LMBV für 2003 gut gerüstet - Weiter Arbeit für Tausende Menschen in der Bergbausanierung

3⁄4 der Aufgaben erledigt - Neuorganisation in der LMBV greift im Jahr 2003

Berlin. Vor fast genau zehn Jahren, im Dezember 1992, haben der Bund und die Braunkohleländer das Gemeinschaftswerk Braunkohlesanierung aus der Taufe gehoben. "6,7 Mrd. Euro wurden bisher in die Wiedernutzbarmachung und Revitalisierung der rund 100.000 ha bergbaulich beanspruchter Flächen investiert. Eine zukunftsorientierte, gute Investition. Fast drei Viertel unserer Aufgaben sind inzwischen erfüllt" resümiert der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu, zum Jahresende."Besonders wichtig war für die LMBV und die Menschen in den betroffenen Region der Abschluss des III. Verwaltungsabkommens zur Finanzierung der Braunkohlesanierung für den Zeitraum 2003 bis 2007. Der Bund und die Braunkohleländer stellen damit für die nächsten fünf Jahre eine stolze Summe von rund 1,8 Mrd. Euro zur Verfügung. Dieses bereits rechtskräftig gewordene Abkommen sichert, dass die Arbeiten im geplant hohen Tempo und Qualität vorangebracht werden kann. Die Gesamtbeschäftigungswirkung im Jahr 2003 wird sich auf rund 7.000 Arbeitnehmer belaufen. Dieses Abkommen mit seinem beachtlichen Finanzvolumen drückt auch das starke Vertrauen der Finanziers in die Arbeit der LMBV aus. Dies ist um so mehr von Bedeutung, wenn man sich die derzeitige wirtschaftliche Situation im Land vor Augen hält", betont Kuyumcu.Pressesprecher Uwe Steinhuber weiter: "Damit hat das Unternehmen LMBV auch größere Planungssicherheit. Mit den sich verändernden Arbeitsinhalten geht eine bereits im Jahr 2002 eingeleitete Neuorganisation des Unternehmens einher. Technische und kaufmännische Kompetenzen werden gebündelt. Von den gegenwärtig rund 1.000 Bergleuten und Ingenieuren werden zum Jahresbeginn etwa unter 900 noch eine Beschäftigung im Unternehmen haben. Im Jahresdurchschnitt wird der Personalbestand in dem bundeseignen Unternehmen weiter auf rund 840 Mitarbeiter sinken. Die LMBV-Ausbildung wird auch 2003 auf hohem Niveau fortgesetzt. Derzeit lernen 325 Jugendliche in der LMBV, 50 neue Auszubildende werden im Jahr 2003 eingestellt werden. Damit konnten seit Beginn der Ausbildung in der LMBV insgesamt mehr als 1.700 Jugendliche eine Berufsaubildung erhalten", so Steinhuber.

Zum Sanierungsstand im Lausitzer Revier
In Berzdorf (Oberlausitz) hat die LMBV ihre Arbeiten zur langfristigen Sicherung der Böschungen mit Massenbewegung planmäßig fortgesetzt, so dass sie Ende des nächsten Jahres abgeschlossen werden. Nach Erhalt des Planfeststellungsbescheides Mitte Februar hat die LMBV im Folgezeitraum die baulichen Anlagen zur Flutung des Berzdorfer Sees aus der Pließnitz fertiggestellt. Der "Wasser-Marsch-Befehl" wurde feierlich am 1. November ausgesprochen. Rund tausend Bürgerinnen und Bürger haben der Geburt eines neuen Sees unmittelbar vor den Toren der kulturhistorisch und touristisch attraktiven Stadt Görlitz beigewohnt; eines Sees, der künftig nahezu 1.000 ha groß sein wird. Etwa 15 Mio. m³ Wasser pro Jahr werden so aus der Pließnitz herangezogen. Der Bau der Flutungsanlage zur Einleitung des Neißewassers wird im März des nächsten Jahres abgeschlossen, so dass ab April 2003 jährlich weitere 80 Mio. m³ Wasser in den Berzdorfer See zugeführt werden können.

