Bergbau und Sanierung sind erfolgreiches Gemeinschaftswerk

LMBV, ROMONTA und MIBRAG ehrten gemeinsam mit Gästen aus Politik und Wirtschaft ihre Schutzheilige St. Barbara (Beginn: 18:00 Uhr)

Leipzig. Zum 16. Male versammelten sich traditionell am 4. Dezember, diesmal in Leipzig, die Bergleute des Braunkohlenbergbaus in Mitteldeutschland, um der Schutzpatronin der Bergleute zu huldigen. Gemeinsam richteten die drei Firmen MIBRAG, ROMOTA und LMBV diese Feier mit vielen Gästen aus Politik, Behörden und Wirtschaft aus. Festredner war in diesem Jahr am Namenstag der Schutzpatronin der Hl. Barbara der sächsische Minister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, in seiner Funktion als Oberster Bergmann des Freistaates Sachsen. In ihren Revierberichten blickten die Unternehmen auf das zurückliegende Jahr:

Seit Juli 2001 halten die Washington Group International (Boise/USA) und NRG Energy Inc. (Minneapolis/USA) jeweils 50 Prozent der Anteile an der MIBRAG mbH. Die MIBRAG startete in das Jahr 2005 sehr hoffnungsvoll. Unerwartet hohe Herausforderungen stellten für das Unternehmen der 90tägige Ausfall eines Kessels im Kraftwerk Lippendorf des Hauptabnehmers der Rohbraunkohle dar. Die schlechtere Kohlequalität sowie die schwierigen Produktionsbedingungen im Südfeld des Tagebaus Profen erforderten ebenfalls zusätzliche Anstrengungen. Auch kletterten die Kosten der Primärmaterialien, wie Metalle, Gummi und Öl, auf ein vorher unerreichtes Preisniveau. Trotz dieser Schwierigkeiten ist die MIBRAG stolz, insgesamt ein weiteres positives und erfolgreiches Jahr der Geschäftstätigkeit abschließen zu können. Obgleich es im zurückliegenden Jahr einen geringeren Absatz an Rohbraunkohle und Braunkohlenstaub gab, wird das Unternehmen ein Ergebnis erzielen, das über den Planerwartungen für 2005 liegt. Das Team von 2.000 Mitarbeitern wird am Jahresende fast 19 Millionen Tonnen Kohle gefördert, über 75 Millionen Kubikmeter Abraum gefahren und nahezu 70 Millionen Kubikmeter Wasser gepumpt haben. Einen Schritt in die Zukunft ging die MIBRAG mit der weiteren Entwicklung des neuen Tagebaufeldes Schwerzau als ein Schwerpunkt in der Geschäftstätigkeit. Dort investiert die MIBRAG insgesamt 130 Millionen € u.a. in einen Massenverteiler und einen Schaufelradbagger SRs 2000. Durch den erzielten Vorlauf im Vergleich zur Planung wird das Unternehmen bereits im ersten Halbjahr 2006 aus diesem Feld die erste Kohle fördern können.

Ein wichtiger Tag für das Unternehmen war die Zurückweisung der Klage des Heuersdorfer Ortschaftsrates gegen das Heuersdorf-Gesetz durch den Sächsischen Verfassungsgerichtshof am 25. November 2005. Die Bestätigung des Verfassungsgerichts zur bergbaulichen Inanspruchnahme der Ortslage sichert die Zukunft der Braunkohle in Mitteldeutschland und damit den Erhalt von Tausenden Arbeitsplätzen in der Region. Das Heuersdorf-Gesetz gibt der MIBRAG die lang erwartete Planungs-, Investitions- und Rechtssicherheit. Aber es schafft auch Klarheit für die Zukunft der Heuersdorfer. Acht Monate nach dem ersten Spatenstich entsteht „Am Wäldchen“ in Regis-Breitingen ein attraktives Wohngebiet für Heuersdorf.

Auch die ROMONTA GmbH präsentierte sich im Geschäftsjahr 2005 in ihrem Kerngeschäft als stabiler und zuverlässiger Bergbaubetrieb für die Gewinnung und Veredlung von Braunkohle zu Rohmontanwachs. Montanwachs ist ein Grundstoff für Produkte der Putz- und Pflegemittelindustrie sowie zur Herstellung von Gussasphalt und Emulsionen. Komplizierte Bedingungen im ROMONTA-Tagebaubetrieb infolge der Überbaggerung von den Feldesteilen „Alter Mann“ sowie die Entwässerung des Deckgebirges und das Freihalten der Lagerstätte von Wasserzuflüssen erforderten einen hohen persönlichen Einsatz aller Mitarbeiter bei gleichzeitiger Anwendung innovativer ingenieurtechnischer Kenntnisse.

