Sanierungsabschnitt IV: Südwestböschung

Unter Beachtung der neuen Erkenntnisse aus der Ursachenforschung zur Böschungsbewegung vom 18.07.2009, insbesondere aber auch aus den neuen Erkenntnissen zum Verhalten von Kippenkomplexen der Lausitz ist die Sicherung des Böschungssystems durch Rüttelstützkörper erforderlich.

Aus dem Grund sind zur Stabilisierung des Böschungssystems zwei Rüttelstützkörper auf dem Höhenniveau von +95 m NHN und +103 m NHN geplant. Die Länge der Rüttelstützkörper beträgt auf dem Niveau +103 m NHN ca. 700 m und auf dem Niveau +95 m NHN ca. 450 m.

Am 28.06.2016 kam es während der Rüttelarbeiten im Bereich des Südwestufers auf dem +95 m NHN Damm zu einer Böschungsbewegung. Dabei ist noch unverdichtetes Kippenmaterial in einer Größenordnung von ca. 1,7 Mio. m³ ausgeflossen.

Die vorliegenden Daten wurden umgehend ausgewertet und in einem Untersuchungsbericht zusammengestellt. Im Ergebnis der Auswertung ist festzuhalten, dass das Ereignis vom 28.06.2016 plötzlich und ohne Vorankündigung eintrat. Auf Grund seiner Merkmale, charakterisiert durch die Porenwasserdruckentwicklung, die seismischen Aufzeichnungen und dem Ablauf der Böschungsbewegung ist die Böschungsbewegung als Setzungsfließrutschung einzustufen. Eine weitere intensivere Auswertung der geotechnischen und hydrodynamischen Situation im Zusammenhang mit den Monitoringergebnissen sowie der technologischen Vorgaben erfolgte im Rahmen eines geotechnischen Ursachenberichtes.

Bei der Setzungsfließrutschung ist das für die Verdichtungsarbeiten eingesetzte Trägergerät auf einem inselförmigen Rest des Rüttelverdichtungsdammes +95 m NHN verblieben. Mit dem Einsatz eines Seilbaggers und einer ferngesteuerten Raupe wurde ein Sicherungsdamm bis an den Bereich des verbliebenen Trägergeräts hergestellt, so dass das Gerät am 17.11.2016 erfolgreich auf sicheren Grund verfahren werden konnte (s. auch LMBV: Havarierter Seilbagger bei Nachterstedt wieder auf sicherem Grund).

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse des geotechnischen Ursachenberichtes und einer ersten Erkundungskampagne werden in der 1. Aktualisierung des Rahmenkonzeptes zur Sanierung die Sicherungsmaßnahmen und die Arbeiten zur Profilierung des Endböschungssystems beschrieben.

Die Sanierung des entstandenen Rutschungskessels besteht aus drei Teilmaßnahmen.

Teilmaßnahme 1
Herstellung Rüttelstützkörper + 103 m NHN

Durch die Setzungsfließrutschung wurde der bereits hergestellte RSV-Stützkörper + 103 m NHN partiell geschwächt. Zur Wiederherstellung seiner Funktionsfähigkeit wird im Hinterland ein zusätzlicher 90 m langer Rüttelstützkörper errichtet.

Teilmaßnahme 2
oberflächennahe Verdichtung verflüssigungsempfindlicher Sande

In Vorbereitung der erdbautechnischen Maßnahmen im Rutschungskessel erfolgt auf der Aufstandsfläche der einzubauenden Massen eine oberflächennahe Vergütung der anstehenden verflüssigungsempfindlichen Sande durch eine leichte Rütteldruckverdichtung.

Teilmaßnahme 3
Profilierung des Rutschungskessels

In einem zweiten Schritt wird auf dem vergütetem Untergrund ein den Rutschungskessel querender Stützkörper als Damm lagenweise aufgebaut. Die Kronenbreite des Dammes beträgt ca. 12 m. Anschließend erfolgten die Verfüllung des Rutschungskessels südlich des Dammes und die Profilierung der zukünfitgen Uferzone.

aktualisiert am 14.08.2017

Böschungsbewegung 28.06.2016
Böschungsbewegung 28.06.2016