Zwanzig Jahre gemeinsam für die Bergbauregionen - Jubiläum der LMBV gewürdigt

Viel wurde bereits für die Regionen erreicht – Noch bestehen bei der Bergbausanierung aber auch eine Fülle von Herausforderungen in der Zukunft

Senftenberg/Leipzig/Sondershausen. Mehr als 700 Gäste und Mitarbeiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hatten sich am 04.09.2015 am Unternehmenssitz in Senftenberg versammelt, um das zwanzigjährige Firmenjubiläum bergmännisch zu begehen. In ihren Grußworten würdigten der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke und sein sächsischer Kollege Stanislaw Tillich sowie der „Vizebundesfinanzminister“ und Parlamentarische Staatssekretär Jens Spahn (BMF) ebenso wie der Vertreter des Landes Sachsen-Anhalt, Staatssekretär Dr. Michael Schneider, die Ergebnisse der ostdeutschen Braunkohlesanierung.

Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke betonte: „Die LMBV prägt mit der Grundsanierung in den Bergbaugebieten das ökologische Großprojekt der Deutschen Einheit entscheidend mit. In den vergangenen 20 Jahren hat die LMBV Tagebaue und den Wasserhaushalt saniert, Grundstücke verwertet und den Tourismus gefördert. In den 90er Jahren war die Braunkohlesanierung auch ein bedeutendes Beschäftigungsprogramm. Durch die Sanierungsmaßnahmen fanden tausende Menschen erst einmal Arbeit und Einkommen, und an vielen Stellen wurden sogar die Grundlagen für neue dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen.“

Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte: „Die LMBV hat Einzigartiges geleistet - für die hier lebenden Menschen, die Natur und die Zukunft der gesamten Region. Nirgendwo sonst auf der Welt ist eine so große Industrielandschaft umgestaltet und für künftige Generationen wie-der nutzbar gemacht worden. Das Lausitzer Seenland ist mittlerweile die größte künstliche Seenkette Europas. In der Tourismusbranche sind dadurch neue Arbeitsplätze entstanden. Nicht nur dort, sondern auch in der Industrie hat die Lausitz viel Potenzial. Zum industriellen Profil zählen Wirtschaftszweige wie Ernährung, Chemie und Kunststoffe, sowie Metall- und Maschinenbau. Das ist ein guter Anfang. Weitere müssen folgen. Für den eingeleiteten Strukturwandel ist das Knowhow der Menschen vor Ort wichtig. Um weitere Investitionen möglich zu machen, kommt es auch darauf an, dass die Sanierungsmaßnahmen weiter mit dem Ausbau der Infrastruktur verknüpft werden. In diesem Punkt können das Engagement der LMBV und die wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen. So hat die Lausitz eine gute Zukunft.“

Auch die brandenburgische Infrastrukturministerin Katrin Schneider und der Energie- und Wirtschaftsminister Albrecht Gerber sowie zahlreiche Landräte, Bürgermeister und Behördenvertreter aus den Revieren waren der Einladung der LMBV gefolgt.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der LMBV, Klaus Zschiedrich, blickte in seinem Festvortrag auf den Beginn der Bergbausanierung zurück. „Die Sorge der Menschen um ihre Zukunft und den Arbeitsplatz, aber auch der Ausblick auf neue Perspektiven und die Möglichkeit des Neubeginns, prägten die Situation in diesen Jahren. Bergbausanierung in diesem Umfeld musste deshalb zunächst mehr sein als nur die Rekultivierung oder die Wiedernutzbarmachung von bergbaulich in Anspruch genommenen Flächen.“ Es sei dieser Dreiklang aus wirtschaftlicher Neuausrichtung der Regionen, der Behandlung energiepolitischer Fragen und des Umweltschutzes im weiteren Sinne gewesen, die zum Entschluss durch die damalige Bundesregierung und die Länderregierungen Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führte, die Braunkohlesanierung in einem Großprojekt zu bündeln und gemeinsam zu lösen.

