Revierbericht des Vorsitzenden der Geschäftsführung der LMBV Dr. M. Kuyumcu anlässlich der Barbarafeier

Revierbericht des Vorsitzenden der Geschäftsführung der LMBV Dr. M. Kuyumcu anlässlich der Barbarafeier Lausitz in Cottbus am 06.12.2011

Sehr verehrte Damen und sehr geehrte Herren, mit unserem Bergmannsgruß Glückauf heiße auch ich Sie alle persönlich hier in Cottbus ganz herzlich willkommen. Mit meinem Revierbericht möchte ich Sie traditionell über den Fortschritt in der Braunkohlesanierung sowie über die aktuellen Ereignisse informieren.

2011 war für die LMBV ein sehr anspruchsvolles Jahr. Neben den umfangreichen Aktivitäten zur Bewältigung der besonderen Herausforderungen hat das Unternehmen die geplanten Sanierungsvorhaben fortgesetzt. Dafür werden am Ende des Jahres der Bund und die Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 192 Millionen Euro investiert haben, davon 118 Millionen Euro im Lausitzer Revier.

Bevor ich beispielhafte Ausführungen zu Projekten aus unserer Sanierungstätigkeit vornehme, möchte ich zum einen über den Stand der Ursachenermittlung zum Böschungsunglück Nachterstedt und zum zweiten über unsere Arbeiten zur langzeitsicheren Gestaltung von Innenkippen in der Lausitz berichten. Sowohl die Gutachter der LMBV als auch die der Bergbehörde und der Staatsanwaltschaft vertreten weiterhin aktuell die Einschätzung, dass hier ein komplexer Ursachenhintergrund vorliegt, zu dessen Aufklärung neben der Auswertung von rund 20.000 Altakten aus 150 Jahren Bergbau, umfangreiche neue Daten erhoben werden müssen.

Mit Einsatz modernster Technik und mit hoher Intensität haben wir in 2011 die Erkundungsarbeiten fortgesetzt. Hieraus möchte ich drei Schwerpunkte hervorheben: Zum einen die seeseitige Erkundung, bei der auf dem Concordiasee von drei seetüchtigen Pontons aus, Kernbohrungen und Drucksondierungen

niedergebracht werden und zur Erfassung der Liegendwasserdrücke in mehreren Grundwasserhorizonten Piezometer eingerichtet werden. Sie sehen die geplanten 24 Untersuchungsstandorte; die dunkelbraun dargestellten Bereiche zeigen die Restkohlepfeiler, die an der Grenze des untertägigen und übertägigen Bergbaus stehen gelassen wurden und deren heutiger Zustand auch eine der zu klärenden Fragen darstellt. Inzwischen sind die Untersuchungen an 13 Standorten bereits abgeschlossen; sie laufen zurzeit am Bohrpunkt Nr. 14. Bis März 2012 wollen wir die seeseitige Erkundung komplettiert haben, vorausgesetzt, unsere Pläne werden nicht von einer harten und lang andauernden Frostperiode durchkreuzt.

Den zweiten Schwerpunkt bilden die Erkundungs- und Sicherungsmaßnahmen an der Südwestböschung mit Niederbringung zahlreicher Brunnen und Grundwassermessstellen. Diese Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Der Betrieb der Brunnengalerie wird nächstes Jahr die Standsicherheit der Südwestböschung erhöhen. Parallel hierzu sind wir dabei, mit einer Reihe von Untersuchungen die aktuelle Standsicherheit der Südwestböschung belastbar zu ermitteln. Dies ist eine der Voraussetzungen zur Vorbereitung der Neugestaltung des beeinträchtigten Böschungsareals. Analoges gilt für den östlichen Böschungsabschnitt in Bezug auf den Rutschungskessel.

Dritter Schwerpunkt der Erkundungsarbeiten ist die Klärung offener Fragen zur Existenz und Lage einiger untertägiger Grubenbaue aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die hier gezeigten Grubenbaue sollen nach dem Risswerk abgebaggert sein, wobei nach einigen der Altunterlagen hierüber Zweifel bestehen. Letzte Woche haben wir mit Bohrungen begonnen, um Gewissheit hierüber zu schaffen.