Der Absatz- und Vertriebsbereich, der im September 2005 durch gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung neu gebildeten ROMONTA Bergwerks Holding Aktiengesellschaft, sicherte die Belieferung von Kunden in über 50 Staaten der Erde mit Rohmontanwachsprodukten höchster Qualität. Zuverlässig und mit hoher Konstanz sicherte das Kraftwerk Amsdorf die Bereitstellung von Prozesswärme und Elektroenergie für die Rohmontanwachsproduktion ab. Der am Ende des Jahres 2004 in Betrieb genommene Dampferzeuger 5, ausgelegt für die thermische Verwertung von Ersatzbrennstoffen aus Haus- und Gewerbeabfällen, sicherte eine ständige verfügbare Reservekapazität an Prozessdampf für die Rohmontanwachsproduktion bei einer Umschlagsmenge von 42.000 t im Berichtszeitraum.

Im Forschungsbereich der Unternehmung konnten die gewonnenen Praktikumergebnisse bei der Entwicklung von Dispersionen für die Hydroprobierung von Gipskartonplatten so optimiert werden, dass bereits im Monat März 2005 mit einem namhaften Hersteller von Gipskartonplatten ein Liefervertrag für das Produkt DW 50 Plus unterzeichnet werden konnte. ROMONTA – dieser Name steht heute für das wichtige Forschungsund Entwicklungszentrum von Rohmontanwachsprodukten in der Welt, gleichzeitig befinden sich am Industriestandort Amsdorf die weltweit größten technischen Anlagen für die Herstellung von Rohmontanwachsprodukten. In der Region Mansfelder Land engagiert sich die Unternehmung für eine umweltverträgliche und nachhaltige Entwicklung des Standortes Amsdorf sowie für infrastrukturelle Vorhaben der kommunalen Entwicklung.

Auch die LMBV mbH hat ihren Sanierungsauftrag erfolgreich im Jahr 2005 fortgeführt. Rund 330 Mio Euro Sanierungsleistungen werden für das Jahr zu Buche stehen. Rund 1.800 Menschen fanden 2005 direkt eine Beschäftigung im Sanierungsbergbau. Seit Beginn der Sanierungsarbeiten wurden so insgesamt in der Lausitz und Mitteldeutschland rund 7,8 Mrd. Euro in eine sichere und nachnutzbare Landschaft vom Bund und den ostdeutschen Braunkohleländern investiert. Die Arbeiten zur Sanierung der ehemaligen Braunkohletagebaue in Sachsen-Anhalt gingen auch in diesem Jahr planmäßig weiter. Dazu wurden am 9. Februar der LMBV die entsprechenden Fördermittelbescheide für 2005 über rund 43 Millionen Euro überreicht. Die finanziellen Mittel setzen sich zum Großteil aus Bundes- und Landesanteilen zusammen. Mit den Geldern konnten Großprojekte wie Geiseltal, Wulfersdorf, Nachterstedt, Goitzsche, Mücheln, Amsdorf und Gröbern fortgesetzt und die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Wiederanstieg des Grundwassers weitergeführt werden. Mit der fortgesetzten Flutung des Geiseltalsees hat der künftig größte See Sachsen-Anhalts bereits eine Flächenausdehnung von 1.400 Hektar erreicht. Die Bergbaufolgelandschaft Goitzsche bei Bitterfeld konnte in weiten Teilen bereits saniert und an die kommunale Gesellschaft EBV veräußert werden.

Am 20. April 2005 wurde offiziell das Schöpfwerk „Gelbes Wasser“ übergeben. Damit ist die Stadt Bitterfeld künftig besser vor Hochwasser und steigendem Grundwasser geschützt. Der Bau kostete 400 000 Euro. Das Schöpfwerk dient nun zur schnellen Regulierung des Grundwasserspiegels und zum Abpumpen von Rückstauwasser. „Als Erntetag und einen schönen Tag für die Bevölkerung“ bezeichnete Dr. Kuyumcu den 20. April, der besonders bei den 2002 von der Flut betroffenen 1 300 Grundstückseigentümern, mehr als 5 000 Menschen waren unmittelbar von der Flut betroffen, Freude ausgelöst hat. Anlässlich der Fertigstellung des Lober-Leine-Kanals und der Wiedereinbindung in die Mulde erfolgte am 29. April die feierliche Inbetriebnahme des Projektes Lober-Leine-Kanal am Sielbauwerk zwischen Pouch und Löbnitz. Der Lober-Leine- Kanal wurde durch das verheerende Hochwasser im August 2002 zwischen der Goitzsche und der Mulde völlig zerstört. Zum Sichern der Gewässergüte für das Tagebaurestloch Rösa war eine schnelle Wiedereinbindung in die Vereinigte Mulde erforderlich. Mit Geldern aus dem Hochwasserfonds ist der Lober-Leine-Kanal in Projektträgerschaft der LMBV seit dem 1. Juli 2004 auf einer Gesamtlänge von 2,3 Kilometern wieder hergestellt worden.