Neißewasser kommt
Als einen weiteren erfreulichen Projektfortschritt ist die Erteilung des Planfeststellungsbescheides zur Neißewasserüberleitung in die Lausitzer Seenkette zu vermerken. Das Regierungspräsidium Dresden hat diesen Bescheid Anfang Dezember übergeben. Nunmehr kann die LMBV nach langen Erörterungen des Vorhabens in der deutsch-polnischen Grenzgewässerkommission die erforderlichen Baumaßnahmen ausschreiben, so dass mit deren Umsetzung Mitte 2003 begonnen und das Projekt Ende 2004 abgeschlossen werden kann. Damit wird der Plan Wirklichkeit, Neißewasser am Steinbach zu entnehmen, es über Rohrleitungen zur Weißen Schöps zuzuführen, von dort in die Spree und danach über eine Pumpstation in Spreewitz in den oberen Landgraben zufließen zu lassen. Ein Wasserweg von über 50 km Länge.
Vom oberen Landgraben wird es schließlich als Flutungswasser in den Spreetal-Nordost sowie über Stichleitungen und Kanäle in die diversen Restlöcher der Lausitzer Seenkette bis nach Brandenburg zugeleitet. Im ersten Ansatz rund 17 Mio. m³ Wasser pro Jahr, mit der begründeten Erwartung, diese Menge nach kurzer Erfahrungsperiode aufzustocken. Besonders hervorzuheben ist von wasserwirtschaftlichen Projekten die Inbetriebnahme der Flutungsanlage Schwarze Elster-Bluno am 22. März diesen Jahres. Auch dieser wichtiger Baustein im Flutungsgeschehen in der Lausitz fand einen guten Zuspruch bei den Menschen in der Region.
Ein bedeutsames Ereignis war ferner der erste Spatenstich zum Bau einer schiffbaren Verbindung zwischen den Tagebauseen Skado-Koschen am 22. November. Dies ist die erste von mehreren angedachten Verbindungen für die Lausitzer Seenkette, die sich von Freistaat Sachsen nach Brandenburg erstreckt. Die schiffbare Gestaltung dieser Verbindungen erfolgt mit Landesmitteln.
Die touristische Bedeutung dieser Maßnahmen, mit denen im Raum Senftenberg, Hoyerswerda und Spremberg eine neue Landschaft mit rund 7.000 ha Wasserflächen neu gestaltet wird, ist bereits heute zu erahnen.
"Schließlich ist die Inbetriebnahme des Überleiters von der Schwarzen Elster zum Restloch 28/29 am 2. September diesen Jahres zu erwähnen", so Steinhuber weiter, "mit dem die Flutung des Bergheider Sees deutlich beschleunigt wird. Diese Vollzugsmeldungen und die Projektfortschritte veranschaulichen, dass die bergmännische Grundsanierung inzwischen weit vorangetrieben wurde und die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen bereits heute im Mittelpunkt stehen", unterstreicht Presssprecher Uwe Steinhuber. Er betont weiter: "Sicherungsarbeiten mit Großgeräteeinsatz laufen noch in den Tagebauen Meuro und Klettwitz. Die Verfüllung des Südrandschlauchs Meuro mit insgesamt 42 Mio. m³ Massen wurde in diesem Jahr nunmehr vollendet. Die restlichen Arbeiten mit Massenbewegung sollen 2003/2004 abgeschlossen werden. In diesem Jahr haben wir auch die Maßnahmen zur Böschungsverdichtung an den Restlöchern Greifenhain und Gräbendorf sowie in Sedlitz, Skado und Koschen fortgesetzt."
Last but not least bedeutsam war auch für die Menschen in der Braunkohleregion der Beginn der Arbeiten zur Ortsumfahrung Senftenberg an der B 169 am 11. September 2002; eingeleitet mit dem Start eines Rüttlers durch Brandenburgs Verkehrsminister Meyer. Die vorwiegend über Bergbaugelände führende Trasse mit einer Gesamtlänge von 10,5 km verläuft 8,9 km auf gekippten Böden. Auch die Sanierung an der Teerdeponie Terpe/Zerre konnte in diesem Jahr auf das Planniveau gehoben werden und stabil fortgesetzt werden. Ferner wurden umfangreiche Maßnahmen zur Verminderung der Geruchsemission und Staubeeinträchtigung eingeleitet.
Auch in diesem Jahr hat die LMBV bedeutsame Projekte im Auftrag des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg realisiert. Stellvertretend für diese seien hier nur die planmäßige Fortsetzung der Gefahrenabwehrmaßnahmen zum Grundwasserwiederanstieg in Hoyerswerda erwähnt. Die Horizontalfilterbrunnenanlage werden voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres in Betrieb genommen.

