Schutzsockel für das Schloss Altdöbern wird jetzt gebaut

LMBV kümmert sich als Projektträger um Grundwasserschild - Auch für Hausbesitzer in Altdöbern kommt alsbald Hilfe

Senftenberg/Altdöbern. Hilfe für das Barockschloss Altdöbern (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) kommt bald in Form von Spezialbeton. Das auf einem Holzgeflecht im frühen 18. Jahrhundert errichtete Barockschloss wird von der LMBV im Auftrag des Bundes und des Landes Brandenburg vor dem inzwischen aufsteigenden Grundwasser geschützt. Dazu wird in diesen Tagen begonnen, das Grundwasser um das Schloss mit Filterbrunnen abzusenken und in den nahe gelegenen Salzteich einzuleiten, um eine trockenen Baugrube zu ermöglichen. Den Auftrag zur Brunnenbohrung und Pumpensetzung hat die Firma NSG Saalhausen in Kooperation mit dem Brunnenbau Wegmann erledigt.

In den kommenden 18 Monaten soll dann die Sicherung mit einer neu einzuziehenden 50 Zentimeter starken Bodenplatte und der Einbau einer Wassersperrschicht unter dem Schlossgebäude durch eine Fachfirma erfolgen. Die Baustelleneinrichtung der Firma Bauunternehmen Stramke aus Lohsa (Landkreis Kamenz) hat gestern bereits begonnen. Das Vorhaben gilt als ingenieurtechnisch anspruchsvoll und ist auch ein mit gewissen Baurisiken behaftetes Unterfangen. Ursachen sind dafür der komplizierte Untergrund und die barocke Bauweise des Schlosses, dass seit 1997 aufwendig saniert wird. Das Unterfangen mit einem Betonsockel birgt die Gefahr von Mauerwerksspannungen  in dem fast 300 Jahre alten Gebäude in sich, da das Grundwasser unter dem Schloss wieder angestiegen ist. Viele Jahre hatten die dicken Fundament-Bohlen des Holzgeflechtes bisher trocken gelegen. Insgesamt rund drei Millionen Euro stellen Bund und Land über den Braunkohlesanierer LMBV für dieses Einzelvorhaben zur Verfügung. Weitere Eigenmittel des Eigentümers, der Brandenburgischen Schlösser GmbH, fließen in die Planung und die Begleitung der Sicherungsmaßnahme.

Die LMBV ist darüberhinaus in der Nachbarschaft noch bis ca. 2018 mit der Sicherung des ehemaligen Braunkohletagebaus Greifenhain und der Flutung des künftigen Altdöberner Sees befasst. Unabhängig von der Flutung des ca. 1.000 Meter entfernt liegenden Altdöberner Sees wird das Grundwasser in und um Altdöbern wieder auf annähernd vorbergbauliche Zustände ansteigen.
 
Hintergrund: Das Schloss Altdöbern ist eine der drei bedeutenden kulturhistorischen Anlagen, neben Branitz und Fürstlich Drehna, in der Niederlausitz. Es ist eines der wenigen erhaltenen Kleinode, das zwischen zwischen Potsdam und Dresden liegt. Das Schloss und der der Schlosspark entstanden zunächst unter dem sächsischen Generalmajor von Eickstedt. Spätere Eigentümer veranlassten eine kunstvolle Gartengestaltung mit Wasserspielen, Figurenschmuck und einem Heckentheater. Unter Heinrich Hartmann von Witzleben wurde 1883 das Schloss erheblich umgebaut und nördlich des Schlosses ein Barockgarten von einem Pücklerschüler, Eduard Petzold, angelegt. Petzold scheiterte jedoch an den Wasserverhältnissen im Park. Durch das Zuschütten der barocken Wassergräben versumpfte der neu angelegte Landschaftspark und konnte erst später hydrologisch stabilisiert werden.

