Wieder neue Impulse aus der Lausitz für die forstliche Wiedernutzbarmachung von Kippen - Workshop des Landesbergamtes in Cottbus

Senftenberg/Cottbus. Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) hatte am 7. Oktober 2008 Vertreter der Forstverwaltungen, private Waldbesitzer, Bergwerksunternehmer und wissenschaftlicher Einrichtungen zum Workshop „Forstwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung“ in die Inselstraße nach Cottbus eingeladen. Ziel des Workshops war es, den Stand der forstlichen Wiedernutzbarmachung in der Lausitz einer kritischen Diskussion zu unterziehen. Mit einem Anteil von ca. 50 Prozent an der gesamten Wiedernutzbarmachung im Braunkohlenbergbau in der Lausitz ist die Herstellung forstwirtschaftlicher Flächen ein Schwerpunkt.

Die bergbauliche Wiedernutzbarmachung bietet die Chance, den vielfältigen Waldfunktionen zu entsprechen. Aufgabe und Verpflichtung ist es dabei, diese Funktionen nachhaltig zu gestalten. Die Teilnehmer des Workshops, darunter Vertreter der LMBV, haben diese Verpflichtungen intensiv diskutiert und eigene Lösungsansätze vorgestellt. Erste Kippenflächen wurden bereits beginnend vor 108 Jahren, belegbar ab dem Jahr 1900, sehr zeitig zuerst in der Lausitz von Werksförstern aufgeforstet. Seitdem gingen aus der Lausitz immer wieder neue Impulse zur forstlichen Wiedernutzbarmachung auch in die anderen deutschen Bergbaureviere und auch ins Ausland aus.

Bisher wurde in Deutschland eine Fläche von 169.229 ha durch den Braunkohlenbergbau Anspruch genommen (Quelle: DEBRIV 2008), davon etwa 107.287 ha im Verantwortungsbereich der LMBV. Das Defizit an erfolgreicher Rekultivierung lag zu Beginn der Sanierung Anfang der 90er Jahre bei rund 54.500 ha. Im Zeitraum von 1990 bis 2007 wurden bereits 14.760 ha an Landwirtschafts- und Forstflächen neu rekultiviert sowie mehrere tausend Hektar der natürlichen Entwicklung (Sukzession) überlassen bzw. bereitgestellt. Die Rekultivierungsquote der LMBV liegt damit in der Lausitz bei 60 Prozent und in Mitteldeutschland bei sogar 74 Prozent.

In einigen Tagebaubereichen der LMBV hatten im Jahr 2008 die Frühjahrspflanzungen bereits im Februar begonnen – vier Wochen früher als in den vergangenen Jahren. Die LMBV reagierte damit auf die sich abzeichnenden Klimaveränderungen. Konnte bis vor wenigen Jahren noch bis Mitte April gepflanzt werden, so müssen heute die Frühjahrspflanzungen in der Regel bereits Ende März abgeschlossen sein. Zur Risikoverteilung werden durch die Forstabteilung der LMBV insbesondere Laubholzpflanzungen mehr in den Herbst, d. h. in die Monate November und Dezember verlegt.

Für das Jahr 2008 waren in der LMBV insgesamt rund 334 Hektar zur Neuaufforstung geplant, davon rd. 267 ha in der Lausitz und rd. 67 ha im mitteldeutschen Bereich. Mit den Anpflanzungen und deren abschließender Pflege kommt die Wiedernutzbarmachung auf diesen Flächen weiter voran. Die neu entstandenen Kippenwälder sollen gleichzeitig Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion erfüllen. Sie prägen künftig für mehrere Jahrzehnte das Gesicht der Bergbaufolgelandschaft. Deshalb ist es der LMBV wichtig, die Planung und Umsetzung verantwortungsvoll durchzuführen.

Damit der künftige Wald auf den anfänglich kulturfeindlichen Kippen stabil heranwachsen kann, müssen bereits bei der Bodenvorbereitung die notwendigen Schritte eingeleitet werden. Durch den hohen Schwefelgehalt sind die Kippböden oft sauer und müssen mit langfristig wirkendem Kalk melioriert werden. Die Kippsubstrate geben weitgehend vor, welche Bäume und Sträucher sich für eine Kippenanpflanzung eignen. Insgesamt wird ein Anteil Nadelholz zu Laubholz von je 50 Prozent angestrebt. Während für arme Sandstandorte die Kiefer immer noch die sicherste und wirtschaftlichste Baumart ist, werden auf zunehmend besseren Böden seit mehreren Jahren vor allem Trauben- und Stieleichen aber auch Birken eingesetzt.

Damit nicht ausschließlich Reinkulturen entstehen, werden in die Waldbestände Nebenbaumarten wie die Winterlinde, Roterle oder Hainbuche gleichzeitig mit eingemischt. Eine besondere Beachtung wird bei der forstlichen Rekultivierung auf die Waldrandgestaltung gelegt. Gut gestufte Waldränder aus Bäumen zweiter Ordnung, wie Obstgehölzen und Sträuchern, z. B. Schlehe, Hasel und Wildrosen, bilden den gewünschten Windschutz sowie Biotopverbund und verringern die Waldbrandgefahr. Sie verbessern letztendlich die Waldstruktur und steigern langfristig den Erholungseffekt der Bergbauareale.

Zusammen mit den hergestellten Landwirtschafts- und Naturschutzvorrangflächen können damit auch künftige Generationen auf eine naturnahe, abwechslungsreiche aber auch forstlich nutzbare Bergbaufolgelandschaft bauen. Noch rund 31 Prozent der terrestrischen Flächen der LMBV müssen überwiegend zu Wald oder Naturschutzvorrangflächen entwickelt werden. Durch die Flutung von über 50 Tagebau-Restlöchern entstehen außerdem auf mehr als 26.000 ha neue Seen mit vielfältigsten Möglichkeiten der Nachnutzung und als neue Lebensräume, die vorbergbaulich nicht vorhanden waren. Die LMBV arbeitet bei der Umsetzung ihrer Wiedernutzbarmachungsaufgaben mit vielen wissenschaftlichen Einrichtungen und Partnern aus der Industrie zusammen. Man kann daher die These aufstellen, dass die Wiederherstellung der Landschaft der ostdeutschen Tagebaue im Sanierungsbergbau auch hinsichtlich der forstlichen Wiedernutzbarmachung die größte „Landschaftsbaustelle“ Europas ist.

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