K. Zschiedrich unterstrich: „Die LMBV als bergrechtlich verantwortliches Unternehmen im Sanierungsbergbau entstand mit wirtschaftlicher Wirkung am 1. September 1995 durch die Fusion der LBV (Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft) und der MBV (Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft) auf die LMBV. Die Grundlage für die Finanzierung der Altlastenbewältigung in der Braunkohle wurde bereits vorher durch das „Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie den neuen Bundesländern über die Regelung der Finanzierung ökologischer Altlasten vom 01.12.1992 geschaffen.“

Die LMBV übernahm 1995 die rechtliche Verantwortung für: • 32 Tagebaubereiche mit über 200 Tagebaurestlöchern und einer Gesamtböschungslänge von 1.200 Kilometer, • 46 Veredlungs- und 42 Kraftwerksstandorte mit 1.250 Altlastverdachtsflächen, • einen Grundwasserabsenkungstrichter von ca. 3.900 km² mit einem Grundwasserdefizit von über 12 Milliarden m³ und • Liegenschaften von über 100.000 Hektar.

In den drei Geschäftsfeldern der LMBV erfolgte zunächst im Auslaufbergbau noch die Rohkohleförderung in vier Tagebauen mit einer Gesamtleistung von 52 Millionen Tonnen, die Produktion von Briketts und Staub und der Elektroenergieerzeugung von ca. 4,5 Terrawattstunden, was ungefähr 40 Prozent der heutigen Jahresproduktion des Kraftwerkes Schwarze Pumpe entspricht. Der Auslaufbergbau endete 1999 mit der Schließung des Tagebaus Meuro.

Das zweite Geschäftsfeld, der Sanierungsbergbau, war in den Anfangsjahren davon geprägt, die erforderlichen bergrechtlichen Abschlussbetriebspläne zu erarbeiten. Diese beinhalten die Sanierungsziele, die anzuwendenden Technologien und Verfahren sowie die Hauptleistungen und gaben der LMBV nach erfolgter Zulassung Rechtssicherheit für das weitere Handeln. Die Projektplanung des Unternehmens umfasst heute einen Planungshorizont bis zur Erreichung der vorgegebenen Endziele der Sanierung.

Durch die konsequente Nutzung des Wettbewerbs bei der Vergabe von gewerblichen, aber auch ingenieurtechnischen Leistungen, haben sich leistungsfähige Anbieter am Markt entwickelt. Allein im Jahr 2014 gab es für 1.470 Bauverträge über 30.000 Anfragen und ca. 3.000 Angebote. Die Entwicklung innovativer Verfahren, zum Beispiel die der Rütteldruckverdichtung, und unterschiedlichste Verfahren der Wasserbehandlung führten zu Patenten. Das Know-how der LMBV findet heute auch international große Anerkennung und wird sowohl in Osteuropa als auch im asiatischen Raum zur Behandlung komplexer Bergbauthemen heran-gezogen.

Die Entwicklung der Braunkohlesanierung war in ihrer Projektentwicklung bis zum Jahr 2009 planmäßig in seinen Abläufen. Am 18. Juli 2009 erfolgte mit dem Böschungsabbruch im Tagebau Nachterstedt ein tragisches Unglück, bei dem drei Anwohner der Siedlung „Am Ring“ ihr Leben verloren. Die Frage nach den Ursachen, die Ermittlung eventueller Fehler bei der bergtechnischen Sanierung und Fragen zur hydrologischen Situation wurden im Rahmen der über drei Jahre dauernden Untersuchung intensiv behandelt. In einem Expertenteam wurde klar herausgearbeitet, dass keine ursachenrelevanten Versäumnisse des Unternehmens vorliegen und auch keine Übertragbarkeit auf andere Tagebaubereiche besteht.