Meine Damen und Herren, mit den genannten und weiteren umfangreichen Arbeiten wollen wir bis Mitte des Jahres 2012 die Erhebung der erforderlichen Erkundungsdaten weitestgehend abgeschlossen haben. Wir planen, im zweiten Halbjahr 2012 mit der Sicherung und Neugestaltung des beeinträchtigten Böschungsareals sowie mit der Sanierung anderer Böschungsbereiche zu beginnen. Die Herstellung des Concordiasees und seine baldige touristische Nutzung bleiben weiterhin unser Ziel.

Meine Damen und Herren, in meinem Revierbericht letztes Jahr hatte ich Sie darüber informiert, dass wir infolge der unerwartet aufgetretenen Instabilitäten auf Innenkippen in der Lausitz vorsorglich in großem Umfang Flächen abgesperrt haben, die zuvor für eine Nutzung freigegeben waren. Herr Minister Vogelsänger und Herr Dr. Kahl sind auch darauf eingegangen. Wir mussten konstatieren, dass unsere Sanierungskonzeption zwar nicht infrage gestellt, aber für Innenkippenflächen zu ergänzen ist. Mit Hochdruck arbeiten wir seitdem daran, die hierzu erforderlichen Maßnahmen zu konkretisieren. Zu unserer Unterstützung haben wir einen geotechnischen Beirat gebildet. Darin vertreten sind auch international anerkannte Wissenschaftler der Geotechnik aus ganz Deutschland, im Revier erfahrene Sachverständige der Geotechnik, darunter auch von Vattenfall, natürlich auch Sachverständige und Fachkräfte der LMBV. Die vom Beirat gebildeten sechs Arbeitsgruppen stellen zum einen den international aktuellen Stand der Technik, der Wissenschaft und Forschung zusammen, zum anderen unterziehen sie alle Kippenareale der Lausitz einer erneuten geotechnischen Analyse. In diesem Zusammenhang werden bereits auch mehrere hundert Druck- und Kombinationsdrucksondierungen niedergebracht.

Gleichzeitig werden die geologisch, geotechnisch und hydrologisch relevanten Daten jeder Kippe in einem so genannten Kippenkataster 3-dimensional zusammengeführt. Die bisherigen Analysen führen zu dem Ansatz, dass die Entstehung von kritischen Porenwasserdrücken, mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern bzw. entstandene abzubauen. Dabei stehen zum einen Maßnahmen im Fokus, die die Schutzobjekte wie öffentliche Straßen, bauliche Anlagen auf Kippen wirksam schützen sollen und zum Zweiten Maßnahmen, mit denen großflächige Kippenareale ertüchtigt werden müssen. Zu diesem Zweck haben wir Feldversuche konzipiert. Zum Schutz von Objekten haben wir auf einem Testfeld am Sabrodter See zwanzig vertikale Kunststoffdrains niedergebracht, die den Porendruck wirksam begegnen sollen, mit bisher ermutigenden Ergebnissen. In diesem Zusammenhang haben wir auch Abschnitte der Bundesstraße 97 und einer Kreisstraße mit Porenwasserdruckgebern ausgestattet und dort wo es vorsorglich geboten war, Geschwindigkeitsbegrenzungen empfohlen.

Zur nachhaltigen Stabilisierung von Kippenarealen planen wir auch Versuche zum schonenden Sprengen in Horizontalbohrungen durchzuführen. Ebenso, und wo immer es möglich und angebracht ist, das schonende Sprengen in Vertikalbohrungen. Wir haben die Zielstellung, im Jahr 2012 die erforderlichen ergänzenden Maßnahmen zur Stabilisierung der Innenkippen konzipiert zu haben und ab 2013 regulär und sukzessive zum Einsatz zu bringen.