Die LMBV wird oft für das steigende Grundwasser - auch in Altdöbern -verantwortlich gemacht. Doch es gibt bisher keinen einzigen Ort in Brandenburg, an dem der Grundwasserstand höher sein wird als vor der Braunkohleabbaggerung. Das belegen alte Betriebspläne, versichert der Pressesprecher der LMBV, Dr. Uwe Steinhuber, auf Nachfrage. Noch vor 40 oder 50 Jahren ist es in der Lausitz an vielen Stellen völlig normal gewesen, dass in tieferen Lagen die Keller im Frühjahr und Herbst feucht wurden. Durch den Tagebau wurde das Grundwasser für einen vorübergehenden Zeitraum abgesenkt. Viele Menschen und Hausbesitzer haben dies jedoch vergessen oder haben dies nicht mehr präsent. Auch für die lang anhaltenden oder Starkniederschläge in den Frühjahrsmonaten kann die LMBV nicht verantwortlich gemacht werden.

Die LMBV hat bereits 2003 im Auftrag von Bund und Land Brandenburg begonnen, die gesamte Lausitz flächendeckend zu untersuchen, um möglichen Gefahren schon im Vorfeld entgegenzuwirken. Dabei wurden potenzielle Konfliktbereiche ermittelt. Vorrangig für die Beseitigung von Gefahren im Zusammenhang mit dem Grundwasseranstieg werden Komplexlösungen sein. In vielen Fällen kann das Grundwasser mit einfachen Reinigungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen von Gräben, Brücken und Durchlässen, die den vergangenen Jahrzehnten häufig vernachlässigt wurden, auf den nötigen Stand gesenkt werden. Sollten diese Schritte für den Einzelfall keinen Erfolg bringen, werden den Eigentümern individuelle  Lösungen angeboten.

Insgesamt fast 32 Millionen Euro sollen 2008 in der Brandenburgischen Lausitz für die Gefahrenabwehr in Verbindung mit dem Grundwasseranstieg eingesetzt werden. 2007 wurden für die so genannten Paragraph-3-Projekte der Bergbausanierung bereits 36 Millionen Euro aufgewendet, hauptsächlich für voruntersuchungen und Planungen. 

Weiteres Vorgehen in der Kommune Altdöbern: In Altdöbern ist die Situation dennoch be-sonders aufwendig: 1.600 Häuser hat die LMBV seit 2003 untersucht bzw. untersuchen lassen. Jedes Gebäude wurde neu vermessen und die Aktenlage überprüft. Übrig blieben ca. 600 vom steigenden Grundwasser betroffene Objekte, für die Planer des Bergbausanierers LMBV derzeit ein Lösungskonzept erarbeiten. Ziel der Planungen ist – sofern möglich – eine Komplexlösung mit tiefer gelegten und zusätzlichen Grabensystemen, betont Steinhuber. Denkbar wäre auch eine Dichtungswand an einem geeigneten Standort zur Abstromminderung vom Bergbaufolgesee in Richtung Kommune. Die weiteren Sicherungsmaßnahmen in Altdöbern sollen 2011/12 in die Realisierung gehen. Die Mittel für die weiteren Planungen wurden der LMBV bereits genehmigt.

Voraussichtlich müssen in einigen Häusern die Keller verfüllt werden. Denkbar ist auch der nachträgliche Einbau einer weißen bzw. schwarzen Wanne oder die Anhebung des Gebäudes. An erster Stelle wird jedoch immer die wirtschaftlichste Variante umgesetzt, unterstreicht der LMBV-Sprecher, denn nur diese wird von Bund und Ländern finanziert. Als eine weitere Maßnahme soll der für 2018 vorgesehene Endwasserstand des Altdöberner Tagebausees um 160 Zentimeter verringert werden - ein geeignetes Mittel für andere Regionen in der Lausitz oder Mitteldeutschland ist dies jedoch nicht. Die bereits getätigten vielfältigen Sicherungs- und Sanie-rungsarbeiten wurden auf den genehmigten und in breiter Abstimmung festgelegten Zielwasserstand vorgenommen. Außerdem sprechen vielfältige Umweltgesichtspunkte gegen eine weitere dauerhafte Absenkung des Grundwasserspiegels.

Fotos: Downloadfähige Fotos unter http://www.lmbv.de/ im Bereich Fotogalerie

Kontakt zur Brandenburgsischen Schlösser GmbH: Dipl.Ing. Architekt Jürgen Klemisch Tel.: 0331 27 91 50

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