Neuerschließungen von Altindustriestandorten zu modernen Industrieparks
Die von der LMBV sanierten Flächen wurden und werden in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Kommunen wieder in den Wirtschafts- und Naturkreislauf eingegliedert. Die Neuerschließungen unserer Altindustriestandorte zu modernen Gewerbe- und Industrieparks sind auch in diesem Jahr ein gutes Stück vorangebracht worden. Der Standort Kittlitz wurde fertiggestellt und die öffentlichen Wege und Anlagen im Frühjahr an die Gemeinde sowie die Medien für Wasser/Abwasser an den Zweckverband feierlich übergeben. Nunmehr konzentriert sich die LMBV auf die Ansiedlung. Die Bauarbeiten an den Standorten Sonne, Lauchhammer und Marga wurden planmäßig fortgesetzt.
Insgesamt konnten Bauleistungen im Umfang von fast 4,0 Mio. Euro realisiert werden. Die Neuerschließungsmaßnahmen sollen Ende 2003 abgeschlossen sein.Dass diese Maßnahmen für die wirtschaftliche Wiederbelebung der Region von enormer Bedeutung sind, ist unter anderem auf ehemaligen LMBV-Flächen in Lauchhammer zu erleben. Der Windkraftanlagenbauer VESTAS startete, nach nur zehn Monaten Bauzeit im Mai diesen Jahres seine Produktion. Rund 300 neue Arbeitsplätze mit einem Investitionsvolumen von 50 Mio. Euro. Dieser bedeutende Nukleus wird gewiss weitere Ansiedlungen nach sich ziehen.

Flächenverwertung geht zügig weiter
Um die Neuerschließung und Vermarktung des Standortes Schwarze Pumpe voranzubringen, ist eine Projektgruppe gebildet worden, die aus Vertretern der LMBV, LAUBAG und der SVZ besteht und von einem Projektbeirat geleitet wird. In dem Projektbeirat wirken auch die Bürgermeister der Stadt Spremberg sowie der Gemeinde Spreetal. Die Wirtschaftsministerien beider Länder stehen unterstützend zur Seite.
Ende Oktober hat das Unternehmen gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, Professor Milbradt, und dem für Infrastrukturmaßnahmen zuständigen EU-Kommissar, Michel Barnier, den ersten Spatenstich zur Neuerschließung des Industrieparks Espenhain vorgenommen. Ein Vorhaben mit 15 Mio. Euro Investition, mit der diesem geschichtsträchtigen Industriestandort eine nachhaltige Zukunft und die Grundlage für weitere Ansiedlungen mit neuen Arbeitsplätzen geschaffen wird.
Die Vorbereitungen zur "Neuerschließung der Altindustriestandorte Braunsbedra und Großkayna" stehen kurz vor Abschluss. Die Baumaßnahmen sollen bereits im ersten Quartal 2003 starten.
Erfolgreich war auch der Verkauf von über 1.000 ha Flächen für Zwecke des Naturschutzes allein in diesem Jahr. Die bisherige Gesamtfläche beläuft sich damit bereits auf 4.700 ha. So leistet das Unternehmen einen beachtlichen Beitrag zur Entwicklung von Vielfalt und nachhaltiger Attraktivität in unseren Bergbaufolgelandschaften. Einen Höhepunkt stellte die feierliche Übergabe der LMBV-Flächen an die Heinz Sielmann-Stiftung am 28. November dar.