Von den großräumigen Flächensperrungen waren auch rund 100 Unternehmen betroffen, hauptsächlich land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Die LMBV hat mit allen Betroffenen in direkten persönlichen Gesprächen sowie mit deren Interessenvertretungen, wie zum Beispiel Bauernverbänden, Schadensregulierungen ausgearbeitet und umgesetzt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Betroffenen und Beteiligten für das Verständnis, das Vertrauen, die konstruktive Zusammenarbeit und insbesondere die aktive Unterstützung durch die Bürgermeister, Landräte, Verbände und Institutionen sowie der Ministerien bedanken. Auch von hier aus bedanken möchte ich mich bei Ihnen, Herr Minister Vogelsänger, dass Sie persönlich mehrere Termine zu Schadensregulierungen für die betroffenen Bauern geleitet haben.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich Ihnen nun ausgewählte Projekte der regulären Sanierungstätigkeit der LMBV telegrammstilartig erwähnen. Am östlichen Teil des Klinger Sees im Tagebau Jänschwalde wurde eine weitere Etappe der Ufersicherung durch Rütteldruckverdichtung in Angriff genommen. Dieser Teil des Stützkörpers mit einem Volumen von rund 1,7 Millionen Kubikmeter und einer Länge von rund 2,5 Kilometer wird bis Februar 2012 hergestellt. Sicherungsmaßnahmen mit Einsatz von Rütteldruckverdichtung wurden unter anderem auch am Tagebau Sedlitz für den Überleiter 11 sowie am Silbersee zur Stabilisierung der Bahntrasse eingesetzt.

Ein besonderes Projekt der Bergbausanierung im mitteldeutschen Revier ist das Einleitbauwerk von der Weißen Elster in den Zwenkauer See, das zum Hochwasserschutz der Stadt Leipzig beiträgt. Durch den Tagebau Zwenkau gingen der Weißen Elster erhebliche Retentionsräume verloren, so dass die LMBV den Zwenkauer See mit einer Staulamelle von 2,5 Metern für ein Volumen von 18,5 Millionen Kubikmeter herstellt.

In diesem vergleichsweise trockenen Jahr konnten den Bergbaufolgeseen bisher insgesamt mehr als 67 Millionen Kubikmeter Flutungswasser zugeführt werden, davon entfielen rund 40 Millionen Kubikmeter auf die Lausitz. Das anfängliche Wasserdefizit von 12,7 Milliarden Kubikmeter in den Grundwasser-Absenkungstrichtern der LMBV hat sich inzwischen durch zügige Flutung der Bergbaufolgeseen auf 4,1 Milliarden Kubikmeter reduziert.

Die umfangreichen Schäden des Hochwassers vom August 2010 an den Böschungen des Tagebaus Berzdorf wurden inzwischen weitestgehend behoben und das geschädigte Auslaufbauwerk zurückgebaut. Mit Abschluss des Auslaufbauwerks im nächsten Jahr kann die weitere Flutung für die fehlenden 1,5 Meter abgeschlossen werden.

Die Herstellung einer nachhaltigen Wasserqualität der Bergbaufolgeseen vor allem im Lausitzer Seenland mit seinem erheblichen Säurepotenzial der Kippenmassive bildet bereits seit einigen Jahren einen weiteren Schwerpunkt der LMBV. So haben wir die im Jahr 2009 begonnenen Großversuche zur Bekalkung des Bernsteinsees Burghammer mit Sanierungsschiffen in diesem Jahr erfolgreich fortgesetzt. Ein weiteres Pilotprojekt zur Seewasserbehandlung wurde im September 2011 am Scheibe-See in Ostsachsen gestartet. Mit dem neuen In-lake-Verfahren wird die an Land hergestellte Kalksuspension durch eine getauchte Schwimmleitung mehreren Düsen zugeführt, die das Neutralisationsmittel mit hoher Geschwindigkeit weit gefächert und fein verteilt in den Wasserkörper einbringen, unterstützt durch die natürliche Herbstzirkulation.

Die LMBV betreibt mit ihren Partnern auch mehrere Forschungsvorhaben zur Wassergüteentwicklung. Heute erwähnen möchte ich die positiven Ergebnisse der mikrobiologischen Sulfatreduktion nach zweijährigem Pilotanlagenbetrieb bei einer in-situ-Behandlung von Kippengrundwasser am Skadodamm im Lausitzer Seenland, durchgeführt zusammen mit der BTU Cottbus. In der Kippe vorhandene sulfatreduzierende Bakterien konnten durch Einbringen von Nährstoffen den Eisengehalt um 90, den Sulfatgehalt um 40 Prozent senken und damit die Neutralisation des Wassers erheblich begünstigen. Ein innovatives und wahrscheinlich doch aussichtsreiches Verfahren.