„Mit großflächigen Geländeeinbrüchen und Sackungen auf alten Innenkippen der Lausitz entstand eine neue komplizierte Situation ab 2010/2011 in der Bergbausanierung“, erklärte der LMBV-Chef. „Obwohl diese Kippen in den Jahren vor 1990 nach den geltenden technischen Regeln hergestellt wurden und auch der Nachweis der Standsicherheit ordnungsgemäß er-folgte, beweisen diese geotechnischen Ereignisse, dass die „Physik der losen Sande“ noch offene Fragestellungen aufwirft. Die zusätzliche, vorsorgliche Sperrung von rund 18.000 Hektar bereits teilweise forst- und landwirtschaftlich genutzter Flächen war aus Sicherheitsgründen unumgänglich.“ In wissenschaftlicher Arbeit wurden bis 2012 erste Lösungsvorschläge erarbeitet. Die bisher nicht ausreichend betrachteten inneren Initiale einer Kippe in einer Wechselwirkung zwischen Grundwasser, Gasentwicklungen, Oberflächenwasser und Materialeigenschaften machen eine nachträgliche Behandlung vieler Kippen notwendig. Die dazu notwendigen Entscheidungen, auch die teilweise Anpassung der bestehenden Sanierungsziele, werden unter Beachtung der Folgenutzung gegenwärtig von der LMBV vorbereitet und bedürfen in den nächsten Monaten einer Behandlung in den Gremien der Braunkohlesanierung, aber auch durch die Genehmigungsbehörden der Länder.

„Wenn wir am heutigen Tage eine Zwischenbilanz ziehen, dann ist die ursprünglich geplante bergmännische Grundsanierung zu fast 90 Prozent abgeschlossen. Dabei haben wir 1,7 Milliarden m³ Massen bewegt, was im Vergleich rund 680 Mal der Cheops-Pyramide entspricht. Man könnte auch sagen, dass annähernd für jeden der heutigen LMBV-Mitarbeiter eine Pyramide entstand. Die Stabilisierung der Tagebauböschungen auf einer Länge, die der Strecke Berlin - Paris entspricht, ist nahezu vollbracht und für ca. 2/3 unserer ausgedehnten Kippenflächen wurde die Rekultivierung abgeschlossen. Dabei wurden unter anderem 56 Millionen Bäume gepflanzt“, zählte K. Zschiedrich auf.

Für die Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Aufgaben der LMBV wurden frühzeitig Flutungs- und Wasserbehandlungskonzepte entwickelt. Die Herstellung von 51 großen Bergbaufolgeseen mit einer Wasserfläche von über 25.000 Hektar durch die Flutung mit Überschusswasser aus Flüssen und in Mitteldeutschland aus Sümpfungswasser des aktiven Berg-baus, wird bis 2018 nahezu abgeschlossen sein. Dafür werden ca. 3,5 Milliarden m³ Fremd-wasser genutzt. Die Wasserbeschaffenheit in den entstandenen Bergbaufolgeseen wird durch neu entwickelte technische Verfahren schrittweise hergestellt. Dabei hat sich die Behandlung des gesamten Seewasserkörpers mit Kalk, unter Einsatz von Sanierungsschiffen, außerordentlich gut bewährt. Die bergbaubedingte wasserwirtschaftliche Nachsorge ist dabei Be-standteil der Projektplanungen der LMBV.

Mit der Einstellung der bergbaulichen Entwässerungsmaßnahmen und der schnellen Flutung der Tagebaurestlöcher, ging natürlich auch ein rasanter Grundwasserwiederanstieg vonstatten, der in einigen Regionen mittlerweile seinen vorbergbaulichen Endstand erreicht hat. Eine Vielzahl von notwendigen Gefahrenabwehrmaßnahmen an zwischenzeitlich errichteten Gebäuden oder Einrichtungen der Infrastruktur waren notwendig. Beispiele für komplexe Entwässerungsmaßnahmen mit Horizontalfilterbrunnen sind die Städte Hoyerswerda und Senftenberg oder die Stadt Delitzsch mit der Erhöhung des Abflussverhaltens des Lobers. Für die gemeinsame Finanzierung dieser Projekte zu je 50 Prozent durch den Bund und die Länder, trotz unterschiedlicher Rechtsstandpunkte, ist die LMBV dankbar. Dies hat wesentlich zur zügigen Bearbeitung der über 50 wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren, die im Rahmen der Herstellung der Bergbaufolgeseen zu führen sind, beigetragen.

