Statement von Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu, Vorsitzender der Geschäftsführung der LMBV anlässlich des 1. Spatenstichs für den Info-Pavillon am Kap Laura in Zwenkau am 01.09.2004

Sehr geehrte Damen und Herren,

werte Gäste und Anwohner von Zwenkau,

wir sind zusammengekommen, um heute gemeinsam den ersten Spatenstich zum Bau des Informationspavillons Zwenkau vorzunehmen. Mit dem Pavillon wollen wir künftig die Öffentlichkeit über die Bergbaugeschichte hier, insbesondere über die Förderbrücke AFB 18 des ehemaligen Tagebaues Zwenkau informieren.

Besonders herzlich begrüße ich den Regierungspräsidenten, Herrn Steinbach, Herrn Klinger in Vertretung der Landrätin, Herrn Sablotny vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit und Herrn Bürgermeister Ehme. Ebenso herzlich willkommen heiße ich die Vertreter der Sanierungsfirmen, der Ingenieur- und Planungsbüros sowie der Presse.

Lassen Sie mich kurz zurückblicken:

Aus dem Tagebau Zwenkau wurden von 1924 bis 1999, das heißt in einem Zeitraum von 75 Jahren, insgesamt 580 Mio. t Kohle gewonnen und hierfür 1,4 Mrd. m³ Abraum bewegt. Fast 30 km² Land wurden hierbei bergbaulich beansprucht.

Der Tagebau Zwenkau war einer der großen Betriebe des mitteldeutschen Braunkohlereviers. Aus diesem Revier sind im letzten Jahrhundert kräftige Impulse auf die Industrialisierung sowie zur Entwicklung der Wirtschaft, Technik und Wissenschaft hervorgegangen. Im Zuge der Veredlung der Braunkohle wurden zudem hier auch die Grundlagen der chemischen Grundstoffindustrie entwickelt.

Die bergbaulich beanspruchten Flächen verwandeln wir nunmehr mit der Braunkohlesanierung in neue Kulturlandschaften. Neben den forst- und landwirtschaftlichen Flächen entstehen dabei neue, von Menschenhand geschaffene Seen mit bedeutendem touristischen Potenzial. Das Leipziger Neuseenland allein erhält hierdurch eine zusätzliche Wasserfläche von rund 36 km².

Hinzu kommen Flächen für Naturschutz, die zu einer ökologischen Aufwertung der Region beitragen werden. Schließlich entstehen im Rahmen der Braunkohlesanierung neue, modern erschlossene Industrie- und Gewerbestandorte wie zum Beispiel Espenhain; eine ebenso wichtige Säule zur wirtschaftlichen Revitalisierung dieser Region.

Die Architektur unserer Bergbaufolgelandschaften wäre nicht vollständig, würde sich nicht auch Sachzeugen und Landmarken aus der Bergbauindustrie der letzten Jahrhunderte aufweisen. Denn nur so können die neuen Landschaften von Menschen im richtigen Kontext erfasst werden.

Auch nur so, kann eine Zukunft auf solider Basis, das heißt auf der Grundlage der wertvollen Leistungen vorangegangener Generationen, aufgebaut werden. Die Sachzeugen und Landschaftsmarken bilden eine bleibende Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.

Und eine solche Brückenfunktion wird unser Pavillon Zwenkau übernehmen. Mit Originalbauteilen und vor allem mit dem verkleinerten Modell der Abraumförderbrücke AFB 18. Die AFB 18 war, als sie im Jahr 1939 in Betrieb ging, die größte Abraumbrücke der Welt.

Sie war eine technische Meisterleistung der Bergbautechnik und war mit fast 60 Jahren Betriebszeit die dienstälteste Förderbrücke Deutschlands. Über sie sind 1,2 Mrd. m³ Abraum bewegt worden.

Wir alle wissen, dass der Erhalt dieses Meisterwerkes aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich war. Deshalb haben der Freistaat Sachsen und der Bund beschlossen, bestimmte Teile dieses kulturhistorisch wichtigen Bauwerkes sachgerecht zu bergen und der Nachwelt zu erhalten. In einem architektonisch qualitätsvollen Informationspavillon sollen die AFB 18 und die Bergbaugeschichte dieser Region eine angemessene Würdigung erfahren.

Nun sind die Vorbereitungen und die Planungen für das Pavillon abgeschlossen. Die Bauarbeiten können starten.

Ich danke dem Freistaat Sachsen, dem Regierungspräsidium Leipzig und der Stadtverwaltung Zwenkau sowie allen, die sich für dieses Projekt eingesetzt haben. Ebenso danke ich den ausführenden Firmen, dem Architekturbüro Akzente, dem Erdbaulabor Leipzig, Dr. Kugler und Partner sowie der IKS-Ingenieurgesellschaft. Ich danke auch denen, die sich mit guter Absicht für den Erhalt der AFB 18 eingesetzt hatten.

Ich wünsche unserem Pavillon eine gute Brückenfunktion und Glückauf!

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