Gefahrenabwehr gegen den allgemeinen Grundwasserwiederanstieg im Bereich der Ortslage Zscherndorf

Leipzig. Über den Zeitraum des mehr als 100 Jahre andauernden Braunkohlenabbaus in der Region um Bitterfeld war der Grundwasserstand dauerhaft großflächig abgesenkt. Mit der Einstellung der Kohlegewinnung der heute in Verantwortung der LMBV befindlichen Tagebaue Goitsche und Köckern Anfang der 90er Jahre und der damit verbundenen schrittweisen Außerbetriebnahme der Wasserhaltungen setzte der allgemeine Grundwasserwiederanstieg auch in dieser Region ein.

Bei der Errichtung der Häuser der Siedlung Zscherndorf wurden zum damaligen Zeitpunkt einerseits der Grundwasserwiederanstieg sowie die Kippenproblematik und die daraus resultierenden Folgen für die Gebäude nicht berücksichtigt. Andererseits waren damals aber auch der Stand der Technik und die Kenntnisse über die hydrogeologischen Zusammenhänge noch nicht vorhanden, um eine hinreichende Beachtung der Situation zu gewährleisten.

Aus den aktuellen hydrogeologischen Berechnungen ergibt sich, dass sich bereits jetzt und mit Abschluss des Grundwasserwiederanstiegs flurnahe Grundwasserstände (teilweise < 0,5 m) einstellen werden. Dazu kommt, dass das Gelände, auf dem die Gebäude errichtet wurden, tiefer als das ursprüngliche, vor dem Kohleabbau vorhandene Gelände liegt, d. h. die Kippe wurde damals zu tief angelegt.

Die LMBV ist für die Folgen des Wiederansteigens des Grundwassers auf sein ursprüngliches Niveau nicht verantwortlich, sie ist sich jedoch  der Problematik zu den Folgen des Grundwasserwiederanstiegs bewusst. Deshalb haben sich der Bund und die Braunkohleländer unter Zurückstellung ihrer jeweiligen Rechtsstandpunkte im Rahmen des Verwaltungsabkommens Braunkohlesanierung verständigt, den Betroffenen bei der Gefahrenabwehr infolge des Grundwasserwiederanstiegs Unterstützung zukommen zu lassen. Die LMBV ist als Projektträger beauftragt, die notwendigen Maßnahmen unter Einhaltung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu planen und umzusetzen. Die Betroffenen beteiligen sich i. d. R. mit einer Eigenbeteiligung von 10 % an den Maßnahmen.

Hierzu wurden in den zurückliegenden Jahren mehrere technische Varianten zur Gefahrenabwehr für Zscherndorf untersucht. Vertiefende Untersuchungen im Jahr 2008 auf der Grundlage eines präzisierten kleinräumigen hydrologischen Modells und detaillierter Gelände- und Gebäudevermessungen führten zu dem jetzt vorliegenden aktuellen Kenntnisstand über die Anzahl der betroffenen Grundstücke (nunmehr über 80). Aus diesem Grund mussten die Problemlösungsvarianten in technischer und betriebswirtschaftlicher Sicht einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Besonders zur Machbarkeit von flächenhaften Grundwasserabsenkungen auf mitteldeutschen Mischbodenkippen waren abschließende belastbare Entscheidungsgrundlagen erfor-derlich.

Im September 2009 wurden in einem Fachgespräch Möglichkeiten der Entwässerung von bebauten Kippenböden in Form von Sammellösungen und deren Risiken diskutiert. Fazit war, dass technisch nur ein Schlitzgraben und eine verlaufsgesteuerte Horizontaldrainage möglich erscheinen, welche jedoch vor Ort über ein Pilotprojekt in ihre Wirksamkeit und Anwendbarkeit zu testen sind. In Auswertung des Gespräches wurde im Oktober 2009 die Projektskizze zum Pilotprojekt „Entwässerung einer be-bauten Kippe mittels Schlitzgräben und verlaufsgesteuerten Horizontaldrainagen“ erstellt.

Die Pilotanlage sollte im IV. Quartal 2010 errichtet werden. Aus der durchgeführten Ausschreibung resultieren erhebliche Mehrkosten. Daraufhin ist die Realisierung der Pilotanlage ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund muss der Gesamtsachverhalt nochmals einer Wirtschaftlichkeits- und Plausibilitätsprüfung unterzogen werden. Diese wollen die Financiers bis Mitte Dezember 2010 abschließen.

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