Vor den Toren Leipzigs erfolgte im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Dr. Georg Milbradt, sowie der Öffentlichkeit der Baustart für die Kanu-Wildwasseranlage am Markkleeberger See, künftig Deutschlands modernste Anlage dieser Art. Für knapp 10 Mio. Euro entstehen bis zum Herbst 2006 zwei Bahnen mit 270 und 130 Metern Länge. Bauherr ist die Stadt Markkleeberg.

Der gemeinsame Knopfdruck für den Bau des kombinierten Schleusen- und Wehrbauwerkes am Nordstrand des Cospudener Sees war ein weiterer großer Schritt zur Schaffung der Schiffbarkeit von der Leipziger Innenstadt zum Neuseenland im Süden von Leipzig. Damit kann der Wasserspiegelunterschied zwischen Cospudener See und dem Auslaufgraben von etwa 90 cm überwunden werden, ohne das Boot zu verlassen. 1,5 Mio. Euro Fördermittel (Förderrichtlinie „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“) und rund 440.000 Euro aus VA Braunkohlesanierung fließen in diese Anlage, für die die Stadt Leipzig und die LMBV verantwortlich zeichnen. Zur vollständigen Bootspassage fehlen nur noch der Bau der Brücke S 46 und die Bootspassage am Connewitzer Wehr, das gegenwärtig geplant wird.

Am 6. Mai um 18 Uhr fiel am Rathaus Markkleeberg der Startschuss für die 7-Seen-Wanderung im Südraum Leipzig, die längste und eindrucksvollste volkssportliche Wanderung in der Region im Südraum Leipzig. Rund 400 Teilnehmer (u.a. aus Beckum, Berlin, Nürnberg u. München) nahmen die verschiedenen Strecken von 10 bis 100 Kilometer unter die Füße und entdeckten dabei die Vielfalt und Schönheit des Leipziger Neuseenlands. Entlang der von der LMBV sanierten Tagebaurestlöcher und künftigen Seen, u. a. Markkleeberg, Störmthal und Zwenkau, erlebten die Wanderer einen stimmungsvollen Sonnenuntergang am Cospudener See, mit Fackeln ausgeleuchtete Waldwege im Zwenkauer Eichholz und den Sonnenaufgang auf der Hochhalde Trages.

Bei den ersten Entdeckertagen am Werbeliner See am Wochenende des 10. und 11. September präsentierte die Stadt Delitzsch und die LMBV erstmals der Öffentlichkeit, welche Perspektiven der Bergbaufolgesee Webeliner See im Freizeit- und Tourismusbereich bieten wird. Bereits seit Sommer 2003 kann man in der Schladitzer Bucht am gleichnamigen See Baden und Wassersport betreiben. Unter dem Motto „Delitzscher sehen Meer“ wurde der Bergbaufolgesee und sein Umland mit Jetbooten, Quads und Jeeptouren erkundet. Das schöne Spätsommerwetter nutzen viele Anwohner auch zum Anbaden im „Brodauer Zinken“.

Anfang Juli nahmen auch die Bitterfelder und ihre Gäste mit einem großen Seefest rund um die Goitzsche die sogenannte Wasserfront in Besitz. Mit einem großen Seefest rund um die Goitzsche wurde vom 8. bis 10. Juli die Bitterfelder Wasserfront eröffnet. In den vergangenen zwei Jahren entstanden rund um den See ein Hafen, eine Promenade, ein Strand, eine Regattastrecke sowie mehrere Bootsanlegestellen. Das Gesamtprojekt hat einen Wertumfang von 18 Millionen Euro, die LMBV beteiligte sich mit 1,4 Mio. Euro. Dieses Projekt ist ein beredtes Beispiel dafür, dass die Braunkohlesanierung seit nunmehr 15 Jahren eine sinnvolle und wirksame Investition in die Zukunft der Menschen in den ehemaligen Bergbauregionen ist.

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