die Acidität wird durch den KB-Wert dargestellt. Dieser weist die verbrauchte Basenmenge bis zur Einstellung eines bestimmten pH-Wertes (üblicherweise 4,3, 7,0 und 8,2) aus und wird als Basen(puffer)kapazität bis zu diesem pH-Wert bezeichnet. Analog gilt dies für die Säure(puffer)kapazität (KS-Wert), die wiederum auch als Alkalinität bezeichnet wird. Die Alkalinität kann als negative Acidität interpretiert werden (KS(4,3) = - KB(4,3)).

Algen, Bakterien, Krebse und Wasserflöhe leben auch in sauren Seen

Die Annahme, dass die in Flutung befindlichen Tagebaugruben biologisch tot seien, sei nicht zutreffend, erklärte Prof. Brigitte Nixdorf, Leiterin des Lehrstuhls Gewässerschutz an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) im März 2013 auf einer Tagung. Es gäbe eine ganze Menge an Kleinstlebewesen sowie höhere Pflanzen- und Tierarten, die mit dem sauren Wasser gut klarkämen, stellte die Wissenschaftlerin klar. Natürlich dürften Fische nicht als der einzige Maßstab genommen werden. Denn diese bräuchten, wollten sie sich fortpflanzen, einen pH-Wert von mindestens fünf. Doch selbst bei niedrigeren Werten kämen Fische in den Bergbaufolgeseen bereits vor. Als säureresistent gelten Arten wie der Flussbarsch, der Hecht und die Rotfeder. Als Leitbildart für Tagebaugewässer werde die Maräne vorrangig eingesetzt.

Nur bis zu drei Millimeter große Rädertierchen, winzige Krebse und Wasserflöhe seien noch bei einem pH-Wert von eins nachgewiesen worden, so Prof. Nixdorf. Ähnlich auch Bakterien: bis zu zwei Millionen seien pro Milliliter da, schätzt Nixdorf. Zum Vergleich: In normalen, weitestgehend pH-neutralen Gewässern kämen rund zwei bis zehn Millionen Bakterien je Milliliter Wasser vor. Darüber hinaus scheinen sich auch verschiedene Algenarten im extrem sauren Milieu wohlzufühlen. Mancherorts gebe es am Grund der Bergbaufolgeseen regelrechte Algenteppiche. Diese forcieren die weitere Entwicklung des Lebens im Wasser mit, so Brigitte Nixdorf.

Auch Schilf- und Röhricht-Arten wachsen an den Ufern noch saurer Gewässer. So existiert beispielsweise neben dem Geierswalder Badestrand schon ein entsprechender Schilfgürtel. Dabei komme es weniger auf die Wasserqualität als vielmehr auf das Bodensubstrat an, sagte die Wissenschaftlerin. „Langfristig gesehen würden die gefluteten Tagebaue biologisch reifen. Das heißt, dass sich nach und nach immer höherwertigere Lebensformen einstellen.“ Dieser Prozess könne sehr lange andauern. Wie lange genau, sei nicht sicher vorhersagbar. Jeder See habe seine eigene Prognose, erklärte Brigitte Nixdorf während einer Jahrestagung der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz in Knappenrode.

Quelle: Artikel von Torsten Richter „Tiere leben auch in sauren Seen“ auf Seite 11 in Lausitzer Rundschau Ausgabe Hoyerswerda vom 18.03.2013

Auswahl von Lausitzer Bergbaufolgeseen, sortiert nach dem pH-Wert (Momentaufnahmen vom Jahresende 2012)

Beispiele: KB 4,3 [mmol/l] pH
Sauer:
Brandenburg 1. RL 14/15 Schlabendorfer See 8,00 2,90
2. RL 131 S Kleinleipischer See 7,80 2,74
3. RL 131-N Heidesee 4,50 2,95
4. RL Skado Partwitzer See 3,70 2,81
Ostsachsen 1. RL NS Blunoer Südsee 8,25 2,67
2. RL Lugteich Lugteich 7,70 2,61
3. RL NRS Sabrodter See 5,55 2,71
4. RL Bluno Neuwieser See 4,45 2,78
5. RL Südostschl. Bergener See 4,30 2,90
Neutral:
Brandenburg 1. RL 4 Schönfelder See -3,10 8,32
2. RL Greifenhain Altdöberner See -1,80 7,58
3. RL 24 Kahnsdorfer See -1,80 7,48
4. RL 23 Bischdorfer See -0,54 6,98
5. RL Gräbendorf Gräbendorfer See -0,32 7,55
6. RL F Lichtenauer See -0,20 6,82
Ostsachsen 1. RL D/F Graureihersee -4,04 7,72
2. RL Berzdorf Berzdorfer See -1,34 7,60
3. SB Dreiweibern Dreiweiberner See -0,72 7,45
4. SB Bärwalde Bärwalder See -0,24 7,13
5. RL Kortitzmühle Kortitzmühler See -0,18 6,59
6. RL Burghammer Bernsteinsee -0,14 6,38
7. RL Scheibe Scheibe-See -0,05 4,32

Stand: 03/2013