Meine Damen und Herren, beispielhaft für die §3-Projekte zur Abwehr von Gefährdungen im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers möchte ich die in diesem Jahr begonnenen Maßnahmen im Senftenberger Gewerbegebiet Laugkfeld hervorheben, mit denen am Ende auch das östliche Stadtgebiet von Senftenberg geschützt wird. Der Bau der 2,4 Kilometer langen Rohrleitung zur Wasserableitung in den Sedlitzer See wurde im Oktober 2011 begonnen. Auch die flächenhaft wirkenden Komplexmaßnahmen für die Standorte Lübbenau, Altdöbern, Lauchhammer, Schwarzheide und Spreetal - um einige zu erwähnen - wurden planungs- und genehmigungstechnisch gut vorangebracht.

Das Land Brandenburg aber auch der Freistaat Sachsen haben auch in diesem Jahr erhebliche Mittel zur attraktiven Gestaltung des Lausitzer Seenlandes eingesetzt. Besonders erwähnen möchte ich den Überleiter 11, die schiffbare Verbindung zwischen dem Sedlitzer und Großräschener See, der im Jahr 2014 fertiggestellt sein wird. Das hohe Interesse zu den schiffbaren Verbindungen kommt auch im großen Besucherandrang bei den so genannten Baustellenspaziergängen wie hier am Überleiter 11 zum Ausdruck. Manche Menschen wollen wissen, wie lange der Straßenverkehr beeinträchtigt bleibt, andere bis wann man den Bootsführerschein haben sollte. Auch am Überleiter 12, dem künftigen Koschener Kanal, zwischen dem Senftenberger und dem Geierswalder See, gingen die Bauarbeiten 2011 zügig voran. Im Juli 2011 wurde die Brücke der Bundesstraße 96 über den Kanal für den Verkehr freigegeben.  Als wichtiger Bauabschnitt erfolgte im Dezember die teilweise Verlegung der Schwarzen Elster über den Kanaltunnel, damit im kommenden Jahr die Schleuse weiter gebaut werden kann. 2013 soll der Überleiter fertiggestellt sein.

Meine Damen und Herren, seit dem Jahr 2007 stellt die LMBV zunehmend neue Mitarbeiter - überwiegend in den technischen Bereichen - ein. Dies hilft dem Unternehmen zum einen das über Jahrzehnte erworbene Know-how zu erhalten und durchaus neues Wissen zuzuführen und nicht zuletzt auch die Mannschaft zu verjüngen. Ebenso erfreulich ist, dass wir auch dieses Jahr wieder 20 jungen Leuten eine berufliche Erstausbildung anbieten konnten. Und ganz besonders erfreulich, dass der Steuerungs- und Budgetausschuss für die Braunkohlesanierung heute beschlossen hat, auch 2012 20 weitere Ausbildungsplätze zu finanzieren. Herzlichen Dank dafür dem Bund und den Braunkohleländern: Das steht der Braunkohlesanierung und der LMBV gut zu Gesicht.

Meine Damen und Herren, den Stand zum fünften Verwaltungsabkommen (VA V) haben wir alle heute aus dem berufenen Munde von Dr. Kahl entgegengenommen. Meinerseits möchte ich hier den Dank der LMBV an den Bund und die Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für die konstruktive und zügige Führung der Verhandlungen aussprechen, insbesondere uns für deren Vertrauen in die Arbeit der LMBV bedanken. Ebenso danke ich allen Akteuren des Gemeinschaftswerkes Braunkohlesanierung, den Kommunen und Vertretungen der Berg- und Umweltbehörden, den für uns zuständigen Ministerien und unseren zahlreichen Geschäftspartnern. Ganz besonders und gerne möchte ich auch von hieraus Ihnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LMBV für die gemeinsame, erfolgreiche Arbeit im Jahr 2011 danken.

Meine Damen und Herren, ich wünsche uns ein angenehmes Barbarafest mit interessanten Gesprächen und weiterhin Erfolg sowie auch Bergmannsglück bei unseren Vorhaben im kommenden Jahr. Glückauf!

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