LMBV-Sicherungsprogramm für Nachterstedter Schadensbereich in Vorbereitung – Infoveranstaltung für betroffene Nachterstedter geplant

Senftenberg/Nachterstedt. Für die betroffenen Einwohner von Nachterstedt, insbesondere die Anwohner am Schadensgebiet der Böschungsbewegung ist für April dieses Jahres eine Informationsveranstaltung vorgesehen. Dabei soll auch das an der Böschung des Concordia Sees durch die LMBV geplante „Sicherungsprogramm für den gesperrten Schadensbereich“ vorgestellt werden. Die temporäre Sperrung des Concordia Sees und der umliegenden Halden für öffentliches Betreten muss aufrechterhalten werden.

Zentrales Element der in Planung befindlichen Sicherungsmaßnahmen ist die Beherrschung der Situation im und um den Bereich der Böschungsbewegung mit der bis zu rd. 30 Meter hohen Steilböschung aus Haldenmaterial, die den Rutschungskessel nach Süden hin zur Siedlung „Am Ring“ abschließt. Die Sicherungsmaßnahmen sind notwendig, um die geplanten Erkundungsarbeiten sowohl zur Suche nach den Vermissten als auch zur weiteren Ursachenermittlung der Böschungsbewegung vom 18.07.2009 ohne Gefahren für Mensch und Technik durchführen zu können und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen vorzubereiten. Es ist vorgesehen, das Sicherungskonzept Anfang April 2010 beim zuständigen Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) in Halle vorzustellen und zu erörtern.

Fortschritte konnten weiterhin in Vorbereitung der Arbeiten zur Sicherung der Böschungen und Halden durch eine Liegendwasserentspannung erzielt werden. Im Südosten des Concordia Sees nahe der Ortslage Nachterstedt sind bereits zwei Brunnen sowie weitere Grundwassermessstellen in den zurückliegenden Monaten November und Dezember 2009 abgeteuft und in Betrieb genommen worden. Diese Brunnen fördern seither kontinuierlich und zuverlässig Wasser aus den Liegendgrundwasserleitern. Der harte und lange Winter erschwerte die weiteren notwendigen Bohrarbeiten. In der vorigen Woche konnte der Bohrbetrieb an zwei weiteren Brunnenstandorten im südöstlich an den Concordia Sees angrenzenden Bereich wieder aufgenommen werden. Für weitere drei Brunnen im Osten des Concordia Sees an der Halde 3 Nachterstedt sind die umfangreichen Planungen abgeschlossen, die entsprechenden Antragsunterlagen werden dem LAGB in Kürze zur Prüfung und Zulassung eingereicht.

Auch die Arbeiten zur Ermittlung der Ursachen für die Böschungsbewegung in Nachterstedt gehen unvermindert weiter. Mit vielfältigen Maßnahmen und hoher Intensität untersucht die LMBV gemeinsam mit Gutachtern und Fachspezialisten der Geologie, Hydrologie, Geotechnik die komplizierte vorgefundene Situation. Nach über 150 Jahren Bergbau sind die geologischen Strukturen insbesondere im Umfeld des Concordia Sees durch den untertage und übertage betriebenen Bergbau stark verändert worden. Das nach dem Unglück am Schadensbereich installierte Seismometer-System zur Überwachung eventueller Erdbewegungen und Bodenerschütterungen im Sperrbereich und im Hinterland der Böschungen reagiert weiterhin zuverlässig; auch weit entfernte Ereignisse in Haiti, Chile und der Türkei wurden vor Ort in Nachterstedt registriert. Nach Ende des Frostes werden durch die Fachleute weitere durch Spannungsänderungen hervorgerufene Veränderungen an der Steilböschung erwartet.

Im Rahmen eines umfangreichen Erkundungsprogrammes werden in den nächsten Wochen an ausgewählten Punkten weitere Bohrungen durch von der LMBV beauftragte Fachfirmen niedergebracht. Damit sollen zusätzliche Kenntnisse über Zusammensetzung und Aufbau der Bodenschichten im Umfeld des Schadensgebietes erlangt werden. Jede dieser geplanten Bohrungen wird dem zuständigen Bergamt zur Prüfung und Zulassung vorgelegt. Weiterhin müssen zu jedem Standort mit den Eigentümern der Grundstücke Verhandlungen zur Nutzung Ihrer Grundstücke geführt werden. Erst nach Vorliegen dieser Einwilligungen kann mit den jeweiligen Bohrungen begonnen werden.

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