Tragisches Unglück am 18.07.2009 im Sanierungstagebau Nachterstedt: Böschungsbewegung mit drei Toten

Nachterstedt. Bei einer Böschungsbewegung starben am Morgen des 18. Juli 2009 drei Menschen in ihren abgerutschten Häuser. 42 Anwohner in 23 Haushalten mussten für immer ihre Häuser verlassen. Mehr als zwei Millionen Kubikmeter Böschungsmasse waren in den Concordiasee gestürzt, der seitdem gesperrt werden musste.

Fremdzitat: "Am 18. Juli 2009 ereignete sich an der Südböschung des Concordiasees in Nachterstedt ein Böschungsabriss von erheblichem Ausmaß. Der Concordiasee ist das teilgeflutete Tagebaurestloch des ehemaligen Braunkohlentagebaus Nachterstedt. Die bergrechtliche Verantwortung liegt bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Bergbausanierungsunternehmen. Der Abriss erfasste einen Böschungsbereich von etwa 1,1 km Länge. Die Abbruchkanten weisen Rückgriffweiten bis zu 85 m in das Hinterland auf und besitzen Höhen von bis zu 40 m. Das Volumen der Massenbewegung liegt geschätzt bei circa 4,5 (zuerst 2,2 geschätzt) Mio. m³." (Quelle: PM des MW / mit Korrektur aus 2013)

Die im Jahr 2009 gewonnenen Erkenntnisse der vom LAGB beauftragten Gutachter wurden im Februar 2010 und im Dezember 2011 im Rahmen vonr Pressekonferenzen dargestellt. Als damaliger Arbeitsstand wurden insgesamt 14 potenzielle Schadensursachen ermittelt. Es wurde als wahrscheinlich angesehen, dass der großräumige Böschungsabriss vom 18. Juli 2009 durch das gleichzeitige Zusammenwirken verschiedener Faktoren verursacht wurde.

Arbeiten der LMBV im ersten Jahr nach der Böschungsbewegung Nachterstedt (Auswahl):
• Soforthilfen für Betroffene,  Einrichtung eines Kontaktbüro am 27.07.2009
• 15 Entschädigungsvereinbarungen mit betroffenen Anwohnerhaushalten in 2009
• Fond von Bund und Land Sachsen-Anhalt für mittelbar Betroffene
• Sicherung und Überwachung des von der Stadt Seeland verfügten Sperrgebietes / Wasserproben im Concordiasee
• Bergung von persönlichen Gegenständen aus den Häusern innerhalb des Sperrgebietes und des in den Häusern verbliebenen Heizöls
• Beauftragung eines interdisziplimären Gutachterteams unter Leitung von Prof. Katzenbach (TUD)
• Vorlage eines Erkundungsprogramms durch die Gutachter der LMBV im Dezember 2009
• Vorlage eines Zwischenberichts zur Ursachenermittlung durch die Gutachter der LMBV im Dezember 2009
• Aufbau eines Monitoring- und Überwachungssystem zur Absicherung der Erkundungs- und Sanierungsarbeiten, bestehend aus geodätischen Sicherheitsmesslinien mit permanenter, arbeitstäglichen und wöchentlichen Messungen / Zwei GPS-Messsysteme / Seismische Messgeber (Schwingungsmesser und Geophone) / Rutschungswarnanlagen / Extensometer zur Bewegungsfeststellung / 91 Grundwassermessstellen, davon 36 Messpegel mit Datenloggern ausgerüstet
• Lotung des Seebodens: ferngesteuert (Oktober 2009); bemannt auf See (Multibeam im Juni 2010)
• Bohrung und Inbetriebnahme von 5 Brunnen (78 bis 111 m unter GOK)
• Bohrung von 11 Grundwassermessstellen (33 Bohrungen)
• Errichtung eines Kernlagers für die Gutachter von LAGB und LMBV

Folgearbeiten im zweiten Jahr (Vorstellung auf LMBV-Pressekonferenz am 15.07.2010):
• mehrere Informationsveranstaltungen in Nachterstedt für Betroffene und Anwohner
• kummulativ weitere Entschädigungsvereinbarungen mit betroffenen Anwohnerhaushalten
• Errichtung der Infrastruktur für die weiteren Erkundungs- und Sanierungsarbeiten / 3D-Modelierungen
• Errichtung von Laborräumen für die Gutachter von LAGB und LMBV
• Monitoringprgramm: u.a. tägliche Pegelstandsmessungen im Anstrombereich / Messungen der Geländeoberfläche im Sperrbereich/Wohnareal
• Vorbereitung der Erkundung des Rutschungskessels durch Drucksondierungen und geotechnische Bohrungen auf dem Concordiasee von hochseetüchtigen Pontons
• Errichtung weiterer Brunnen und Grundwassermessstellen nach Genehmigung durch das LAGB
• Planungen zur Suche und Bergung der drei vermissten Personen
• Planungen zur Herstellung der Baufreiheit der Böschung sowie Beräumung im Sperrgebietes
• Erarbeitung der Sanierungskonzeption für betroffenes Böschungsareal

Diese Angaben wurden fortlaufend ergänzt und sind keine abschließende Darstellung.

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