Zum Sanierungsstand im mitteldeutschen Revier
Kuyumcu unterstreicht am Jahresende 2002: "Die Braunkohlesanierung genießt nach wie vor eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, insbesondere wenn Projekte, die das Antlitz der neu entstehenden Bergbaufolgelandschaften erahnen lassen, in Angriff genommen werden. Stellvertretend für viele Projekte möchte ich den ersten Spatenstich am 18. September zur Revitalisierung des Floßgrabens, der ersten wassertouristisch nutzbaren Verbindung im Raum Zwenkau, Cospuden, Leipzig und Markkleeberg hervorheben. Das visionäre Projekt "Gewässerverbund Region Leipzig" hat damit nicht nur in Planungsunterlagen sondern auch in physischer Wirklichkeit ein Stück gewonnen."
Auch im Verantwortungsbereich der LMBV hat die Flut im Jahr 2002 erhebliche Schäden verursacht. Der größte Teil des Schadens entstand dabei im Sanierungsprojekt "Goitzsche". Die Hochwasserwellen, die nach dem Dammbruch bei Welaune auf einer Länge von 10 km, weite Landstriche unter Wasser gesetzt hatten, strömten mit über 2.000 m³/sec in die Restlöcher des Tagebaues und verwüsteten die fertiggestellten Böschungen sowie die Infrastruktur. Der Goitzsche-See hat quasi über Nacht rund 100 Mio. m³ Wasser aus der Mulde aufnehmen müssen. Andererseits konnten dadurch katastrophale Schäden von der Stadt Bitterfeld ferngehalten werden.

Größter See Sachsen-Anhalts wird bald geflutet werden können
Im Geiseltal hat das Unternehmen die Flutung des Restlochs Großkayna im August abgeschlossen. Die Infrastruktur zur Flutung des Tagebaus Mücheln ist fertiggestellt und die Anhörung zum Planfeststellungsverfahren bereits erfolgt. Mit dem baldigen Erhalt des Behördenbescheids hofft die LMBV in den nächsten Monaten den "Wasser-Marsch-Befehl" zur Herstellung des Geiseltal-Sees geben zu können. Mit seiner 1.800 ha Wasserfläche wird er der größte See Sachsen-Anhalts werden.
Für den Raum Leipzig ist vor allem die planmäßige Fortsetzung der bergmännischen Grundsanierung in den Tagebauen Zwenkau und Espenhain sowie die Flutung der Seen Markkleeberg, Witznitz und Delitzsch zu erwähnen.
Die Flutung der Tagebauseen der Goitzsche war nicht nur technisch vielschichtig, sondern erforderte umfangreiche Abstimmungen mit den Gefahrenabwehrmaßnahmen des Landes Sachsen-Anhalt im ökologischen Großprojekt Bitterfeld-Wolfen sowie mit den Maßnahmen des Landkreises und der Stadt Bitterfeld. Nach drei Jahren erfolgreicher Flutung mit Muldewasser hat die LMBV im Frühjahr diesen Jahres den genehmigten Zwischenwasserstand von 71,5 m NN in der Goitzsche hergestellt. Anfang Juni führte das Regierungspräsidium Dessau die öffentliche Anhörung durch, an der auch Bürgerinnen und Bürger rege teilgenommen haben. Die Erteilung des Planfeststellungsbescheides, mit dem wir ursprünglich zum Ende diesen Jahres rechneten, verschiebt sich infolge der Flutschäden nunmehr in die erste Hälfte 2003.

Zurück