Durch den teilweisen Endstand im Grundwasserwiederanstieg und dem Anschluss der Fließgewässer an die oberen Grundwasserleiter, kommt es zum Teil bei Fließgewässern zu diffusen Zutritten von Eisenhydroxid - die Verockerung und Braunfärbung z. B. der Spree ist für jeden die sichtbare Folge. Die LMBV hat zum Schutz des Spreewaldes mit den brandenburgischen Behörden ein Zehn-Punkte-Programm zur Gefahrenabwehr entwickelt und umgesetzt. „Der Zufluss von eisenhydroxidhaltigem Wasser in den Kernbereich des Spreewaldes wurde durch technische Maßnahmen somit verhindert“, diese Botschaft war dem LMBV-Geschäftsführer wichtig.

Im ostsächsischen Revier, vor dem Zusammenfluss von Spree und Kleiner Spree, wird mittels Filterbrunnen Wasser aus dem anströmenden Grundwasser entnommen und anschließend in der Wasseraufbereitungsanlage Schwarze Pumpe behandelt. Ein weiteres biologisches Verfahren der Grundwasserbehandlung im Bereich der Ruhlmühle ist 2014 in Betrieb gegangen. Für den Umgang mit den dabei jährlich anfallenden ca. 200.000 m³ Eisenhydroxidschlämmen hat die LMBV ein umfassendes Konzept entwickelt.

Die Verwertung nicht mehr benötigter Betriebsanlagen und Flächen ist das dritte Geschäftsfeld der LMBV. Von den ehemals 100.000 Hektar sind heute noch 32.000 Hektar im Unternehmensflächenbestand, wobei davon bereits durch Vereinbarungen mit dem Freistaat Sachsen und Brandenburg zur Übertragung der Bergbaufolgeseen ca. 16.000 Hektar und durch Zuführung zum Nationalen Naturerbe ca. 3.000 Hektar bereits nutzungsgebunden sind. Mit der Flächenverwertung und der gezielten Standortentwicklung wurden maßgebliche Impulse für die regionale Entwicklung der Regionen, insbesondere der Neuansiedlung von Firmen, gegeben.

Seit 1995 führte die LMBV in den Revieren eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung durch. „Aktuell ermöglichen wir 40 jungen Menschen eine zukunftsweisende Ausbildung. Insgesamt er-hielten bei der LMBV 1.650 Auszubildende einen Berufsabschluss“, so der LMBV-Geschäftsführer. Der Ersatz von altersbedingt ausscheidenden Wissensträgern zum Erhalt des Know-hows und der Fachkompetenzen spielt eine bedeutende Rolle im Unternehmen. So konnte die LMBV seit 2007 ca. 320 neue Mitarbeiter, also die Hälfte der heutigen Belegschaft, neu einstellen. Das hat sowohl die Altersstruktur positiv beeinflusst - aber auch der Frauenanteil in der Belegschaft auf über 50 Prozent ansteigen lassen. Auch die Leitungsfunktionen sind mittlerweile zu 42 Prozent durch Frauen besetzt.

In einem letzten Punkt verwies der LMBV-Chef auf die im September 2014 erfolgte Verschmelzung der „Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben“, also der GVV, auf die LMBV. Im Rahmen der Aufgabenbewältigung wurden durch die GVV bisher an den 19 Betriebsstandorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Leistungen in einem finanziellen Umfang von 1,4 Milliarden Euro erbracht. Die zukünftigen Aufgaben im neuen Sanierungsbereich Kali-Spat-Erz bestehen noch in der Verwahrung von unter-tägigen Grubenbauen, der Überwachung bergbaulicher Standorte und der zentralen Salzlaststeuerung im Kali-Südharzrevier.

Klaus Zschiedrich resümierte, „dass die Bergbausanierer im Gemeinschaftswerk von Bund und ostdeutschen Braunkohleländern die Bewältigung der ökologischen Altlasten im vormaligen Braunkohlenbergbau bereits zu großen Teilen vollzogen haben. Die LMBV als Projektträger und bergrechtlich verantwortliches Unternehmen hat bis heute Leistungen für 10 Milliarden Euro erbracht - Leistungen, die eine gute Investition in die Zukunft sind und eine Chance für eine gute nachbergbauliche regionale Entwicklung bieten!“

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